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Schallinger, Musikschule
Private Musiklehranstalt in Wien X. Gegründet 1896 von E. O. Schallinger in Wien X, Laxenburger Straße 22/Götzgasse 2 als „Privat-Musikschule Sch. für Violine, Clavier, Sologesang, Musiktheorie und Musikwissenschaft“. Darüber hinaus bot die Schule auch Kammermusik und Orchesterspiel (1899 umfasste das von Schallinger geleitete Orchester 49 Mitwirkende) sowie einen einjährigen Lehrerbildungskurs als Vorbereitung für die Staatsprüfung an. Der Unterricht erfolgte getrennt nach Geschlechtern zunächst zumeist in Gruppen (später v. a. Einzelunterricht) und wurde anfangs ausschließlich von staatlich geprüften Lehrkräften erteilt. Die Errichtung einer MSch. in einem der ärmsten Bezirke Wiens war ein Wagnis des Gründers, das jedoch gelang. Der Unterricht startete am 1.10.1896, und die MSch. erlangte bald einen besonderen Ruf über die Bezirksgrenzen hinaus. Schallingers Ziel war die Verbreitung der Musik, und demnach hielt er die Gebühren für seine Schülerinnen und Schüler möglichst niedrig und unterstützte jene, die sich kein Instrument leisten konnten. 1899 übersiedelte die „Privat-Musikschule Sch. für alle Fächer der Tonkunst“ in ein von Sch. neu errichtetes vierstöckiges Gebäude in der Landgutgasse 31 (Wien X). Dieses Gebäude war mit einem zweistöckigen Konzertsaal für 120 Personen, dem sog. „Mozartsaal“ (Eröffnung 5.12.1899) ausgestattet, der auch eine Orgel enthielt (s. Abb.). 1900 kam es zur Eröffnung einer Filialschule in Wien II, die aber nicht lange bestanden haben dürfte. Ab 1902 bestand die MSch. aus sieben Abteilungen: Violin-, Klavier-, Orgel-, Bläser-, Gesang- (Solo- und Chorgesang), Theorieschule (Musiktheorie, -wissenschaft) sowie dem Lehrerbildungskurs. Die MSch. unterhielt ein Orchester und Chöre, führte Singspiele (u. a. W. A. Mozarts Bastien und Bastienne und Werke Schallingers) auf und veranstaltete regelmäßig öffentliche Schülerkonzerte. Zum Lehrkörper zählten u. a. Schallingers späterer Schwiegersohn H. Knöll, der während des Ersten Weltkriegs vorübergehend die Leitung der MSch. übernahm, als E. O. Schallinger an der Front war. Knöll, Schüler F. Schrekers, wurde vermutlich von diesem als Lehrer an die MSch. Sch. vermittelt, ebenso wie die Schreker-Schüler A. Hába (Theorie und Violine) und F. Petyrek, dessen beide Schwestern Hedy und Annie ebenfalls an der Schule unterrichteten. Ein weiteres Mitglied des Lehrkörpers war der Cellolehrer Fritz (eig. Friedrich) Gulda, der Vater F. Guldas, der seine musikalische Ausbildung (zuerst Violine, danach Cello) an der MSch. Sch. erhalten hatte. 1919 trat Schallingers vorehelicher Sohn Walter in die MSch. ein, die Schallinger ihm 1927 überließ. In dieselbe Zeit fällt die Gründung einer Mandolinenschule (inkl. Gitarre, Kontragitarre und Laute) an der MSch., deren Inhaberin Schallingers Frau war und die sie bis 1939 betrieb. Nach Walters Tod übernahm dessen Frau Ludovica (später verh. Reich) die Leitung der MSch. Nach Kriegsende kam es zur Beschlagnahmung der MSch. durch die russische Besatzung, und ein Großteil des Notenmaterials sowie die Ausstattung der Schule wurden vernichtet. 1947 erfolgte die Wiedereröffnung zunächst nur mit zwei Geigenschülern. Das Unterrichtsfach Akkordeon brachte der MSch. zahlreiche neue Schülerinnen und Schüler und führte zu einem erneuten Aufschwung, nicht zuletzt durch zahlreiche Veranstaltungen, die L. Reich durchführte. Noch bevor die Ausbildung an der Wiener MAkad. überhaupt möglich war, wurde musikalische Früherziehung für Kinder angeboten. Üblicherweise erfolgte der Unterricht jüngerer Schülerinnen und Schüler in Gruppen, wobei jedes Mitglied der Gruppe 20 Minuten Einzelunterricht erhielt. Ältere erhielten Einzelunterricht. L. Reich unterrichtete Musiktheorie, Harmonielehre übernahm K. Winkler, der der MSch. Jahrzehnte lang eng verbunden war. Zusätzlich leitete er Chor und Orchester. Mit dem Tod L. Reichs 1985 endete die Ära der MSch. Sch. endgültig.
Literatur
A. Fischer (Hg.), Die Musikstätten Österreichs 1928; Vom hohen k.k. Landesschulrathe concessionirte Privat-Musikschule Schallinger für Violine, Clavier, Sologesang, Musiktheorie und Musikwissenschaft. Wien X. Laxenburgerstraße Nr 22 [Götzgasse Nr 2]. (Director Ewald Otto Schallinger.) 1896/97 u. 1902/03 [Prospekt]; Verordnungsbl. des Stadtschulrats für Wien 15.6.1927, 3, 1.1.1928, 2, 15.4.1928, 47, 15.1.1930, 5, 15.2.1939, 6; Reichspost 12.5.1897, 7; Wr. Neueste Nachrichten 8.6.1897, 5; Neues Wr. Journal 1.1.1899, 7; Wr. Ztg. 18.4.1900, 3; Wr. Sonn- und Montags-Ztg. 18.12.1899, 10; Dt. Musik-Ztg. 1902, H. 7, 54; www.acta.musicologica.cz (3/2024); eigene Recherchen (Wr. Kommunal-Kalender und städtisches Jb.; Amtsbl. der Stadt Wien; Hb. der Stadt Wien; Lehmann-Adressbücher; www.anno.onb.ac.at); Mitt. Ludwiga Reich (3/2024).

Autor*innen
Monika Kornberger
Katharina Ressl
Letzte inhaltliche Änderung
21.11.2024
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger/Katharina Ressl, Art. „Schallinger, Musikschule“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 21.11.2024, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_S/Schallinger_Musikschule.xml
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

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				Konzertsaal aus Vom hohen k.k. Landesschulrathe concessionirte Privat-Musikschule Schallinger ... 1902/03; Original Privatbesitz Ludwiga Reich


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