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Hallein
Kleinstadt in der Nähe von Salzburg. Der Name H. leitet sich von der Salzgewinnung her (das kleine Hall, im Unterschied zu Reichenhall in Bayern), das Stadtrecht wird mangels förmlicher Verleihung nach Gewohnheit auf das Jahr 1230 zurückgeführt. Gewiss ist, dass die Erhebung zur Stadt zwischen 1207 und 1246 erfolgte.

Am nahen Dürrnberg, der zu den bedeutendsten kelitischen Fundstätten der Hallstatt-Kultur zählt, wurde bereits in vorchristlicher Zeit Salz abgebaut. Grabungen erbrachten dort an musikspezifischen Gegenständen bisher (2002) eine Kinderrassel, eine Zeremonialspindel mit beweglicher Scheibe (womit sich eventuell ein Geräusch erzeugen ließ) sowie ein Bronzeblechfragment vom Beschlag eines Eimers mit Darstellungen einer Syrinx und einer Leier, im Gegensatz zu Hallstatt aber keine Knochenflöte.

Über das historische Musikleben der Stadt H. liegen nur vereinzelte Nachrichten vor. Wie anderwärts dürften im Mittelalter die Schulmeister der Lateinschule zugleich als Choralisten und Gesangslehrer für Singknaben tätig gewesen sein. In den Quellen lässt sich diese Doppelfunktion 1508–1783 nachweisen. Zu Beginn des 17. Jh.s werden erstmals auch deutsche Schulen genannt, deren Schulmeister gelegentlich für die Aufführung von „deutschen Komödien“ im Rathaus sorgten. Dagegen verlagerte sich die Ausbildung der Singknaben allmählich in die Agenden des Chorregenten. Großteils aus dem Kreis der Schullehrer sollten sich die Organisten der Stadtpfarrkirche rekrutiert haben, wie es vergleichsweise für Dürrnberg 1695 belegt ist. Eine Ausnahme bildete Thomas Hofhaimer, nur weitschichtig mit P. Hofhaimer verwandt, der ab 1532 für eine kurze Zeit als Organist in in H. wirkte. Offenbar wurde er der Stadtpfarre von Kardinal-Erzb. Matthäus Lang aufgedrängt, da es heißt, er wäre „mit zu hoher Belohnung und wider alt herkhomen“ angestellt worden. Es kam alsbald zu einem Streit, bei dem Hofhaimer vorübergehend sogar der Schlüssel zur Orgel abgenommen wurde. Die salzburgischen Behörden sistierten zwar diese Maßnahme, doch berief man Hofhaimer spätestens 1536 in den salzburgischen Hofdienst.

Die Stadtpfarrkirche hatte 1704 eine vermutlich in der Werkstätte des Salzburger Hoforgelmachers Ch. Egedacher verfertigte Orgel erhalten, die 1804 von Joachim Brugger, einem Gesellen des verstorbenen Hoforgelmachers Johann Evangelist Schmid, repariert und 1837 von dem mit dem Chorregenten und Organisten F. X. Gruber gut bekannten Zillertaler Orgelbauer M. Mauracher nahm 1864 einen weiteren Umbau vor, wobei er schriftlich geäußerte Anregungen des ein Jahr zuvor verstorbenen F. X. Gruber weitgehend aufgriff. Für eine neue Orgel der Wallfahrtskirche Maria Dürrnberg wurden nach 1859 die Pfeifen einer abgetragenen Vierungsorgel aus dem Salzburger Dom verwendet.

