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Stojanović Stojanović true (Stojanovits), Familie
Musiker

Evgenije (Đena): * 26.7./14.8.1837 Neusatz (Novi Sad/SRB), † 27.1.1903 Wien. Kaufmann und Amateurmusiker. Besuchte die Volksschule seiner Heimatstadt und erhielt privaten Klavierunterricht bei A. Morfidis Nisis. In Mitrowitz (Sremska Mitrovica/SRB) absolvierte er vier Schuljahre am deutschsprachigen Realgymnasium. Nach dem Tod seines Vaters übernahm sein Onkel, ein Kaufmann in Temeswar (Timişoara/RO), die Vormundschaft. In dieser Zeit komponierte St. die Klavier-Quadrille Cetinjka, die auf Bällen und Gesellschaften aufgeführt wurde. Mit 18 Jahren schickte ihn sein Onkel nach Triest, wo er zwei Jahre verbrachte und die italienische Sprache erlernte. Er knüpfte Kontakte zur serbischen Gemeinde und spielte auf deren Festen. Bei einer dieser Veranstaltungen lernte er die montenegrinische Fürstin Milena Petrović Njegoš kennen. In dieser Zeit besuchte er zahlreiche Konzerte und Opernaufführungen und zeigte besonderes Interesse am serbischen Kirchengesang. Nach seiner Rückkehr aus Triest ließ er sich in Buda (Budapest) nieder. Dort lernte er K. Stanković kennen, von dem er Unterricht in Kontrapunkt erhielt. 1867 heiratete er die ebenfalls aus Novi Sad stammende Konstancija Sterio, mit der er sechs Kinder hatte. Seiner Ehefrau widmete er vor der Heirat die Klavierkomposition Sehnsucht an der Donau. 1878 zog er nach Pest. Er war Mitglied des Kirchenausschusses, gründete den Serbischen Gesangverein und war Hauptorganisator von Vorträgen und gesellschaftlichen Veranstaltungen, an denen auch Angehörige anderer Völker (Ungarn, Tschechen, Polen) teilnahmen. Bei diesen Veranstaltungen dirigierte er den Studentenchor und spielte Klavier. Im Haus der St.s fanden während der Wintermonate jeden Samstag Kammermusikabende statt. Seine Klavierkompositionen gehören dem Bereich der Salonmusik an.


Werke
Salonmusik f. Kl; Chöre; Lieder.
Literatur
St. Dimitrijević (geb. Stojanović), Biografija Evgenije Stojanovića [Biografie von Evgenije Stojanović], Manuskript, Archiv des Musikwissenschaftlichen Instituts der SANU Belgrad, An 814; P. Lastić, Petar Stojanović 1877–1957, 2005; B. Milanović, Proučavanje umetničke biografije i muzičkog delovanja Petra Stojanovića [Die Erforschung der künstlerischen Biografie und des musikalischen Schaffens von Petar Stojanović], Zbornik Matice srpske za scenske umetnosti i muziku 61, Novi Sad 2019, 209–238; M. Kokanović Marković, Društvena uloga salonske muzike u životu i sistemu vrednosti srpskog građanstva u 19. veku [Die gesellschaftliche Rolle der Salonmusik im Leben und Wertesystem des serbischen Bürgertums im 19. Jahrhundert] 2014.


Sein Sohn

Petar: * 6.9.1877 Budapest, 11.9.1957 Belgrad. Komponist, Violinist, Musikpädagoge. Nach Beendigung des Violinstudiums bei J. Hubay am Konservatorium in Budapest (1896) setzte er sein Studium am Konservatorium der GdM in Wien fort (1896−1904), wo er mit den besten Noten abschnitt: Violine bei J. Grün, Komposition bei R. Fuchs und R. Heuberger. Während seines Studiums arbeitete er mit der serbischen akademischen Gesellschaft Zora in Wien zusammen und führte bei einer Festlichkeit 1898 im Ronacher seine Komposition Srpski zvuci [Serbische Klänge] auf, womit er sich sowohl als Violinist als auch als Komponist präsentierte. Seine Studienzeit krönte er mit dem Ersten Konzert für Violine und Orchester in d-Moll, op. 1, das 1903 bei Doblinger herausgegeben wurde und wofür er nach der Aufführung am 13.6.1904 im Großen Saal des Musikvereins unter dem Dirigenten R. v. Perger von der Jury den Österreichischen Staatspreis für Kompositionsschüler zugesprochen bekam. Für dasselbe Werk erhielt St. auch den Beethovenpreis in Bonn/D. In Wien machte sich St. bald einen Namen als Interpret, Musikpädagoge und Komponist. Er spielte vorwiegend in Kammerensembles, z. B. zusammen mit dem Pianisten P. Weingarten, mit welchem er 1906 seine Sonate für Violine und Klavier op. 3 aufführte. Nach Abschluss des Studiums eröffnete er eine private MSch. für Violine und veröffentlichte auch einschlägige Literatur. Als Komponist war er vor allem konzertanten und musikdramatischen Formen zugeneigt und hatte während seiner Zeit in Wien eine sehr fruchtbare Phase. So entstanden hier seine ersten beiden Violinkonzerte, eine Sonatine und zwei Sonaten für Violine und Klavier, zahlreiche kammermusikalische Werke, die symphonische Dichtung Smrt junaka [Heldentod] op. 33 sowie die komische Oper Tiger und zwei Operetten auf Libretti von V. Léon: Liebchen am Dach und Der Herzog von Reichstadt. Die Operette Liebchen am Dach wurde in der Saison 1917/18 an die 300-mal gespielt und zählte zu den am häufigsten aufgeführten Werken am Carltheater. St. pflegte in Wien Kontakt mit namhaften Musikern wie dem Violinisten B. Huberman, dem Pianisten P. Weingarten sowie Ar. und Al. Rosé. Möglicherweise war er auch mit dem Pianisten L. Godowsky bekannt, für welchen er die Klavierkomposition Alt Wien für Violine bearbeitete. 1925 zog er nach Belgrad, wo er als Prof. für Violine und Komposition (1925−37) an der MSch. Stanković arbeitete und 1925−29 deren Direktor war. Er zählt auch zu den Mitbegründern der MAkad. in Belgrad, wo er ebenso als Prof. für Violine (1937−45) tätig war.


