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Brüggemann, Brüggemann, Werner: Familie
Werner: * 1936-02-2525.2.1936 Neugraben (heute Hamburg/D), † 1997-08-1212.8.1997 Linz (begr. Puchenau/Linz). Akkordeonist, Pianist, Komponist und Musikpädagoge. Wurde früh von seinem Vater, der Trompete in der örtlichen Feuerwehrkapelle spielte, musikalisch gefördert, lernte autodidaktisch Akkordeon und Signaltrompete. Zunächst privater Klavierunterricht, ab 1946 bei Erich Kraut am Konservatorium in Hamburg-Harburg, später zusätzlich Akkordeonunterricht bei Heinz Funk in der Akkordeonfachschule in Hamburg. Dort wurde er bald Ensembleleiter und Assistent von Funk, 1953–58 Leiter des Schulorchesters, 1954–58 auch des Neugrabener Akkordeonorchesters. Ab 1954 Lehrassistent für Klavier am Konservatorium Hamburg-Harburg. Daneben als Tanzmusiker sowie Bordsolist auf Schifffahrten tätig. 1958–60 Studium der Musikpädagogik in Trossingen/D (Hauptfach Akkordeon bei Hugo Herrmann, Improvisation bei Fritz Dobler, Tonsatz bei Armin Fett). Nach der Heirat mit seiner Studienkollegin, der aus Ottensheim/OÖ stammenden Akkordeonistin Ingrid, geb. Campestrini 1960 (Scheidung 1969), ließ er sich in Linz nieder (Österreichischer Staatsbürger), begann zu komponieren und gründete gemeinsam mit seiner Frau 1961 eine private MSch. Als Duo Ingrid und Werner Schallplattenproduktionen und Auftritte in Österreich. B. war ab 1960 freier Mitarbeiter des ORF Oberösterreich (ab 1970 Aufnahmeleiter) unter A. Baldsiefen. Damit verbunden waren zahlreiche Auftritte und Aufnahmen sowie Kompositionen und Arrangements für verschiedene Besetzungen. Ab Dezember 1963 eigene vierzehntätige Sendereihe „15 Minuten mit Ingrid und Werner Brüggemann“. B. reiste außerdem bis etwa 1980 als Akkordeon-Solist durch Europa, die USA und Asien. 1970 Heirat seiner zweiten Frau Brigitte, ebenfalls Akkordeonpädagogin (Scheidung 1980). Ab 1972 neue Duopartnerin Edith Niedermayr, eine ehemaligen Schülerin, mit der er als Duo Editha und W. B. auftrat und Platten einspielte. Bis 1980 betrieb er eine eigene private MSch. für Tasteninstrumente, 1980–92 unterrichtete B. an der MSch. der Stadt Linz, einige Zeit auch am Linzer Brucknerkonservatorium. 1989 gründete er gemeinsam mit seiner dritten Frau Friederike (Heirat 1991) den Eigenverlag Edition Donauton. Er komponierte über 2000 Titel unterschiedlicher Genres und Besetzungen. Begann er zunächst mit Musik für das Akkordeon, schrieb B. bald Unterhaltungs- und volkstümliche Musik für verschiedene Interpreten, u. a. Die Kasermandln und das Ligister Trio. Parallel dazu begann sich B. mit der Volksmusik des Mühlviertels auseinanderzusetzen, die er im Rahmen von Feldforschungen (Volksmusikforschung) sammelte. Der Bestand umfasst rund 170 Titel, darunter Rundfunkaufnahmen. Um 1980 widmete er sich vermehrt dem symphonischen Blasorchester, ab etwa 1990 der sog. „Ernsten“ Musik.
Gedenkstätten
B. Akkordeonwettbewerb des oberösterreichischen Musikschulwerks in Natternbach/OÖ (seit 2006 im Zwei-Jahres-Intervall).
Ehrungen
1. Platz bei der Norddeutschen Solistenmeisterschaft 1955; 2. Platz beim Kompositionswettbewerb der Europäischen Rundfunkanstalten (EBU) 1979 für Capriccio Brillante; 2. Platz beim Kompositionswettbewerb der EBU 1982 für Impressionen einer Stadt; Silbernes Verdienstkreuz des OÖBV 1985; 2. Platz beim Kompositionswettbewerb der EBU 1985 für Rike; Prof.-Titel 1986; 1. Platz beim Kompositionswettbewerb der EBU 1986 für San Francisco; Goldene Rose für Verdienste um die Volksmusik 1986; Medaille für Kunst und Kultur der Stadt Linz 1987; 1. Platz beim Kompositionswettbewerb der EBU 1987; Goldenes Verdienstabzeichen des Landes Oberösterreich 1992; Ehrenbürgerschaft von Puchenau 1996; Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich 1996; Silbernes Verdienstzeichen des ÖBV 1997; 2 Platinschallplatten für Ich schenk dir ein Edelweiß und Blumen zum Ehrentag, zahlreiche Goldene Schallplatten.
Werke
über 2000 Kompositionen, u. a. 1 Sinfonie; Messen (Österr. Volksmesse, Linzer Messe); Musical Michael; geistliche Musik (Österreichische Volksmesse, Linzer Messe, Passion nach Matthäus [s. Tbsp.]); Blasmusik; volkstümliche Musik (Mühlviertler Land, Bergkameraden, Hoch von den Bergen); Unterhaltungsmusik; Chöre; Film- und Hörspielmusik.
Literatur
G. Kleidosty, Prof. W. B. Ein Leben am laufenden Band 2000; Lang 1986; G. Kleidosty, Symphonische Blasmusik in Österreich, Diss. Wien 2007; Who is Who in the World 1982; www.brueggemann.at (2/2016); Mitt. Friederike B. (2/2016).