Wiederholt sind bis in das 19. Jh. in diversen Dokumenten unter den „Kirchendienern“ jene Personen angeführt, denen choraliter bzw. figuraliter die Kirchenmusik oblag: der Chorregent, vier Choralisten, zwei Singknaben sowie der Thurnermeister mit seinen Gesellen. Notenmaterial ist bis in das 19. Jh. nicht überliefert. Spätestens mit der Anstellung F. X. Grubers, der 1835 Joseph Kasser als Chorregent und Organist folgte, verringerte sich der Personalstand. Nunmehr waren nur der Chorregent sowie ein Kantor angestellt. Über das Repertoire der Kirchenmusik an der H.er Stadtpfarrkirche geben drei von Gruber angelegte Inventare aus den Jahren 1837, 1848 und 1861 Auskunft. Die zur Aufführung gebrachten Werke reichen bis zu jeweils mehrfach vertretenen Kompositionen von M. und J. Haydn sowie W. A. Mozart zurück. Der größere Teil der in den Inventaren genannten Werke entfällt jedoch auf Gruber und seine Zeitgenossen, darunter v. a. Franz Bühler, Carl Drobisch, R. Führer und J. B. Schiedermayr. Ferner begegnen die Namen lokaler Komponisten wie z. B. von Franz Xaver Egger und F. X. Grubers Söhnen Franz Gruber jun. (1826–71) und Felix Gruber (1840–84). Insgesamt finden rund 70 verschiedene Komponisten in den Inventaren Erwähnung. Die erhaltenen musikalischen Quellen befinden sich zumeist im Stille-Nacht-Archiv des Keltenmuseums H., kleinere Bestände werden im Pfarrarchiv sowie in Privatbesitz verwahrt. F. X. Gruber komponierte in H. etwa 130 kirchenmusikalische Werke, darunter lateinische Messen und Requien, vorwiegend aber Deutsche Messen und Seelenämter. Berühmt wurde sein Weihnachtslied Stille Nacht. Nach seinem Tod übernahm 1863 sein Sohn Felix die Aufgabe des Chorregenten und lieferte auch mehrere Kompositionen für die Kirchenmusik, wogegen sämtliche seit 1884 aktive Nachfolger sich ausschließlich als Chorleiter betätigten. Während der Kirchenchor in H. 2002 aufgelöst wurde, sind in Rehhof und Bad Dürrnberg weiterhin Kirchenchöre aktiv.

Den Bergknappen am Dürrnberg wurde aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für die Wirtschaftskraft des Erzstiftes Salzburg lange Zeit gewisse religiöse Toleranz gewährt. Lutherisches Gedankengut, das sich unter ihnen stark verbreitet hatte, dürfte auch die Aufnahme des evangelischen Chorals bewirkt haben, doch lässt sich darüber nichts Näheres erfahren. Ende des 17. Jh.s ging die Obrigkeit verschärft gegen den Protestantismus im Lande vor. Der 1686 unter Fürsterzb. Max Gandolph Graf Kuenburg ausgewiesene Bergknappe und Prediger Joseph Schaitberger (1658–1733) schrieb in seinem Nürnberger Exil den weit verbreiteten 14-strophigen Liedtext „Ich bin ein armer Exulant“, der auf eine Melodie von Michael Praetorius („Ich dank dir schon durch deinen Sohn“, 1610) gesungen wurde.

1710 bzw. 1713 druckte Wolfgang Kriner in H. zwei Sammlungen mit marianischen Gesängen (Cygnus Marianus [...] von etlich 80 auserlesenen Arien, Musicalische Bruett deß Marianischen Schwanes, in etlich 30 Arien) von P. Gotthard Wagner OSB (1678–1738), der zw. 1724/27 als Prediger und Beichtvater in Maria Plain nachzuweisen ist. Eine Kontinuität des Notendruckes hat sich jedoch nicht entwickelt. Größere Bedeutung besaß der Instrumenten-, v. a. der Geigenbau. Hanns Raembhart (ca. 1590–1651) aus H. lieferte 1641 Diskant- und Bass- Schalmeien für den fürsterzbischöflichen Salzburger Hof. Sein Sohn Ulrich Rämbhardt verlegte die Werkstatt in die Stadt Salzburg und führte sodann den Titel eines„Hof-Lauten und Geigenmachers“. Etwa zur selben Zeit, vielleicht in Verbindung mit Rämbhardt, war in H. Marcell Pichler tätig, der um 1680 ebenfalls nach Salzburg übersiedelte. Von da an bis gegen Ende des 18. Jh.s lag der Geigenbau in H. in den Händen der Familie Wasslberger, wobei zuletzt vermehrt, im 19. Jh. von Michael und Joseph Mayr sogar ausschließlich Zithern angefertigt wurden. Heute sind die Geigenbauer Dietrich Reutterer und Klaus Zuckerstatter in H. ansässig.

