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Straus Straus Oscar (eig. Strauss), Familie
Oscar (eig. Oskar Nathan): * 1870-03-066.3.1870 Wien, † 1954-01-1111.1.1954 Bad Ischl/OÖ. Komponist, Kapellmeister. Der Sohn des Kaufmannes Louis Straus aus Otterberg/D und seiner Frau Gabriele, geborene Stern, die aus einer wohlhabenden Familie stammte, studierte zunächst in Wien Komposition bei H. Grädener und Klavier bei A. Prosniz, 1891 in Berlin Komposition bei Max Bruch. Am 25.4.1895 heiratete er die Geigerin Nelly Irmen (eig. Helene Neumann, * 15.5.1872 Wien, † ?), mit der er auch gemeinsam auftrat. St. war 1895/96 Theaterkapellmeister in Brünn, 1896/97 in Teplitz-Schönau und 1897/98 in Mainz/D. 1901/02 war er Pianist und Hauskomponist an Ernst von Wolzogens Berliner Kabarett Überbrettl, wo er mit Chansons wie Die Musik kommt rasch populär wurde. Danach kehrte er nach Wien zurück und schrieb 1904 seine erste Operette Die lustigen Nibelungen (eine 1993 von O. Schenk wiederentdeckte Wagner-Parodie). Ein Walzertraum war St.’ Antwort auf F. Lehárs Lustige Witwe. Am 9.12.1908 heiratete er die Sängerin Clara Singer (* 25.1.1886 Wien, † 22.10.1967 Salzburg) in zweiter Ehe. 1916/17 leitete er, allerdings ohne Erfolg, das Wiener Ronacher. Als fruchtbar erwies sich die Zusammenarbeit mit F. Massary (Der letzte Walzer mit der Chanson O-la-la). 1929/30 wirkte er als Komponist von Filmmusik in Hollywood (Los Angeles, CA/USA). 1938 ging er über die Schweiz nach Frankreich ins Exil, 1940 in die USA (New York und Hollywood), wo der schon 1909 kreierte Chocolate Soldier zu den meistgespielten Operetten zählte. Ab 1948 lebte St. wieder in Österreich (Bad Ischl), dirigierte aber auch in England, Frankreich und Skandinavien. Mit Lehár, L. Fall und E. Kálmán zählt er zu den Hauptvertretern der sog. „Silbernen Operette“.
Gedenkstätten
O.-St.-Park (Wien XIII; s. Abb.); Gedenktafel am vermeintlichen Geburtshaus (Wien II, Untere Donaustraße 27; tatsächlich geboren in Wien I, Rotenturmstraße 24); O.-St.-Kai in Bad Ischl.
Ehrungen
Ritter der Ehrenlegion 1939; Ehrenring der Stadt Wien 1950.
Werke
Operetten (Die lustigen Nibelungen 1904; Ein Walzertraum 1907; The Chocolate Soldier 1909; Eine Ballnacht 1918; Der letzte Walzer 1920; Ihr erster Walzer 1950); Filmmusiken (The Smiling Lieutenant 1932; La Ronde [Regie: Max Ophüls, nach Arthur Schnitzlers Reigen] 1950); Ballette, Kammermusik, Klavierstücke, Lieder.
Literatur
F. Mailer, Weltbürger der Musik 1985 [mit WV]; Czeike 5 (1997); NGroveD 24 (2001); MGG 12 (1965); Lang 1986; Riemann 1961 u. 1975; Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; Orpheus im Exil 1995; R. Ulrich, Österreicher in Hollywood 2004; Müller-Asow 1929; Geburtsbuch für die israelitische Kultusgemeinde in Wien 1867–1870 [D], RZ 7095; Trauungs-Buch für die IKG in Wien 1907–1909, fol. 94.

