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KresnikKresniktrue (Kreßnik), Franjo (Franz)
* 1869-12-1515.12.1869 Wien, † 1943-06-033.6.1943 Fiume/Italien (Rijeka/HR). Arzt und Geigenbauer. Bald nach seiner Geburt übersiedelten seine Eltern Franz (Franjo) und Ottilie (geb. Sax) – sie heirateten erst knapp vier Monate nach K.s Geburt – nach Fiume. Mit acht Jahren fing K. an, Geige zu spielen. Den Plan, am Konservatorium der GdM Geige zu studieren, gab er aber zugunsten des Medizinstudiums in Wien, Graz und Innsbruck auf. Zurück in Fiume eröffnete K. im Jahr 1900 eine Privatordination. Ungefähr in jener Zeit fing er an, sich aktiv mit dem Geigenbau auseinanderzusetzen. Empfehlungsschreiben von Geigern wie Emil Baré, B. Lhotský, Franz Schörg, J. Kocián, Arrigo Serato oder Franz von Vecsey aus der Zeit zw. 1910/12 deuten darauf hin, dass professionelle Musiker von der handwerklichen Ausführung sowie von der akustischen Qualität der Instrumente beeindruckt waren. Die Arbeit K.s beweist, dass er mit dem Cremoneser Geigenbau des 17. und 18. Jh.s vertraut war. Möglicherweise stand er mit dem Großindustriellen und Mäzen Th. Hämmerle in Kontakt, der in Wien eine der europaweit bedeutendsten Sammlungen italienischer Instrumente besaß.

In den 1930er Jahren wird in den Zeitungen von Triest und Fiume (nunmehr Italien zugehörig) oft auf seine Arbeit hingewiesen, vor allem auf seine Schrift Studio sull’antica liuteria classica italiana (erschien gedruckt erst posthum 1951) und auf seine Arbeit über die Beschaffenheit von Lacken des 17. und 18. Jh.s. K. pflegte Kontakte zu Cremona/I, seine Präsenz beim Bicentenario Stradivariano, der 200-Jahr-Feier des Todes von Antonio Stradivari 1937, ist mehrfach belegt. Aufgrund seines Wissens im Bereich des Geigenbaus sowie seiner Sprachkenntnisse diente K. als Führer durch die Geigenbauausstellung, die im Rahmen des Bicentenario stattfand. Der Geigenbauer Carlo Schiavi (1908–43), der die Lehrtätigkeit in der Werkstatt der 1938 gegründeten Geigenbauschule in Cremona (heute Scuola Internazionale di Liuteria A. Stradivari) übernahm, kam zw. 1933/36 nach Fiume, um seine Kenntnisse mit K. zu vertiefen. In dieser Zeit entwickelte K. ein eigenes Modell, möglicherweise nach dem Vorbild der Violine „Kubelìk“ von Giuseppe Guarneri del Gesù von 1735. 1938 gingen K. und C. Schiavi gemeinsam nach Berlin, wo sie bei der Handwerkmesse die (angebliche) Cremoneser Arbeitsweise demonstrierten. Die zu diesem Zeitpunkt nur als Manuskript vorliegende Schrift K.s Studio sull’antica liuteria classica italiana wurde als Unterrichtsmaterial in der Cremoneser Geigenbauschule vorgeschlagen.


Ehrungen
Preis bei der Internationalen Messe Fiume 1926.
Werke
52 Violinen, 2 Violen, 2 Celli, 1 Quartett.
Schriften
Schr:Vijesti iz umjetničke radionice za klasičnu izgradbu gusala dra. Franje Kresnika 1926 (auch ital. und dt. [Bericht aus der Kunstwerkstätte für klassischen Geigenbau des Dr. Franz Kresnik]); Rücksicht auf die Rolle der Harze und aetherischen Öle. Eine kunsthistorisch-kritische Studie an Hand der Arznei und Warenkunde des XVI. und XVII. Jahrhunderts in Les Archives internationales de Pharmacodynamie et de Thérapie 42 (1932); Starotalijansko umijeće građenja gudačkih instrumenata. Studio sull’antica liuteria classica italiana [Die altital. Kunst des Streichinstrumentenbaus)] 1951 (ital. Originalmanuskript und kroatische Übersetzung).
Literatur
L. R. Creston in The Violin Makers Journal 4 (1961); Lütgendorff 1922 u. 1990; ÖBL 4 (1969); G. Nicolini, The International School of Cremona 1979; T. Mataija in Tonovi. Časopis glazbenih i plesnih pedagoga 27 (2012); T. Mataija in Muzeologija 51 (2014); F. Torrisi in R. Codazzi/C. Manfredini (Hg.), La liuteria lombarda del ‘900, 2002; Taufbuch 1869 der Pfarre Landstraße (Wien III), fol. 159; Nachlass: Pomorski i povijesni muzej Hrvatskog primorja [Meeres- und Geschichtsmuseum des kroatischen Küstengebiets], Slg. Kresnik.

Autor(en)
Matej Santi
Empfohlene Zitierweise
Matej Santi, Art. „Kresnik (Kreßnik), Franjo (Franz)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 21.2.2020]