Seine Tochter

Tanja: * 15.9.1970 Linz. Komponistin, Pianistin. Erste Auftritte im Alter von drei Jahren mit für sie komponierten Kinderliedern ihres Vaters. Im Alter von fünf Jahren Klavierausbildung bei Horst Matthäus am Brucknerkonservatorium Linz. Ab 1986 Besuch des Musikgymnasiums der Diözese Linz, ein Jahr später begann sie ein Studium der Komposition und Musiktheorie bei G. Waldek (später bei Doug Hammond). 1993 Studienaufenthalt (Komposition) bei Francis Shaw in London, gefördert durch ein Stipendium des Bundeskanzleramtes. Neben ihrem Studium der Instrumental- und Gesangspädagogik im Hauptfach Klavier bis 1998 (zunächst bei Gottfried Hemetsberger, danach bei Dejan Pecenko) am Brucknerkonservatorium (heute Anton Bruckner Privatuniv.) in Linz (Diplom 1995) unterrichtete sie 1995–99 Klavier und Musiktheorie an der Landes-MSch. Enns/ St. Florian sowie 2000–22 an der MSch. der Stadt Linz. Außerdem Mitbegründerin und 2005–09 Leiterin der Klangwerkstatt Linz (komponieren, improvisieren und experimentieren mit Schüler:innen). 2007–11 Studium der Musiktheorie bei Alexander Müllenbach und Komposition bei Adriana Hölszky am Mozarteum Salzburg (2011 Bachelor mit Auszeichnung). 2011/12 Postgraduate-Studium an der Akademia Muzyczna in Łódź/PL, wo sie im Zuge eines Erasmus-Aufenthalts bei Zygmunt Kranze Komposition sowie Filmmusik, Computermusik und Audiovisuelle Künste bei Zygmunt Krauze studierte. 2012–14 erneut Studium am Mozarteum Salzburg (Komposition und Elektronische Musik bei Tristan Murail), Abschluss (Master) 2014. Im Anschluss studierte sie 2014 Film- und Audiovisuelle Medien bei Francis Shaw in London. Darüber hinaus besuchte sie Meisterklassen u. a. bei Dieter Schnebel, Klaus Huber, Fabio Nieder, José Manuel López López. Seit 2012 wirkt B. auch als freischaffende Komponistin, Pianistin und Kuratorin. Darüber hinaus fungiert sie als Performerin, Leiterin von Workshops, Mentorin und Jurorin. 2013–15 Vorstandsmitglied, 2014/15 Präsidentin des Oberösterreichischen Komponistenbundes (OÖKB). Mitglied der AKM. Seit 2016 Mitglied der Arbeitsgruppe Film und Medien der Austrian Composers Association (ACOM). Diese nominierte sie 2016 als Kandidatin für die Wahl zur Vizepräsidentin der European Composers and Songwriters Association (ECSA). Zusammenarbeit u. a. mit S. Lacroix, Anna Maria Pammer, K. Essl, G. Schwarz, Anna Clare Hauf und verschiedenen Ensembles für Neue Musik (u. a. Ensemble Kontrapunkte unter P. Keuschnigg, Ensemble