Logo ACDH-CH
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Messner, Messner, true Joseph
* 1893 -02-2727.2.1893 Schwaz/T, † 1969 -02-2323.2.1969 St. Jakob am Thurn/Sb. Geistlicher, Organist, Komponist, Dirigent. Bruder des Sozialethikers Johannes M. (1891–1984). Ab 1905 Sängerknabe am Salzburger Dom, Musikunterricht bei Domkapellmeister H. Spies. 1913–17 Studium der Theologie in Salzburg und Innsbruck, 1916 Priesterweihe, 1917/18 erste Kompositionen (Lieder op. 1–3); während dieser Zeit auch Mitarbeiter am Regensburger Literarischen Handweiser für Freunde der Katholischen Kirchenmusik von Peter Griesbacher. Zunächst als Seelsorger tätig (Mitarbeit am Kirchengesangbuch der Erzdiözese Salzburg), erhielt M. 1918 die Berufung zum königlich sächsischen Hoforganisten; infolge der Abdankung von Kg. Friedrich August III. erfolgte jedoch kein Dienstantritt. 1918/19 Studium an der Akad. der Tonkunst in München (Komposition bei Friedrich Klose, Orgel bei Josef Becht), nach Studienabschluss 1920–22 freischaffender Künstler in München. Seine 1918 unter dem Eindruck der deutschen Räterevolution entstandene Messe in D op. 4 (später Revolutionsmesse), eine bemerkenswerte Komposition unter Einbeziehung von Chromatik und Leitmotivtechnik als Absage an den Cäcilianismus, gelangte am 29.6.1921 im Salzburger Dom zur UA. Ab 1922 2. Domorganist in Salzburg, daneben ausgedehnte Konzerttourneen, wobei er als hervorragender Improvisator an der Orgel galt. In den 1920er Jahren konnte M. als Komponist in Deutschland (Düsseldorf, Duisburg, Bochum, Köln, Aachen, Wiesbaden) Erfolge feiern (Symphonie Nr. 1 [UA Bochum 1925], Missa poetica [UA Heidelberg 1922], Oper Esther/Hadassa [UA Aachen 1925]). Nach anfänglichen kompositorischen Stilexperimenten im Gefolge von Max Reger und Paul Hindemith erfolgte zu Beginn der 1930er Jahre eine Hinwendung zu einer von der Spätromantik beeinflussten Tonsprache, teilweise in bewusster Anlehnung an A. Bruckner sowie an die Salzburger Barocktradition. 1926–69 Domkapellmeister in Salzburg als Nachfolger von F. X. Gruber (III), wo ihm die Pflege von orchesterbegleiteter Kirchenmusik ein Anliegen war; das Amt hatte er 1921 noch abgelehnt. 1927–38 und 1945–67 künstlerischer Leiter der (von M. Reinhardt und H. v. Hofmannsthal) neu ins Leben gerufenen Domkonzerte der Salzburger Festspiele. 1938–45 behielt M. – ohne Parteimitglied zu sein – seine Stellung am Dom, setzte sich aber 1939–41 erfolglos für den dauernden Erhalt der Domkonzerte ein und hatte mit Anfeindungen in Salzburg zu kämpfen; eine 1939 angebotene Professur für Orgel und Komposition am Mozarteum lehnte er ab. M.s Werke wurden während dieser Zeit selten aufgeführt; offizielle Kompositionsaufträge erhielt er keine, jedoch hatte M. 1942 auf Geheiß seines Verlages als kriegswichtig eingestufte Propagandamusik zu schreiben (Chorwerke Schicksal der Deutschen und Deutschlands Ehre). Ab 1945 war er mit dem Wiederaufbau des Mozarteum-Orchesters und des Seminars für Kirchenmusik am Mozarteum beauftragt. Mitglied der Entnazifizierungskommission der Salzburger Landesregierung, an der Aufhebung des Auftrittsverbots für H. v. Karajan, M. Cebotari, I. Seefried u. a. beteiligt. M.s Verhalten im Nationalsozialismus war bis zur endgültigen Klärung durch die J. M.-Ges. Schwaz 2009 Gegenstand kontrovers geführter Diskussionen.
