Logo ACDH-CH
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Schulz, Schulz, Andreas: Familie
Andreas: * 1786-02-2727.2.1786 Königheim/Großherzogtum Baden (D), † 1860-12-1313.12.1860 Wien. Gitarrist. Ließ sich zu Beginn des 19. Jh.s in Wien nieder und war – zumindest zum Zeitpunkt seiner Eheschließung am 9.9.1810 und bei der Geburt seiner Söhne – hauptberuflich Buchhalter, später wird er als Tonkünstler bezeichnet. Sch. erteilte Gitarreunterricht (Gitarre) und komponierte einschlägige Werke. Im September 1817 konzertierte er mit dem Violinisten Jos. Böhm in Baden bei Wien als Gitarrenduo, drei Monate später mit dem Giuliani-Schüler Franz Mendl in Wien. Unterrichtete seinen jüngeren Sohn Leonhard im Gitarrespiel. Mit diesem und Sohn Eduard trat er ab 1823 zunächst in Wien, später auch in Deutschland und England auf, wohin die Familie 1825 mit I. Moscheles gekommen war. Für die Konzerte mit seinen Söhnen schuf Sch. Bearbeitungen für unterschiedliche Besetzungen. Um 1828/30 ließ er sich gemeinsam mit seinen Söhnen in London nieder. Im Jänner 1836 erhielt er für sich und seine Söhne von der niederösterreichischen Regierung eine einjährige Bewilligung für eine Reise durch Deutschland, von der er aber unerlaubterweise im Dezember 1837 noch nicht zurückgekehrt war. Später sind Aufenthalte in Bad Ischl, Linz und in seiner Geburtsstadt Königsheim belegt, die er aber als Privatmann unternommen haben dürfte.
Werke
Variationen und Tanzstücke für Gitarre (12 Ländler für eine Guitarre 1824, 12 Ecossaises pour la Guitarre 1824).
Literatur
Wr. Theater-Zeitung 6.9.1817, 428 u. 23.12.1817, 612; Wr. Zeitung 26.2.1824, 204, 16.5.1836, 622, 9.12.1837, 794; Trauungsbuch der Pfarre St. Peter (Wien I) 1808–25, fol. 58; Sterbebuch der Alservorstadtpfarre (Wien VIII) 1860–62, fol. 97; eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at).


Seine Söhne

Eduard: * 18.2.1812 Wien, † 15.9.1876 London. Pianist, Pädagoge. Klavierunterricht bei A. Mittag. Lt. Bone soll er im Kindesalter vor L. v. Beethoven gespielt haben. Trat am 20.4.1823 im Landständischen Saal in Wien als Duopartner seines Bruders Leonhard sowie als Klavierbegleiter des Sängers L. Titze auf. Am 15.2.1824 folgte am selben Ort ein weiteres gemeinsames Konzert mit Vater und Bruder, in welchem er auch auf der Physharmonika zu hören war. Im Anschluss gemeinsam mit Vater und Bruder Konzertreisen nach Deutschland (München, Augsburg, Stuttgart), Frankreich und England. Am 18.1.1834 spielte er im Rahmen eines Konzertes von C. Kreutzer in Wien, nachdem er kurz zuvor aus London gekommen war, wo er sich wie Vater und Bruder niedergelassen hatte. Hier machte er sich später als Klavierpädagoge der Londoner Gesellschaft einen Namen.

Leonhard (Leonard, eig. Leonardus): * 12.11.1813 Wien, † 27.4.1860 London. Gitarrist, Komponist. Gitarrenunterricht durch seinen Vater. Debütierte in Wien im Alter von acht Jahren in einem Konzert der GdM als Solist (3.11.1822) und war damit für Wien das erste Gitarre spielende Wunderkind in der Ära nach Giuliani. Am 20.4.1823 trat er als Solist sowie gemeinsam mit seinem Bruder Eduard im Landständischen Saal auf. Im September 1824 ist ein Konzert in Nürnberg/D belegt. 1825 ging er gemeinsam mit Vater und Bruder nach England, wo er mehrfach am Hof konzertierte. 1826 war die Familie in Ofen (Budapest) zu hören. Am 2.2.1827 folgte ein erneutes Konzert in Wien, u. a. gemeinsam mit J. Hellmesberger. Weitere Konzertreisen mit Vater und Bruder nach Deutschland (München, Stuttgart, Straßburg), Frankreich und England, wohin die Familie um 1830 zog. L. Sch. errang Popularität als Gitarrenvirtuose (Virtuose), es folgten Auftritte in Europa als Solist sowie im Duo mit dem Gitarristen A. Götz, den er 1844 während eines Kuraufenthaltes in Aussee (Ausseerland) kennengelernt und möglicherweise auch unterrichtet hatte. Darüber hinaus komponierte er zahlreiche Werke für die Gitarre und war als Pädagoge tätig. Soll zuletzt mit Trunksucht gekämpft haben.


Werke
Über 100 Werke, v. a. für Gitarre solo sowie Gitarre und Klavier; Zwölf Studien für Gitarre, hg. v. J. Zuth 1927; The Collected Guitar Studies, hg. v. Erik Stenstadvold 2011.
Literatur
Ph. J. Bone, The Guitar and Mandolin 1914, ND 2012; Zuth 1926; J. Powroźniak, Gitarrenlex. 1979; St. W. Button, The Guitar in England 1800–1924, Diss. Guildford 1984; Wurzbach 32 (1876); Wr. Theater-Ztg. 3.5.1823, 212, 28.2.1824, 103f, 13.2.1827, 80, 24.4.1827, 199f; Wr. Zs. 27.5.1823, 520, 28.2.1824, 215f, 24.11.1827, 1168f; Wr. Ztg. 1.2.1827, 136; E. Hanslick, Gesch. des Concertwesens in Wien 1 (1869), 257; Taufbuch der Pfarre St. Karl Borromäus (Wien IV) 1811–18, fol. 72; eigene Recherchen.

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
17.6.2025
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Schulz, Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 17.6.2025, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x00080646
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN

DOI
10.1553/0x00080646
GND
Schulz, Andreas: 1011600722
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Schulz, Eduard: 142537330
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Schulz, Leonhard: 1011600722
OBV
Weiterführende Literatur

ORTE
Orte
LINKS
ACDH-CH, Abteilung Musikwissenschaft

Publikationen zur Musikwissenschaft im Verlag