Einer Verlegerfirma für Holzwaren, die Franz Oedl im 18. Jh. führte, folgten zu Beginn des 19. Jh.s die von Alois Oedl und Johann Haller gegründete „k.k. privilegierte Holzwarenfabrik“, ab 1871 die Firma „Alois Oedl und Compagnie“. Sie stellten, ähnlich der bekannteren Berchtesgadener Holzwarenerzeugung, auch Musikspielzeug her, darunter hölzerne Trompeten und Geigen, ferner Spielfiguren wie z. B. eine Gardemusik.

Unter dem Salzburger Erzb. Johann Jakob von Kuen-Belasy wurde Schloss Rif bei H. nach 1560 zu einer kleinen Sommerresidenz ausgebaut und damit vorübergehend zum Ort fürstlicher Musikpflege. Seine Nachfolger ließen indes das Schloss zu einem Gestüt umwandeln. Als Spielstätte des bürgerlichen Musiklebens diente das Rathaus. 1601 wurde dort ein „Gemainer Statt Tanzhaus“ eröffnet, worin fahrende Künstler, d. h. Gaukler, Bärentreiber und Wanderschauspieler auftraten. Wohlhabende Bürger mieteten den Saal, um eine prächtige Hochzeit zu halten. Für den Fasching 1637 ist erstmals belegt, dass nicht eine fahrende Theatergesellschaft gastierte, sondern ein Ortsansässiger (der „Schuelhalter“ Gregor Bayr) die Aufführung eines lustigen „Pauern Spill“ organisierte. In der Folge gastierten teils auswärtige Truppen, teils brachten H.er Bürger mit einheimischen Schauspielern Komödien und geistliche Spiele auf die Bühne. Spätestens gegen Ende des 18. Jh.s gestaltete man den „Tanzboden“ zu einem Theatersaal um.

Der umfangreichsten Fassung des H.er Weihnachtsspiels, die 1840 durch Joseph Häusl in H. mit insgesamt acht Teilen niedergeschrieben wurde (Prolog, Herbergsuche, Hirtenspiel, Beschneidung Christi, Dreikönigspiel, Flucht nach Ägypten, Bethlehemitischer Kindermord, Epilog; heute A-Sca, Hs. 995 germ.), geht eine langwährende lokale Überlieferung voraus. Einzelne Szenen des Spieles begegnen erstmals in einer Hs. des späten 17. Jh.s, die in einem Kloster des damaligen salzburgisch-bayerischen Grenzgebietes entstanden ist (heute D-B, Ms. germ. qu. 1327). Vielleicht verankerte sich das Spiel durch eine studentische Truppe der Salzburger Univ. in H., die nachweislich 1639 „mit ainem weinachtspill alhir gewest“. 1655 führten bereits „alhiesige Comoedianten“ ein Weihnachtsspiel (Geistliche Spiele) auf. Ob es sich um das später von Häusl festgehaltene Spiel handelte, bleibt offen. Jedenfalls gesellt sich der bei Häusl überlieferten Fassung, die mit Spielanweisungen versehen ist und damit gewiss im Hinblick auf eine – eventuell von den H.er Schiffern gestaltete – Aufführung entstand, eine mündliche Tradierung als Stubenspiel hinzu, die vermutlich mit einem Umzugsbrauch in Verbindung stand. Reste davon zeichnete der bayerische Volksliedforscher August Hartmann in den 1870er Jahren auf. Die H.er Schiffer verdienten sich – gleich ihren Oberndorfer Berufskollegen – im Winter, wenn die Salzach nicht schiffbar war, durch Sternsingen und Theaterspiel ihren Lebensunterhalt. U. a. boten sie ein „Sommer- und Winterspiel“ dar. Mit dem Niedergang der Salzachschifffahrt verlor sich nach 1800 diese Tradition, ebenso wie damals zahlreiche Bräuche allmählich ausliefen. Das „Brunnenspringen“ der Metzger wurde bereits 1791 untersagt, das „Wasserstechen“ der Schiffer und der Lärmbrauch des „Streibellaufens“ (Katzenmusik) hielten sich dagegen bis in das 19. Jh. Am Weihnachtsvorabend sang der Nachtwächter ein „uraltes Weihnachtslied“, das aber nicht überliefert ist. Noch im 19. Jh. war bei Geburt eines Knaben das „Kindstaufblasen“ vom Rathausturm üblich, wobei der Taufgöd die Trompeter zu bezahlen hatte. Mit Trompeten und Pauken wurde vor dem Anschluss H.s an das Eisenbahnnetz (1871) das erste Salzschiff im Frühling verabschiedet. Daneben gab es Aufzüge verschiedener Gruppen von Salzarbeitern, z. B. der Pfannhauser, Kleizer und Küfer, die bis zur Mitte des 19. Jh.s noch den Reiftanz vorführten. Bürger-, Turner- und Schützenbälle boten im Fasching Unterhaltung, dazu wurde an Kirchweih und wohl auch anlässlich von Volksbelustigungen wie dem Scheiben- und Eisschießen getanzt.