Gedenkstätten
Ehrengrab Friedhof Salzburg-Nonntal (Grabmal nach eigenem Entwurf, die Dimensionen entsprechen M.s Lieblingspsalmen 57, 75, 116; s. Abb.); J. M.-Straße (Salzburg-Parsch) 1973.
Ehrungen
Prof.-Titel 1932; Officier de l’Académie des Beaux-Arts Paris 1935; Großer Österr. Staatspreis für Musik 1936; Goldene Bruckner-Medaille des Internationalen Bruckner-Bundes 1951; Große Silberne Mozart-Medaille der Stadt Salzburg 1953; Mozart-Medaille der Internationalen Stiftung Mozarteum 1956; Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1957; Ehrenbürger von Schwaz 1960; Österr. Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse 1963; Wappenring der Stadt Salzburg 1963; Wappenmedaille der Stadt Salzburg und Goldenes Verdienstzeichen des Landes Salzburg 1968; Dr. h. c. der Univ. Salzburg (Theologie) und der Whitman-University/USA (Musik) 1968.
Schriften
Beiträge in der SK.
Werke
4 Opern (Esther/Hadassa, Deutsches Recht, Ines, Agnes Bernauer), Oratorien (Das Leben, Die vier letzten Dinge), 3 Symphonien, Konzerte (Sinfonietta f. Kl. u. Orch., Violinkonzert, Cellokonzert), Orgel- und Klavierwerke, Kammermusik, Bläserwerke, Fanfaren (u. a. Salzburger Festspiel-Fanfare, Große Mozart-Fanfare [s. Tbsp.], Prinz-Eugen-Fanfare), 100 Lieder, Chorwerke (300 Motetten), Bühnenmusik zu Jedermann; Kirchenmusik (lat. u. dt. Messen, Proprienzyklus für das ganze Kirchenjahr, Te Deum, Stabat mater).
Literatur
MGG 9 (1961); NGroveD 16 (2001); I. Loimer, J. M. 2009 [mit WV auf CD]; A. Pachovsky, J. M. Leben und Werk unter besonderer Berücksichtigung seines kirchenmusikalischen Schaffens, Diss. Wien 1990 [mit WV]; J. Powell Rozman, J. M.’s Organ Music: Evolution of a Style, Diss. Baton Rouge 2009; A. Dawidowicz in SK 16/4 (1969) und 40/1 (1993); SK 15 (1968), 121f; www.salzburgmuseum.at (4/2014); Mitt. J. M.-Ges. Schwaz.

Autor(en)
Angela Pachovsky
Christian Fastl
Empfohlene Zitierweise
Angela Pachovsky/Christian Fastl, Art. „Messner, Joseph‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 29/04/2014]

MEDIEN
Vor einem Konzert in der Aula academica bei den Salzburger Festspielen am 3.8.1947© Bildarchiv Austria, ÖNB
Vor einem Konzert in der Aula academica bei den Salzburger Festspielen am 3.8.1947© Bildarchiv Austria, ÖNB
Ehrengrab Friedhof Salzburg-Nonntal
Ehrengrab Friedhof Salzburg-Nonntal
Ausschnitt aus dem Faistauer-Forum, Festspielhaus Salzburg
Ausschnitt aus dem Faistauer-Forum, Festspielhaus Salzburg
HÖRBEISPIELE

Große Mozart-Fanfare, op. 55,4 (UA 5.12.1941 Salzburg, Mozartplatz)

GND
Weiterführende Literatur (OBVSG)

ORTE
Orte
LINKS
Bayerisches Musiker-Lexikon Online


ACHD-CH, Abteilung Musikwissenschaft

Publikationen zur Musikforschung im Verlag