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Podlesky Podlesky true (Podleská, Podleski, Podletzki), Familie
Musikalisch tätige Kinder des Müllers Wenzel P.

Wenzel Anton: * 3.9.1740 Beraun/Böhmen (Beroun/CZ), † 4.3.1805 Leopoldstadt (Wien II). Musiker, Viola d’amore-Spieler. Sohn des Müllers Wenzel P. Er ist 1778 (als „Bürger aus Prag“) anlässlich der Geburt einer Tochter erstmals in Wien greifbar. Beim Tod seiner Frau Anna Maria († 27.3.1784 Leopoldstadt; „Musikantens-Weib“) hatte er fünf Kinder zu versorgen und lebte in Armut („Nichts als die blosse Armuth vorhanden“ [WStLA]). Die ärmlichen Verhältnisse dokumentieren auch Zeitungsannoncen aus den 1790er Jahren, in denen P. als Viola d’amore-Spieler zeichnet.


Literatur
Wr. Ztg. 18.1.1794, 186, 5.8.1797, 2291, 13.3.1805, 1063; Taufbuch 1739–60 der Pfarre Beraun, fol. 31v; Taufbuch 1773–98 der Pfarre Leopoldstadt (Wien II), pag. 271; WStLA (TBP 1805; V 1006/1783–84; Portheim-Kat.).


Seine Schwestern

Elisabeth Barbara (Sr. Margarita): * 17.11.1752 Beraun, † 14.3.1819 Prag. Sängerin. Studierte Musik und Gesang bei Adalbert (Vojtěch) Brichta in Prag. Gemeinsam mit ihrer Schwester Anna trat sie in ihrer Jugend in Prag, Brünn und Wien (1776) auf. Sie trat 1778 jedoch ins Prager Elisabethinerinnenkloster ein, wo sie weiterhin musikalisch tätig und zuletzt Oberin war.


Literatur
Dlabacž 1815; A. Jakubcová/M. J. Pernerstorfer (Hg.), Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien 2013 [Batka]; K-R 2003; Kaiserlich-Königliche privilegirte Prager Ztg. 25.3.1819, 242; Taufbuch 1739–60 der Pfarre Beraun, fol. 182v; WStLA (Portheim-Kat.).


Anna Maria Scholastika (Sr. Aquinata): * 12.2.1754 Beraun, † 26.3.1818 Prag. Sängerin. Studierte ebenfalls bei V. Brichta und trat mit ihrer älteren Schwester auf. Sie schloss sich dann jedoch den Dominikanerinnen in Alt-Brünn an und komponierte in weiterer Folge auch. Nach Aufhebung des Klosters ging sie nach Prag, wo sie als „Exnonne“ (Prager Ztg.) starb.


Literatur
Dlabacž 1815; A. Jakubcová/M. J. Pernerstorfer (Hg.), Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien 2013 [Batka]; K-R 2003; Kaiserlich-Königliche privilegirte Prager Ztg. 16.4.1818, 370; Taufbuch 1739–60 der Pfarre Beraun, fol. 202r; WStLA (Portheim-Kat.).


Maria Johanna Barbara (Marianna; Fesca): * 25.4.1759 Beraun, † nach 1800 Magdeburg?/D. Sängerin. Trat bereits 1775 in Karlsbad auf und studierte dann mit ihren drei jüngeren Schwestern Gesang in Leipzig/D bei J. A. Hiller. Mit ihrer Schwester Thekla sang sie in Magdeburg/D und Leipzig, 1782 wurde sie an den Hof des Hzg.s von Kurland in Mitau (Jelgawa/LV) engagiert. 1784 heiratete sie Johann Peter August Fesca (1756–1811) und zog nach Magdeburg, wo ihr Mann, ein Dilettant und Musikliebhaber, Marktrichter und Obersekretär beim Magistrat war. Das Paar nahm regen Anteil am musikalischen Leben der Stadt. Ihr Sohn Friedrich Ernst Fesca (1789–1826) war Violinist und Komponist, dessen Sohn Alexander Ernst (1820–49) Pianist und Komponist. Ein weiterer Sohn des Paars, Carl August (1790–1863), spielte Violine und Viola, war spätestens ab 1814 in Wien im Großhandelskaufmannswesen tätig und ausübendes Mitglied der GdM; 1818 ging er wieder nach Deutschland. Dessen Tochter Henriette Caecilie Rosette (* 22.11.1817 Wien) war Sängerin.


Gedenkstätten
Reliefplatte an der Nordwestseite der Thomaskirche in Leipzig (Relikt des Hiller-Denkmals).
Literatur
M. Frei-Hauenschild, Friedrich Ernst Fesca (1789–1826), 1998; Dlabacž 1815; GerberATL 2 (1792); A. Jakubcová/M. J. Pernerstorfer (Hg.), Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien 2013 [Batka]; K-R 2003; MGG 4 (1955) u. 6 (2001) [jeweils Fesca]; Taufbuch 1739–60 der Pfarre Beraun, fol. 255v; Trauungsbuch 1783–1831 der Evangelischen Pfarrgemeinde A. B. Wien-Innere Stadt, 1816, RZ 2 [Fesca]; Taufbuch 1815–22 der Evangelischen Pfarrgemeinde A. B. Wien-Innere Stadt, 1817, RZ 109 [Fesca]; www.mintmaster.geschichte.uni-muenchen.de [Fesca]; WStLA (Portheim-Kat.).


