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Musikschule Liebing
Ehemalige Wiener Privat-MSch., unter diesem Namen 1896–1920 bestehend. Die MSch. L. wurde vom Violinisten Ludwig Karl Liebing (* 28.7.1870 Simmering/NÖ [Wien XI], † 1917 Wien?; seit 28.2.1897 verheiratet mit Helene Hofmann, Tochter des Offizials am Konservatorium der GdM Gustav Hofmann) gegründet. Liebing studierte Violine bei J. Hellmesberger am Konservatorium der GdM (Diplom 1890), wo seine Mutter Karoline später „Aufsichtsdame“ war. Sein Vater Adolf war Bauzeichner. 1894–96 unterrichtete Liebing Violine an der MSch. des Kirchenmusikvereins an der Votivkirche in der Währingerstraße 48 (Wien IX), wo er nach deren Auszug im Herbst 1896 eine eigene MSch. führte. Im Februar 1898 eröffnete er in Floridsdorf (ab 1905 Wien XXI) eine zweite, seitens des k. k. niederösterreichischen Landesschulrates konzessionierte Klavier-, Violin- und Gesangschule („1. Floridsdorfer MSch.“), die jedoch nur kurzzeitig bestand (3 Jahre?). Anfangs standen Sologesang, Klavier, Harmonium, Orgel, Violine und Violoncello am Lehrplan, ergänzt durch die Nebenfächer Chorschule, Harmonielehre, Musiktheorie und Geschichte der Musik. 1904 kam es zur Gründung eines Schulorchesters, das auf hohem Niveau spielte; 1905 gab es auch Schauspielvorführungen. Im Schuljahr 1898/99 besuchten 116 Schüler*innen in Wien und 30 in Floridsdorf die MSch. L., die in den folgenden Jahren unter verschiedenen Namen firmierte (1902 „Liebing’sche Musik- und Opernschule“, 1905 „Opern- und Schauspielschule L. Liebing“, 1906 „Musik- und Theaterschule L. Liebing“ u. ä.) und seitens der Stadt Wien jährlich subventioniert wurde. Zwischen 1903 und 1911 schwankte die Schüler- und Schülerinnenzahl zwischen 193 (1903/04) und 230 (1907/08). Neben den obligatorischen Zöglingskonzerten (u. a. Saal Schweighofer) gab es zumindest 1898–1901 regelmäßige Kammermusikabende des Lehrkörpers, u. a. im Ehrbar-Saal. Ende 1902 wurde jedoch der anstaltseigene Schubert-Saal eröffnet (Währingerstraße 46), in dem ab 1905 der Verein Intimes Theater seine Aufführungen veranstaltete und der heute (2021) noch besteht (Schubert-Theater, ehemals Schubertkino). Nach Liebings Tod führte zunächst R. Glickh die MSch. L. weiter, 1920 übernahm sie F. Schubert (1872-1925) unter seinem eigenen Namen. Glickh blieb weiterhin Lehrer und leitete die MSch. wieder nach Schuberts Tod 1925.

Lehrkörper (soweit bekannt, z. T. sind die Jahreszahlen nur Nennungen):

L. Liebing (1896–1917; Violine, Kammermusik- und Orchesterübungen), R. Glickh (1896–1920; Violoncello, Klavier, Musiktheorie; spätestens ab 1904 Co-Leiter bzw. Klasseninspektor), Josef Christenheit (mind. 1898–1903; Violine, Klavier, Musiktheorie), G. Valker (mind. 1898–1903; Klavier, Orgel, Chorgesang), Friedrich Wilhelm (1899–?; Klarinette), Melanie Kastner (1899–?; Klavier), H. Schantl (mind. 1899–1903; Horn), Leopold Neusser (mind. 1899–1905; Kontrabass), Franz Probost (1899–?; Flöte), Ida Fichna (1899–1907; Sologesang, Konzert- und Opernklasse für Damen), Al. Wunderer (1901–11; Oboe), Ch. Boyes-Rucker (1901–03; Klavier), Wilhelm Felix (1901/02; Mündlicher Vortrag, dramatische Darstellung), Fr. Balluff (1905–?; Klavier, Orgel- und Chorschule), O. Keller (1905–07; Geschichte der Musik), R. Schamburek (1906/07; Sologesang-Korrepitorin), Ferdinand Kracher (1905–09; mündlicher Vortrag, dramatische Darstellung für Opern- und Schauspieler), H. Fried (1908–10; Dramatische Darstellung für Opernschüler), Eugen R. v. Fröhlichsthal (mind. 1908–15; Sologesang, Konzert- und Opernklasse für Damen, ab 1909 auch für Herren), Theodor Gleissner (1910–?; Dramatische Darstellung für Schauspielschüler), Leopold Schmidt (?–1911; Klarinette), Oswald Warmuth (?–1911; Horn, Trompete), Alice Goldberg (1912; Gesang), Karl Gerboth (1912; Dramatische Darstellung), Lisa Düll (1920; Laute).