Seine Söhne

Leo (Leopold): * 21.1.1897 Teplitz-Schönau/Böhmen, † 28.10.1944 KZ Auschwitz/D (Oświęcim/PL). Kabarettist, Dramaturg, Textdichter. Nach der Matura am Erzherzog Rainer Realgymnasium (Wien II) 1915–19 Jus-Studium an der Univ. Wien (Promotion zum Dr. jur. am 7.5.1920). Daneben veröffentlichte er ab spätestens 1917 vereinzelt literarische Texte in Wiener Zeitungen. Zunächst Tätigkeit als Beamter im Bank- und Industriebereich. Nach der Eheschließung mit seiner Cousine Myra am 28.6.1922 übersiedelte er in deren elterliche Wohnung nach Wien III, Bossigasse 32. In der Spielzeit 1926/27 zunächst Sekretär, später Verwaltungsdirektor, stellvertretender Direktor und Dramaturg der Wiener Kammerspiele. Anfang September 1929 wechselte er als Dramaturg und Sekretär ans neu eröffnete Neue Wiener Schauspielhaus, wo er später auch als stellvertretender Direktor fungierte. Hier vermutlich nur bis 1932 tätig, bis 1939 ist St. jedoch als Theatersekretär in Lehmanns Adresskalender eingetragen. Darüber hinaus auch als Schriftsteller tätig. Er schrieb Bühnenstücke, Texte für Bühnenwerke seines Halbbruders Erwin und für das Kabarett. Am 1. Oktober 1942 wurde er aus Wien in das Konzentrationslager Theresienstadt (Terezín/CZ) deportiert (Nationalsozialismus), wo er sich im Rahmen der sog. „Freizeitgestaltung“ als Textdichter, Regisseur und Conférencier für das dortige Kabarett betätigte und auch ein eigenes Ensemble, das „Strauss-Brettl“, gründete. 1944 wirkte er in der von Kurt Gerron gegründeten Truppe „Karussell“ mit. Am 12. Oktober 1944 wurde er gemeinsam mit seiner Frau ins KZ Auschwitz deportiert und kurz darauf ermordet.


Werke
Operettenlibretti (Dichter in vier Aufzügen [M: Rudolf Nelson] 1936, Flüsternde Herzen M: Charles König] 1936?); gem. m. Geza Herczeg Revue Der tanzende Shylock (M: E. Straus) 1932; Bühnenbearbeitungen (dt. Fassung von Alfred Savoirs Komödie Nur ein Statist 1930); gem. m. Jo Hans Rösler Lustspiel Für dich, Papa! 1932; Gesangstexte zu Ein entzückender Mensch (M: E. Straus) 1931; Chansontexte (Drunt’ im Prater ist ein Platzerl, Theresienstädter Wienerlied, Aus der Familie der Sträuße, Die Menage kommt, Als ob; Kurzgeschichten; Gedichte (Theresienstädter Fragen).
Literatur
R. Müller in Zwischenwelt 20/1 (Mai 2003); ÖBL 13 (2010); K. Ploog, Als die Noten laufen lernten… Bd. 1.3 (2019); K. Weniger, Zwischen Bühne und Baracke 2008; V. Kühn (Hg.), Deutschlands Erwachen. Kabarett unterm Hakenkreuz. 1933–1945, 1989, 272ff, 386; Kosch 4 (1998); Ulrich 1997; F. Mailer, Weltbürger der Musik 1985; U. Migdal (Hg.), Und die Musik spielt dazu. Chansons und Satiren aus dem KZ Theresienstadt 1986; Handbuch österr. Autoren und Autorinnen jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jh. 3 (2002); Neues Wr. Journal 30.8.1929, 10, 30.10.1929, 11, 11.11.1929, 5, 12.8.1936, 10; Der Tag 10.11.1929, 11, 2.3.1932, 8; Neues Wr. Tagbl. 19.10.1928, 11, 1.9.1929, 14, 3.8.1932, 8; NFP 2.3.1932, 6; www.doew.at (8/2022); www.genteam.at (8/2022); eigene Recherchen (Lehmanns Adressbücher; www.anno.onb.ac.at); Mitt. Archiv Univ. Wien (8/2022).