Mit Musik verbundene Brauchformen (z. B. das Anglöckeln) sowie Volksschauspiele mit Musikeinlagen (z. B. weihnachtliche Stubenspiele der städtischen Musiker bei angesehenen Bürgern, ein Judas- oder Fastenspiel) behaupteten sich bis in das 2. Drittel des 19. Jh.s, weshalb August Hartmann bei seinen Aufenthalten in H. 1868, 1876 und 1885 einen bedeutenden Liederschatz vorfand. Sowohl am Dürrnberg als auch in H. zeichnete er überdies Melodien zum Schwerttanz der Bergknappen auf. Solange am Dürrnberg Salzbergbau betrieben wurde, führten die Knappen den „Schwerttanz“ kontinuierlich, wenn auch meist in wechselnden Abständen zu besonderen Anlässen auf, häufig am Abend mit Fackelbeleuchtung. Infolge der Schließung der H.er Saline (1989) geriet einer der ältesten berufsgebundenen Tänze zur Pflegeform. Die Musik zum Schwerttanz wurde zunächst mit Schwegeln und Trommel ausgeführt. Durch eine Erweiterung dieses Ensembles bildete sich während des 18. Jh.s die „Bergknappenkapelle“, die 1829 unter den Werkskapellen der Österreichischen Salinen aufscheint und ihr Repertoire auf türkische Musik, später Arrangements beliebter Melodien für Blasmusikbesetzung ausdehnte. Der städtische Thurnermeister und seine Gesellen hatten – wie es grundsätzlich zu ihren Aufgaben rechnete – nicht nur bei feierlichen Gottesdiensten in der Kirchenmusik mitzuwirken, sondern versahen hauptamtlich den Signaldienst und musizierten darüber hinaus zum Empfang und zur Tafelmusik beim Besuch prominenter Gäste, bei bürgerlichen Feierlichkeiten wie Taufen und Hochzeiten, bei Begräbnissen und bei Bällen. Nach dem Tod des letzten Thurnermeisters, Sebastian Thaner, 1837 blieb ein Ensemble als bürgerliche Musikkapelle bestehen, als deren Leiter 1860–84 Felix Gruber und – nach raschem Wechsel – 1907–37 der vormalige Theaterkapellmeister Wenzel Richter tätig waren. In der Regel beherrschten die Mitglieder sowohl ein Blas- als auch ein Streichinstrument, so dass neben der Blasmusikkapelle auch eine Salonmusikkapelle auftrat.

Franz Gruber jun., Lehrer an der k. k. Hauptschule, gründete 1847 einen Musikverein, der seit 1849 den Namen H.er Liedertafel führt und neben dem Männergesangsverein seit etwa 1880 auch einen Damenchor umfasste. 1864 fand in H. auf Einladung der Liedertafel das Erste Salzburger Sängerbundfest statt. Auftritte und Konzerte wurden, teils zusammen mit der bürgerlichen Musikkapelle, im Winter in Wirtshäusern, im Sommer in Gastgärten bestritten. Auch nach dem Tod von Franz Gruber jun. lag das Amt des Chorleiters mehrmals bei der Familie Gruber. Seit 1906 wirkte Felix Gruber jun. (1882–1940) als musikalischer Leiter und ab 1909 auch als Konzertmeister einer neu gebildeten Orchester-Vereinigung. Ein 1901 ins Leben gerufener Deutscher Männergesangverein Sängerlust wurde der Liedertafel 1911 inkorporiert. In den 1920er Jahren begann die Liedertafel, am Heiligen Abend vor dem Gruber-Grab neben der Stadtpfarrkirche eine Gedenkstunde abzuhalten, wobei Stille Nacht in der „Originalfassung“ und in der Besetzung der EA mit zwei Männerstimmen und Gitarrenbegleitung erklingt. Diese Gedenkstunde wird von der Liedertafel, seit 1951 ein gemischter Chor, bis heute (2002) musikalisch gestaltet.

