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Ring-Theater
Ehemaliges Wiener Theater (Wien I, Schottenring 7). 1872 erfolgte die kaiserliche Genehmigung zum Bau eines Theaters unter dem Namen „Komische Oper“, das als Gegenpol zur Hofoper der Pflege der leichten Oper sowie der Operette dienen sollte. Baubeginn nach Plänen von Emil von Förster war im Jänner 1873, für Wien neu war u. a. die Tiefe des Orchestergrabens nach Vorbild des Münchner Hoftheaters. Die Eröffnung war für 1.1.1874 geplant. Aufgrund von Verzögerungen der Bauarbeiten sowie Probenrückständen, verursacht durch das mehrfache Fehlen von A. Erl in Folge des Todes seines Vaters J. Erl, wurde es erst am 17.1.1874 unter der Direktion Albin Swoboda mit dem Barbier von Sevilla von G. Rossini unter der Leitung von H. Proch eröffnet. Konzertmeister war J. Hellmesberger jun. Nach wechselnden Pächtern (1874 Willy Hasemann, 1875 Siegfried und Theodor Rosenfeld, Heinrich Hirsch, wieder Swoboda) eröffnete Karoline Völkel-Strampfer am 27.9.1878 das Haus unter dem neuen Namen R. u. a. mit L. v. Beethovens Weihe des Hauses unter der Leitung von F. Mottl. Der vielfältige Spielplan umfasste v. a. Lustspiele.

Am 1.10.1881 eröffnete F. Jauner das Wr. R. Während seiner Direktion brannte das Theater am 8.12.1881 vor einer Vorstellung von Hoffmanns Erzählungen von J. Offenbach unter dramatischen Umständen ab (s. Abb.). Bauliche Fehlplanungen und technische Gebrechen führten zur Katastrophe mit rund 400 Toten. Von einem Wiederaufbau wurde Abstand genommen. Als Folge des Brandes wurde 1882 ein neues Gesetz erlassen, das größere Sicherheitsvorkehrungen in Theatern vorschrieb (u. a. den eisernen Vorhang). Weiters wurde die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft gegründet. An Stelle der Brandruine wurde aus Mitteln der kaiserlichen Privatschatulle von Dombaumeister Friedrich Schmidt das sog. Sühnhaus gebaut, das 1945 ausbrannte und 1951 abgetragen wurde. 1969–74 entstand an dieser Stelle der Neubau der Bundespolizeidirektion. Als späte Reaktion auf die Katastrophe sei das in den 1960er Jahren von C. Merz und H. Qualtinger geschriebene Fernsehspiel Alles gerettet. Der Ringtheaterprozess genannt.


Gedenkstätten
Gedenktafel (am Gebäude der Bundespolizeidirektion).
Literatur
Czeike 4 (2004); P. Cerny, Der R.-Brand – ein Versäumnis?, Diss. Wien 1986; H. Bouzek, Wien und seine Feuerwehr. Der Brand des Wr. R.s 1991; Illustrirte Ztg. 16.5.1874, 378; Neues Wr. Tagbl. 8.1.1874, 4.

Autor*innen
AH
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
16.12.2021
Empfohlene Zitierweise
Andrea Harrandt/Monika Kornberger, Art. „Ring-Theater‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 16.12.2021, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x00075a42
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Illustrirte Ztg. 16.5.1874, 377© ANNO/ÖNB
Neue Illustrirte Ztg. 18.12.1881, 184© ANNO/ÖNB
Neue Illustrirte Ztg. 18.12.1881, 180© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x00075a42
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