Erwin: * 5.4.1910 Wien, † 28.12.1966 München/D (Freitod). Komponist, Pianist, Dirigent. Der ältere Sohn aus der zweiten Ehe seines Vaters erhielt Mitte der 1920er-Jahre seine Schulbildung in St. Moritz/CH und machte erste Kompositionsversuche. Ab 1927 trat er als Komponist an die Öffentlichkeit und schrieb Musik für verschiedene Revuen. Seine ersten beiden Operetten (Mon coeur est une étoile und Dancing [Miß Kittys Jazzband]) wurden für Herbst 1929 in Paris und Nantes/F angekündigt. Zu dieser Zeit soll er als Komponist für das Berliner Kabarett Katakombe (UA des ersten Programms am 16.10.1929) gewirkt haben. Anfang März wurde am Berliner Thalia-Theater seine Operette Denk an mich uraufgeführt, ab 8.6.1930 ging sie in in Prag über die Bühne. Für die Groteske Bobby weint, Bobby lacht, die am 16.1.1931 am Neuen Wiener Schauspielhaus mit Harald Paulsen uraufgeführt wurde, schrieb er die Musik und übernahm die musikalische Leitung. Im selben Jahr betätigte er sich erstmals auch als Tonfilmkomponist. Am 29.11.1932 leitete er in Wien die UA seiner Revue Der tanzende Shylock mit K. Farkas in der Titelrolle, mit der das Neue Lustspielhaus in der Praterstraße (Wien II, früher Roland-Bühne) eröffnet wurde. Am 6.6.1933 heiratete er in Wien die Rechtsanwaltstochter Maryla Weitz (* ca. 1913 [Ort?]). Im Mai 1934 ging er auf Vermittlung von Ernö Rapée nach New York, wo er für die Radio City als Hauskomponist arbeitete, kehrte aber spätestens im Frühjahr 1935 wieder zurück nach Wien und wirkte als Pianist in Kabaretts. Im Herbst 1935 Chefkapellmeister in einem Warschauer Vergnügungslokal, 1936 wirkte er in Wien als Komponist für Kabaretts. Später in Monaco und den USA tätig, wohin er emigriert war. In den 1940/50er-Jahren in New York u. a. als Barpianist und als Dirigent tätig. Am 10.10.1945 wirkte er in der Komödie Der Charlatan, gespielt vom „Kabarett der Komiker“, in der New Yorker Town Hall mit. Im Oktober 1946 war er Solist in einem von seinem Vater dirigierten Orchesterkonzert und ein Jahr später musikalischer Leiter der Feier zum 25-jährigen Bestandsjubiläum des „Kabaretts der Komiker“ in New York. Nach seiner Rückkehr nach Europa ließ er sich in München nieder. Am 11.8.1956 trat er in Bad Ischl im Rahmen eines Festkonzerts mit Werken seines Vaters als Pianist und Arrangeur einer eigenen Paraphrase auf. Schon seit jungen Jahren immer wieder mit psychischen Problemen kämpfend, setzte er seinem Leben nach mehreren missglückten Suizidversuchen schließlich ein Ende.


Werke
Operetten (Mon coeur est une étoile 1929, Dancing [Miß Kittys Jazzband] 1929 [T: L. Straus], Denk an mich 1930 [T: Felix Basch], Ein entzückender Mensch 1931 [T: Jean de Létraz, dt.: Berth Ebelsbacher, Gesangstexte von L. und E. Straus], Drei Husaren 1935 [T: P. Herz, Julius Wilhelm und Paul Frank]); Musik zur Groteske Bobby weint, Bobby lacht (T: Norbert Garai) 1931; Musik zur Komödie Professor Unrat 1932 (T: Erich Ebermayer nach Heinrich Mann); Revue Der tanzende Shylock 1932 (T: G. Herczeg und L. Straus); Filmmusik (Die nackte Wahrheit 1932, Eine Frau, die weiß, was sie will 1958); Schlager (Ich wart auf Dich im stärksten Regen [T: F. Grünbaum], Ein Legionär küßt sein Mädel [T: A. L. Robinson], A Holiday in Austria [T: A. L. Robinson]); Klaviermusik (Trois Etudes de Jazz pour piano).
Literatur
Kosch 4 (1998); F. Mailer, Weltbürger der Musik 1985; Ch. Klösch/R. Thumser, „From Vienna“ 2002; Neues Wr. Journal 20.1.1926, 7, 30.10.1929, 11, 2.3.1930, 12, 3.9.1930, 6, 30.7.1931, 13, 8.11.1931, 9, 30.11.1932, 11, 20.12.1932, 5, 18.4.1934, 7, 9.6.1934, 11; Illustrierte Kronen-Ztg. 1.4.1927, 11; Die Bühne 252 (1929), 11; Der Tag 24.9.1935, 3; Neues Wr. Tagbl. 18.1.1931, 13, 22.3.1936, 14; Wr. Kurier 18.10.1946, 4; Welt am Abend 7.10.1947, 3; NFP 28.3.1930, 14, 20.12.1932, 5; Prager Tagbl. 1.6.1930, 8; Die Stunde 18.1.1931, [5]; Dt. Allgemeine Ztg. 6.3.1930, [3]; www.genteam.at (8/2022); eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).