Als zweite größere lokale Musikkapelle wurde 1921 unter Ludwig Grinninger die Eisenbahn-Musikkapelle H. gegründet, die ebenfalls eine Blas- und eine Salonmusikkapelle aufbot. Daneben existierten vor dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche weitere Instrumentalensembles, darunter Die H.er Schrammeln, D’Mondscheinbrüader und die Eder-Kapelle. Von einem Gesang- und Geselligkeitsverein Edelweiß der Kärntner und Steiermärker und dem Brauerei-Arbeiter-Gesangsverein Kaltenhausen sind vorläufig nur die Gründungsjahre bekannt (1905 bzw. 1909). Um die Volkstanzpflege nimmt sich seit 1899 der Gebirgstrachten-Erhaltungs- und Schuhplattlerverein D’Untersberger an, der damit zu den ältesten Brauchtumsvereinen im Land Salzburg gehört. Von zwei weiteren Vereinen, dem Gebirgstrachten-Erhaltungs- und Schuhplattlerverein Almrausch Gmoa Halla (gegr. 1901) und dem Schuhplattlerverein Die Trattberger (gegr. 1907) wurde nur der erstgenannte nach dem Zweiten Weltkrieg fortgeführt und rekonstituierte sich 1951 als Heimatverein Almrausch, dem 1996 die Wiederaufnahme des „Küfertanzes“ gelang.

Der Zweite Weltkrieg hatte das Musikleben weitgehend unterbrochen. Kurz nachdem 1953 Sebastian Brandstätter die Leitung der Eisenbahn-Musikkapelle übernommen hatte, lud das seit 1278 bestehende H.er Bürgerkorps den Klangkörper zur Eingliederung in die neu formierte Garde ein. Mit einem festlichen Konzert präsentierte sich im folgenden Jahr erstmals die junge Gardemusik, die mittlerweile – ebenso wie die Bergknappenkapelle Bad Dürrnberg – neben den Ausrückungen gelegentlich auch eigene Konzertveranstaltungen durchführt. Bereits 1947 wurde in H. als Zweigstelle der Akademie Mozarteum eine MSch. eingerichtet und später dem Salzburger Musikschulwerk eingegliedert. In Verbindung mit der MSch. trat noch nach dem Zweiten Weltkrieg ein seit 1925 aktives Mandolinenorchester auf, während drei neu gebildete Ensembles, das Akkordeonorchester, das H.er Lehrerorchester und das H.er Kammerorchester, bis heute zu den Eckpfeilern der städtischen Musikkultur zählen.

Neben der H.er Liedertafel besteht seit langem die Chorgemeinschaft Provobis (gegr. 1899 als Arbeiter-Gesangsverein Frohsinn, damals ein Männerchor, nach dem Zweiten Weltkrieg fortgeführt als gemischter Chor, zwischenzeitlich 1974 umbenannt in Robert-Schollum-Chor), während der ebenfalls dem Arbeitersängerbund zugehörige Salzbergchor (ein Frauenchor, gegr. 1927 als Gesangsverein Sangeslust) zu Beginn der 1990er Jahre aufgelöst wurde. Die H.er Sängerrunde und der Chor der Dürrnberger Bergknappen stellten ihre Auftritte nach nur wenigen Jahren wieder ein, dagegen konnten sich mit dem Singkreis Rehhof und dem Artis-Chor des Bundesgymnasiums H. neue Chöre etablieren.