Ehrungen
Österreichischer Staatspreis für studentische Komposition 1904; Beethovenpreis in Bonn für das Konzert für V. u. Orch. op. 1.
Werke
(Auswahl): Ballette (Kraljević i Mirjana [Der Prinz und Mirjana]; Devet čiraka [Die neun Leuchter] op. 86; Ballettsuite); Musikdramen (Blaženkina zakletva [Blaženkas Schwur, T: Mirko Jelušić, Mate Milošević]); Оpern (Der Tiger [T: R. v. Perger]); Оperetten (Liebchen am Dach, Der Herzog von Reichstadt [T: jeweils V. Léon]); Sololieder (An seine Spröde op. 10 [T: Johann Wolfgang von Goethe]; Ciganine sviraj [Spiel auf, Zigeuner, T: Zora Topalović]); Liederzyklus auf Gedichte von Dragutin Domjanić op. 66; Jadna draga [Armer Schatz] op. 28 (T: Branko Radičević), Mein Thal (T: Vincenz Zusner); Razni osećaji, razne ljubavi [Unterschiedliche Gefühle, unterschiedliche Liebe] op. 48, vier Lieder für Tenor etc.; Lieder für Stimme und Orchester (Jadna draga op. 28 für Mezzosopran bearbeitet [T: Branko Radičević]; Osam mađarskih pesama [Acht ungarische Lieder]); Chöre (Anđeo mira [Engel des Friedens, T: Vojislav Ilić] f. Frauenchor und Alt-Solo; Bolna leži [Die Kranke liegt darnieder, T: Jovan Jovanović Zmaj] f. gemischten Chor; I molio sam oči [Und ich bat meine Augen, T: J. Jovanović Zmaj] f. gemischten Chor; Orchesterwerke (Erwin und Elmire; Gorenjska svita [Suite von Gorenjska] op. 128 ; Rondo brilliant op. 53; Sava: reka ujedinjenih Jugoslovena [Save: Fluss der vereinten Jugoslawen] op. 41, symphonische Dichtung; Serenada Nr. 2; Smrt junaka [Der Tod des Helden] op. 33, symphonische Dichtung); Кompositionen für ein oder zwei Instrumente mit Orchester (Introdukcija i rondo, op. 130 f. V. u. Orch; Serenada op. 112 f. Fl. u. Streichorch.; Symphonie concertante f. V., Va. u. Orch.); Violinkonzerte (op. 1, Nr. 1 in d-Moll, op. 30, Nr. 2 in G-Dur, op. 50, Nr. 3 in D-Dur, op. 51, Nr. 4 in e-Moll, op. 78, Nr. 5 in D-Dur), Violakonzert op. 76, Nr. 1 in c-Moll; Cellokonzert op. 135 in C-Dur; Kontrabasskonzert op. 114 in h-Moll; Flötenkonzert op. 71 in e-Moll; Alt-Saxophonkonzert op. 74 in Es-Dur; Konzert für zwei V.n u. Orch. op. 77; Konzert f. V., Kl. u. Orch. op. 110 in A-Dur; Kammermusik (Trio für V., Va. und Kl. op. 16 in C-Dur; Quartette f. V., Va., Vc. u. Kl., op. 15 in D-Dur; Quintette f. zwei V.n, Va., Vc. u. Kl. op. 9 in c-Moll; Klaviermusik (Sonatine op. 94 in D-Dur; Ballade op. 84; Dečji kutak [Kinderecke] op. 43, Wilhelminen Marsch); Kompositionen f. Solo-V. und Solo-Fl.; Violinpädagogische Werke (Schule der Skalentechnik 1909; Neue Elementarviolinschule 1912).
Literatur
R. Ribić in Zbornik Matice Srpske za scenske umetnosti i muziku [Sammelband der Matica Srpska für Darstellende Kunst und Musik] 28/29, 2003; D. Petrović in Iz istorije srpsko-mađarskih kulturnih veza [Aus der Geschichte der serbisch-ungarischen Kulturbeziehungen] 2003; P. Lastić, P. St. 1877−1957, 2005; V. Tiefenthaler in Zbornik Matice Srpske za scenske umetnosti i muziku 2005; R. Ebeling-Winkler et al. in G. Ammerer et al. (Hg.), Von Venedig nach Salzburg. Spurenlese eines vielschichtigen Transfers 2015; Beiträge von M. Kokanović Marković/V. Merkel Tiefenthaler u. V. Merkel Tiefenthaler/M. Kokanović Marković in Na Marginama muzikološkog kanona: kompozitorska generacija Petra Stojanovića, Petra Krstića i Stanislava Biničkog [An den Rändern des musikwissenschaftlichen Kanons: die Komponistengeneration von P. St., Petar Krstić und Stanislav Binički] 2019; Jahresberichte des Konservatoriums der GdM (1896−1904).

Autor*innen
Marijana Kokanović Marković
Vera Merkel
Letzte inhaltliche Änderung
20.11.2025
Empfohlene Zitierweise
Marijana Kokanović Marković/Vera Merkel, Art. „Stojanović (Stojanovits), Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 20.11.2025, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003bf85b
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


DOI
10.1553/0x003bf85b
GND
Stojanović Petar: 139092218
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