Schüler waren u. a. F. Ledwinka und K. Rosner sowie der Sänger Otto Spielmann (1907 nach München ans Gärtnerplatztheater engagiert) und die Schauspielerin Rosa Schaub (1906 in Olmütz engagiert).


Literatur
Müller-Asow 1929 [Glieckh]; Dt. Volksbl. 1.3.1897, 3, 9.4.1900, Abend-Ausg., 2, 27.4.1900, 7; Österr. Musik- und Theaterztg. Sept. 1894, 10, 1.12.1897, 1; Wr. Ztg. 5.12.1897, 2, 21.10.1903, 5; Wr. Abendpost 30.9.1904, 18; Floridsdorfer Ztg. 2.2.1898, 2 u. 4, 9.2.1898, 3, 16.7.1898, 2f, 17.12.1898, 4, 25.2.1899, 2, 1.7.1899, 2, 11.7.1925, 4; NFP 5.2.1899, 7, 28.9.1901, 7, 26.7.1902, 3, 9.11.1906, 12, 30.5.1907, 13, 3.9.1908, 7; Reichspost 6.4.1899, 10, 8.4.1899, 6, 30.4.1899, 12, 19.7.1899, 10, 14.9.1899, 4, 10.5.1900, 10f, 30.4.1901, 10, 30.11.1902, 12, 10.4.1904, 10, 27.4.1904, 10, 1.7.1905, 9, 30.3.1906, 11, 16.5.1906, 10, 20.11.1906, 3, 22.3.1907, 7, 31.12.1909, 8, 2.6.1911, 9, 27.7.1912, 9, 17.5.1915, 11, 14.3.1916, 6, 6.3.1917, 9, 9.8.1918, 6; Dt. Volksbl. 11.7.1899, 5, 21.5.1903, 14, 1.10.1904, 4, 23.3.1905, Abend-Ausg., 4, 9.5.1906, 9, 29.3.1907, 10; Dt. Kunst- und Musik-Ztg. 26.4.1900, 48, 25.3.1901, 65, 25.4.1901, 94; Illustrirtes Wr. Extrabl. 27.10.1901, 16, 21.12.1901, Abend-Ausg., 3; Sport & Salon 11.1.1902, 21 u. 23; Wr. Montags-Post 14.4.1902, 3; Extrapost 28.9.1903, 3; Die Zeit 26.6.1905, 2; Das Vaterland 11.8.1905, 6; Illustrierte Kronen-Ztg. 14.8.1911, 4, 13.9.1912, 12, 18.8.1913, 15, 21.8.1914, 15; Die Postanstaltsbeamtin 3 (1911), H. 9, 5, 5 (1913), H. 8, 6; Fremden-Bl. 28.5.1915, 11, 4.9.1915, 13, 22.8.1916, 7; Neues Montagbl. 26.1.1920, 4; Österr. Wehrztg. 29.5.1925, 6; Taufbuch 1869–72 der Pfarre Altsimmering (Wien XI), fol. 116; Trauungsbuch 1897–98 der Pfarre Rossau (Wien IX), fol. 20; www.geschichtewiki.wien.gv.at/Schubertkino; eigene Recherchen (Lehmann-Adressbücher, Fromme 1897–98, Musikbuch aus Österreich 1905–13, Jahresbericht der GdM 1890).

Autor*innen
Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
16.2.2022
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Musikschule Liebing‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 16.2.2022, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_M/Musikschule_Liebing.xml
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Floridsdorfer Ztg. 2.2.1898, 4© ANNO/ÖNB


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