Windkraft Tirol, œnm [œsterreichisches ensemble für neue musik], TENM [Tiroler Ensemble für Neue Musik]), Ensemble Wiener Collage). Aufführungen ihrer Werke fanden u. a. bei verschiedenen Festivals im In- und Ausland (darunter Wien Modern, Internationales Brucknerfest Linz, Musica Contemporanea Bozen/I, Musica Moderna Łódź, Meetingpoint Messiaen Görlitz/D, Salt New Music Festival Victoria/CDN, Átlátszó Hang Festival Budapest, Musica Nova Prag) statt. 2021 wurde Wallace Line, ein Auftragswerk von Christoph Wichert, für Fagott und Zuspielung in Singapur uraufgeführt. In ihren Kompositionen (darunter mehrere Auftragswerke) und Klanginstallationen setzt sich B. mit weltweiten Aufnahmen natürlicher Klanglandschaften, die für akustische Instrumente adaptiert werden, sowie der Neudefinition verschiedener akustischer Phänomene auseinander. Sie hat drei erwachsene Kinder (Marlene: * 1992, Jahn: * 1993, Laurent: * 1999) und lebt seit 2016 in Wien.


Ehrungen
(Auswahl) Gewinnerin von Jugend musiziert Österreich 1981; Gewinnerin des Linzer Wettbewerbs Das Podium in der Kategorie „Ensemble“ mit George Crumbs Trio Vox Ballaenae 1995; Stipendiun Univ. Mozarteum Salzburg 2012; Anton Bruckner Stipendium des Landes OÖ 2015; zweimonatiger Aufenthalt in Kanada, gestiftet von der Kunstsammlung des Landes OÖ und des Conseil des Arts et des Lettres du Québec (CALQ) 2022; mehrere Kompositionsförderungen (u. a. Stadt Wien; SKE der Austro mechana; Bundeskanzleramt).
Werke
Werke für versch. Soloinstrumente (Vc., Fl., Kl., Akk., Fg.), meist mit Elektronik; Kammermusik; Vokalmusik; Chormusik; Filmmusik für die Kurzfilme AOA I-Skizze A und reglos.

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
22.5.2025
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Brüggemann, Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 22.5.2025, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f970
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Werner Brüggemann© Alfred J. Aumayr
© Alfred J. Aumayr
Tanja Brüggemann© Laurent Stepien
© Laurent Stepien
HÖRBEISPIELE

Werner Brüggemann, Herr, Du hast für uns getragen aus der Passion nach Matthäus (Mitschnitt der UA am 4.11.1994 Aubergkirche St. Leopold in Linz/Urfahr)
© 1994 Edition Donauton

DOI
10.1553/0x0001f970
GND
Brüggemann, Werner: 134338391
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Brüggemann, Tanja: 1144309387
OBV
Weiterführende Literatur

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