Leos Ehefrau

Myra Natalie (geb. Grünberg; Pseud. Gruhenberg): * 14.7.1900 Wien, † 13./14.10.1944 Auschwitz. Schriftstellerin, Sängerin. Tochter des Bankbeamten Hermann Grünberg (* 4.10.1865 Deés, Siebenbürgen/Ungarn [Dej/RO], † 15.3.1920 Wien) und dessen Frau Edda (eig. Edwina, geb. Neumann, * 6.11.1865 Wien, † 30.9.1943 KZ Theresienstadt), Schwester von O. St.’ erster Frau Nelly. Ihre Mutter debütierte nach der Ausbildung an der Schauspielschule des Konservatoriums der GdM (1888–90) im Dezember 1890 am Deutschen Volkstheater und war später auch als Autorin tätig. Nach der Eheschließung am 15.8.1894 beendete sie ihre Schauspielkarriere. M. trat zwischen 1915 und 1921 bei verschiedenen Wohltätigkeitsveranstaltungen als Sängerin von Chansons und Wienerliedern auf, zum Teil auch gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Ilse Grünberg (verh. Weichert, * 16.9.1895 Wien, † 18.9.1942 lein Trostinetz bei Minsk [Maly Trostinec/BY]), die seit 1914 auch solistisch mit Liedern zur Laute an die Öffentlichkeit trat und später mehrfach vom befreundeten Porträtmaler Moritz Coschell gemalt wurde. Von Juli 1933 bis Jänner 1938 und auch noch nach M.s Tod bis Mitte der 1950er-Jahre erschienen unter ihrem Pseud. Myra Gruhenberg regelmäßig literarische Beiträge in zahlreichen Wiener Zeitungen bzw. Zeitschriften, im Prager Tagblatt sowie in der Pariser Tageszeitung und dem Pariser Tageblatt. Dazu kamen Hörspiele und Bühnenstücke. Unklar ist, ob sich hinter dem Pseudonym auch ihr Mann verbarg.


Ehrungen
Bronzene Ehrenmedaille mit der Kriegsdekoration des österreichischen Roten Kreuzes 1917.
Werke
Einakter Grüße von Herrn Jourdain (M: Egon Goldberg, UA Amsterdam); Theaterstücke; Kurzgeschichten; Dialoge; Hörspiele.
Literatur
R. Müller in Zwischenwelt 20/1 (Mai 2003); E. Früh, M. G. 2003 [mit unvollständigem WV]; NFP 24.8.1915, 29, 19.2.1916 (Abendbl.) 1, 27.2.1916, 16, 1.3.1916, 12; Die Zeit 2.9.1915, 6; Österr. Volks-Ztg. 24.8.1916, 10; Neues Wr. Tagbl. 23.2.1917, 15, 30.6.1917, 9, 1.1.1918, 11; Wr. Morgenztg. 6.4.1921, 6; Geburtsbuch der IKG Wien 1900, RZ 1795; Trauungsbuch der IKG Wien Innere Stadt 1894–95, RZ 219; www.doew.at (10/2022); www.genteam.at; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; https://portal.dnb.de; Jahrbücher des Konservatoriums der GdM).

Autor*innen
Monika Kornberger
Alexander Rausch
Letzte inhaltliche Änderung
30.11.2022
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger/Alexander Rausch, Art. „Straus (eig. Strauss), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 30.11.2022, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e3b1
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Heinrich Deutsch, Oscar-Straus-Denkmal (1959). Oscar-Straus-Park, Wien XIII © Björn R. Tammen
© Björn R. Tammen
Erwin Straus (Die Stunde 21.12.1932, [10])© ANNO/ÖNB
Erwin Straus (Radio Wien 20.11.1931, 25) © ANNO/ÖNB
Erwin Straus, 1940er Jahre (Archiv Aufbau, Zürich)
Myra Straus an der Seite von E. Meller (Die Bühne 194 [1928], o. S.)© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x0001e3b1
GND
Straus Oscar: 11875582X
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Straus Leo: 126928738
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Straus Erwin: 132608162
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Straus Myra: 1038287138
OBV
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