Barbara Maria Franziska: * 4.10.1760 Beraun, † 1794 Mitau/Livland (Jelgawa/LV). Sängerin. Studierte bei J. A. Hiller in Leipzig und war ab 1782 am Hof in Mitau engagiert. In der bisherigen Literatur wurde sie als die spätere Sr. Aloisia P. identifiziert; die Tatsache, dass am Denkmal für J. A. Hiller die vier jüngeren Schwestern P. mit den Namen Marian[n]e, Franziska, Aloysia, Thekla (in dieser Reihenfolge) genannt waren, legt jedoch nahe, dass hier eine Verwechslung mit ihrer jüngeren Schwester Josepha vorliegt.


Gedenkstätten
Reliefplatte an der Nordwestseite der Thomaskirche in Leipzig (Relikt des Hiller-Denkmals).
Literatur
Dlabacž 1815; A. Jakubcová/M. J. Pernerstorfer (Hg.), Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien 2013 [Batka]; K-R 2003; Taufbuch 1739–60 der Pfarre Beraun, fol. 272r; WStLA (Portheim-Kat.).


Josepha Maria (Sr. Aloisia): * 18.10.1761 Beraun, † 1810 Prag?. Sängerin. Studierte bei J. A. Hiller in Leipzig und war ab 1782 am Hof in Mitau engagiert. Später ging sie nach Prag, trat 1786 in den Orden der Elisabethinerinnen ein und war im Orden musikalisch tätig. Bei der Angabe, dass sie ihre Schwester Thekla 1786/87 nach Wien begleitete, dürfte eine Verwechslung mit ihrer Schwester Barbara vorliegen.


Gedenkstätten
Reliefplatte an der Nordwestseite der Thomaskirche in Leipzig (Relikt des Hiller-Denkmals).
Literatur
Dlabacž 1815; A. Jakubcová/M. J. Pernerstorfer (Hg.), Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien 2013 [Batka]; K-R 2003; Taufbuch 1761–84 der Pfarre Beraun, fol. 11v; WStLA (Portheim-Kat.).


Thekla Katharina Franziska (verh. Bat[t]ka): * 2.12.1764 Beraun, † 28.8.1852 Prag. Sängerin. Nach der ersten Ausbildung in Beraun bei Josef Nechanický wurde sie von J. Hatasch in Mnischek (Mníšek pod Brdy/CZ) unterrichtet. Nach einem Konzertauftritt in Karlsbad mit ihrer Schwester Maria wurden beide Schülerinnen von J. A. Hiller. Sie war ab 1781 Solistin am Leipziger Gewandhaus und unternahm mit ihrem Lehrer Konzertreisen. In der Saison 1781/82 begann ihre Opernkarriere in Leipzig und Dresden/D. Eine geplante Reise nach Wien im Sommer 1782 kam nicht zustande, dagegen wurde sie noch im gleichen Jahr an den Hof zu Mitau (in Kurland) engagiert. 1784/85 bereiste sie (und zumindest eine weitere Schwester) mit der herzoglichen Familie Italien und Deutschland. 1785/86 wollte sie in Prag Fuß fassen. Weiterhin in Diensten des Hzg.s von Kurland, sang sie 1786/87 als Gast am Wiener Burgtheater in den UA.en mehrerer Singspiele (u. a. in W. A. Mozarts Die Entführung aus dem Serail). Anschließend ging sie zurück nach Mitau, um 1788 heiratete sie V. A. Batka. Als Mitglied des herzoglichen Hofes hielt sie sich bis zum Tod des Herzogs im Jahr 1800 auf dessen Besitzungen auf. 1800 zog das Ehepaar nach Prag, wo es sich trennte. Th. bezog eine lebenslange Pension des Hzg.s, dessen Familie sie weiterhin im Gesang unterrichtete. Vereinzelt trat sie weiterhin öffentlich auf, 1801 war sie Taufpatin einer Tochter von V. V. Mašek. Ab 1803 war sie Mitglied der Prager Tonkünstler Sozietät, in deren Konzerten sie auftrat (u. a. 1804 in der Prager EA von G. F. Händels Der Messias). Sie war als Pädagogin tätig, unterrichtete u. a. ihre Pflegetochter K. Podhorský und lehrte kurzzeitig (1832) auch am Prager Konservatorium. P. war Initiatorin des 1832 enthüllten Leipziger Hiller-Denkmals mit einem Relief der vier jüngeren P.-Schwestern. In ihrer Heimatstadt rief sie 1834 eine Stiftung für arme Schulkinder ins Leben.