Das Theater im Rathaus wurde 1912 geschlossen und 1926 ein neues städtisches Theater, zugleich Kinosaal, mit E. d'Alberts Oper Tiefland eröffnet. Die seltenen Vorstellungen betrafen allerdings auch nach 1945 vornehmlich unterhaltsame Theaterstücke und Operetten, darunter Winterwald des H.er Fachlehrers Josef Göttlicher (nach dem Tod von Felix Gruber jun. Chorleiter der Liedertafel und später zusätzlich des Salzbergchores), worin das noch heute bekannte Lied vom H.er Zeiserl enthalten ist. Nach etlichen Umgestaltungen des Innenraums haben Stadttheater und Stadtkino 1993 eine umfassende Renovierung erhalten. Gegenwärtig wird es sporadisch für kulturelle Veranstaltungen genützt, ebenso wie der Saal im Keltenmuseum H., der Ziegelstadl und die Salzberghalle.

Das in den 1950er Jahren von Linde Moldan ins Leben gerufene H.er Weihnachtssingen zählt, wie die Neujahrskonzerte der örtlichen Blasmusikkapellen, inzwischen zu den traditionellen Veranstaltungen. Im Rupertigwölb des Hofbräus Kaltenhausen finden seit einiger Zeit vom ORF-Landesstudio Salzburg übertragene „Gstanzlsingen“ statt. Weitere kulturelle Akzente werden v. a. durch das Kulturforum H. gesetzt, darunter diverse Konzerte während des Stadtfestes sowie die sommerlichen Bad Dürrnberger Konzerte in der Wallfahrtskirche Maria Dürrnberg und Konzerte in der Salinenkapelle, die besonders der Alten Musik gewidmet sind. In jüngster Zeit hat die Theatergruppe bodi end sole mehrfach kunstübergreifende Projekte realisiert, die sich mit stadtgeschichtlichen Themen auseinandersetzten (z. B. Salinenstadt über das Leben der Knappen in der frühen Neuzeit, Tschikweiber über die Arbeiterinnen der H.er Tabakwarenfabrik). Seit 1992 wird eine ehemalige Industriehalle im Gelände der aufgelassenen Saline auf der Perner-Insel mit Konzerten, Dramen und Tanzperformances von den Salzburger Festspielen bespielt.


Literatur
F. Gruber, Gedenkbuch der H.er Liedertafel zum zehnjährigen Stiftungsfeste am 4. Juni 1859 [1859]; J. Schiestl in Jahres-Bericht des Vaterländischen Museums Carolino-Augusteum zu Salzburg 1865; F. Gruber, Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt H. und ihrer Umgebung 1870 (Nachdruck 1979); S. Wimmer, Gesch. der Bürgergarde von H. seit ihrer vor 600 Jahren erfolgten Gründung. Nach authentischen Quellen 1879; S. Wimmer, H. und Umgebung 1883; H. Abele/A. Hartmann, Volkstümliche Weihnachtslieder 1884 (Nachdruck 1968); S. Wimmer, [Fs.] priv. unif. Bürger-Korps H. 1900; K. Adrian in Zs. für österr. Volkskunde 9 (1903); G. J. Kanzler, Die Stadt H. und ihre Umgebung 1912; S. Kaufmann (Hg.), H.er Heimatbuch 1954; J. Mühlmann, Franz Xaver Gruber 1966; F. Heidenthaler, [Fs.] Priv. Unif. Bürgerkorps der Stadt H. [1979]; K. Zinnburg in Berichte und Mitt. der Salzburger Heimatpflege 10 (1986); S. Mittendorfer, Spielzeug und Hausrat aus Holz. Protoindustrielle Erzeugungsbedingungen in H. im 18. und 19. Jh., Dipl.arb. Salzburg 1988; F. Moosleitner (Hg.), H. – Portrait einer Kleinstadt 1989; E. Schusser in R. Pietsch (Hg.), Die Volksmusik im Lande Salzburg 2 (1990); G. Walterskirchen in W. Gratzer/A. Lindmayr (Hg.), [Fs.] G. Croll 1992; F. Kurz in Salzburger Volkskultur 18 (1994); L. Moldan/M. Fuchsberger, Die Lieder des historischen H.er Weihnachtsspiels 2000; Th. Hochradner in JbÖVw 50 (2001). – Materialien: Keltenmuseum H., Stadtarchiv; Franz-Xaver-Gruber-Museum, Stille-Nacht-Archiv; Konsistorialarchiv Salzburg; Landesarchiv Salzburg.

Autor(en)
Thomas Hochradner
Empfohlene Zitierweise
Thomas Hochradner, Art. „Hallein‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 11/12/2002]