Gedenkstätten
Reliefplatte an der Nordwestseite der Thomaskirche in Leipzig (Relikt des Hiller-Denkmals).
Literatur
A. Jakubcová/M. J. Pernerstorfer (Hg.), Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien 2013 [Batka]; K-R 2003; Dlabacž 1815; GerberATL 2 (1792) u. NTL 1 (1812) [Batka]; J. Branberger, Das Konservatorium f. Musik in Prag 1911, 53; AmZ 30.11.1831, 803, 11.7.1832, 471; Leipziger Tagebl. 30.6.1832, 1853–1856; Illustrirte Ztg. 19.4.1845, 254; Der Humorist 4.9.1852, 843; Taufbuch 1761–84 der Pfarre Beraun, fol. 47r; www.de.wikipedia.org/wiki/Hiller-Denkmal (1/2025); WStLA (Portheim-Kat.).


Unklar ist das Verwandtschaftsverhältnis von

Elise (Elisabeth Anna Franziska): * 19.11.1813 Prag, † nach 1824 (Ort?). Sängerin. Tochter des Druckergesellen Wenzel P., Sohn des Taglöhners Joseph P. und ehemaliger kaiserlicher Regimentstambour, und der Katharina Braun. Sie war Schülerin von Thekla P., die bei zwei ihrer Geschwister als Taufpatin fungierte, was eine Verwandtschaft nahelegt. Sie trat 1824 („neunjährige Elise“) in einem Prager Wohltätigkeitskonzert auf und sang eine Arie von Ferdinando Paër. Danach schweigen die Quellen über sie.


Literatur
AmZ 24.6.1824, 419; Trauungsbuch 1810–39 der Heiligen-Geist-Pfarre in Prag, fol. 8; Geburtsbuch 1811–32 der Heiligen-Geist-Pfarre, pag. 5, 43 [Elise], 84, 136, 167.


Henriette (verh.? Herwegh): * ca. 1818? Prag, † 30.11.1848 Koblenz/D. Sängerin. Sie ist nicht eindeutig zu identifizieren: Bei ihrem Tod soll sie 30 Jahre alt gewesen sein, was im Hinblick auf die Tatsache, dass sie („Dem. Podlesky“) bereits im Sommer 1832 als hervorragend ausgebildete „Bravour-Sängerinn vom k. Theater zu Prag“ bezeichnet wird, als unwahrscheinlich erscheint. Ihre Geburt ist in den Prager Matriken nicht aufzufinden, nicht ganz auszuschließen ist, dass sie mit der oben genannten Elise identisch ist, umso mehr, als sich deren Spur nach 1824 verliert. 1832/33 sang Henriette jedenfalls in Laibach, 1833 in Linz, 1833/34 in Mannheim/D und 1834 als Gast in Straßburg (Strasbourg/F). Während dieser Zeit dürfte sie den Schauspieler Philipp Herwegh (1805–65), gelernter Küferer, später Reisender für eine Kölner Weinhandlung, kennengelernt haben; er war ein Verwandter des Dichters Georg Herwegh (1817–75). Das Paar hatte zumindest vier Kinder, zu einer Eheschließung ist es jedoch wahrscheinlich nicht gekommen, obwohl Henriette sich spätestens ab 1837 Herwegh nannte. In der Folge wechselten die Engagements des Paars häufig: 1836 Stettin (Szczecin/PL) und Mannheim, 1837 Aachen/D, 1838–40 Posen (Poznań/PL), 1840 St. Petersburg/RUS. 1840 gastierte ihr Mann am Theater an der Wien, während sie in Konzerten auftrat und in einer Aufführung von J. Weigls Die Schweizerfamilie am Hietzinger Theater (Wien XIII) mitwirkte. 1841 war sie am Deutschen Theater in Pest engagiert und gastierte in Brünn. Danach Bravour-Sängerin in Neisse (Nysa/PL, 1841/42), Nürnberg/D (1842/43), Frankfurt an der Oder/D (1844), Zittau/D (1844), Troppau (1844/45), Dessau/D (1845/46), Halle an der Saale/D (1846/47) und Koblenz (1847/48).


Literatur
Allgemeine Theaterztg. 16.8.1832, 665, 8.6.1841, 608; Der Wanderer 6.9.1832, [4]; Laibacher Ztg. 19.3.1833, 137; Österr. Bürgerbl. 27.12.1833, 4; AmZ 16.7.1834, 486, 6.5.1835, 299; Der Sammler 24.2.1840, 124, 25.6.1840, 380, 6.7.1840, 428; Der Humorist 1.10.1841, 808; www.freepages.rootsweb.com (1/2025); eigene Recherchen (Bühnen-Jahrbücher).

Autor*innen
Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
6.5.2025
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Podlesky (Podleská, Podleski, Podletzki), Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 6.5.2025, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001dda2
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


DOI
10.1553/0x0001dda2
GND
Podlesky Friedrich Ernst Fesca: 116473843
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Podlesky Alexander Ernst: 116473754
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Podlesky Carl August: 1219930385
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Podlesky Thekla: 1329536584
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Podlesky Philipp Herwegh: 105047967X
OBV
Weiterführende Literatur

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