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Kolo Slavuj
Zentrales Folkloreensemble der kroatischen Minderheit bzw. Volksgruppe im Burgenland Das überregionale Ensemble besteht seit dem Jahr 1971. Es entstand aus dem Zusammenschluss der in Wien ansässigen Tanzgruppe Kolo (= slawischer Reigentanz) und der Tamburicagruppe Slavuj (= die Nachtigall) in Großwarasdorf/Veliki Borištof/Bl. Die Mitglieder von K. S. stammen aus verschiedenen kroatischen Ortschaften des Burgenlandes, aus Ungarn, der Slowakei und aus Wien, dem Sitz des Ensembles. Darüber hinaus fanden und finden sich unter den Mitgliedern auch Angehörige anderer Volksgruppen und Nationalitäten. Derzeit (2025) sind ca. 60 Tänzer:innen und Musiker:innen aktiv. Bis 1975 wurde das Ensemble von Mirko Berlakovich (* 1941), ab 1975 von Klaus Csenar (1951–2022) geleitet. 1996 übernahm Gabriela Novak-Karall den Vorsitz, für die künstlerische Leitung sind heute Stefan Novak, Filip Tyran, Pavel Maly und Lydia Novak verantwortlich. Die Entwicklung des Repertoires seit der Anfangszeit spiegelt einen faszinierenden kulturellen Identitätswandel wider. Die Ausdrucksformen von K. S. sind Instrumentalmusik, Gesang und Tanz in verschiedenen Trachten als öffentliche Präsentation. Am Beginn stand eine Orientierung an den kulturellen Wurzeln des Herkunftslandes Kroatien. Das „Eigene“ war nach Auffassung der damaligen Akteur:innen Kulturgut aus der „stara domovina“ (der „alten Heimat“). Um als burgenländische Kroat:innen aufzutreten, übernahm man die professionellen Choreographien aus Kroatien. In gewissem Sinne eine Notlösung, denn das „Regionale“, nämlich Burgenländisch-kroatische, war noch nicht ins Bewusstsein gedrungen. Es stand also eine „nationale“ Identität am Beginn, stark am Herkunftsland ausgerichtet. Diese Verbindung zu Kroatien blieb in der Folge aufrecht, wenn auch in anderer Form. Die ersten beiden Alben von K. S. sind in den 1970er Jahren auf Jugoton in Zagreb erschienen. 1973 konnte der kroatische Ethnochoreologe Ivan Ivančan dafür gewonnen werden, Feldforschungen in den verschiedenen Regionen des kroatischen Burgenlandes durchzuführen, und darauf aufbauend regionale Choreographien für K. S. zu kreieren: 1973 „Stinjačko Kolo“ (südliches Burgenland), 1974 „Hrvatski plesi sridnjega Gradišća“ (mittleres Burgenland), 1975 „Na Poljanci“ (nördliches Burgenland), 1981 „Hati“ (Heideboden), 1991 „Ki će s nami pirovati I“, 1996 „Ki će s nami pirovati II“ (Hochzeitsbräuche des mittleren Burgenlandes). Dahinter steht ein gewisses Umdenken, die Anerkennung der Tatsache, dass das „Eigene“ ein Produkt des jahrhundertelangen Miteinanders verschiedener Völker in einer Region ist. Der Csárdás ist ebenso selbstverständlich wie der Siebenschritt und slowakische sowie Roma-Melodien. Die „nationale“ Identität weicht also verschiedenen regionalen Identitäten, die die transkulturellen Prozesse berücksichtigen. In den letzten Jahren konzentrierte sich K. S. in seiner künstlerischen Arbeit auf größere eigene Produktionen, wie etwa im Rahmen der Internationalen Haydn-Festspiele 1998, bei denen das Ensemble eine Produktion zu den Einflüssen der traditionellen Musik der Burgenländischen Kroat:innen auf die Musik J. Haydns erarbeitete, oder die Produktion folklor je folklor je folklor (1999), aber auch zu den Bestandsjubiläen (ab 2001) im Fünfjahrestakt jeweils eine Folklore-Gala zu einem ausgewählten Thema. Im Haydn-Jahr 2009 gestaltete das Ensemble unter dem Motto „Hayde Hrvatom“ ein eigenständiges Programm zum Thema „Haydn und die Kroaten“ und präsentierte erstmals auch höfische Tänze auf der Bühne. Neben dem traditionellen Repertoire arbeitet K. S. auch an einem Brückenschlag zwischen traditionellen Ausdrucksformen und zeitgemäßen tänzerischen und musikalischen Gestaltungsmitteln. Auf Basis überlieferter Elemente des Volksgutes, aber losgelöst von Bräuchen und Trachten, entstehen neue Choreographien und Musikarrangements.
Ehrungen
Europapreis f. Volkskunst der Stiftung F.V.S. Hamburg/D (Gesamtwerk) 1990; Spezialpreis f. Authentizität „Bartomeu Ensenat Estrany“ des XIV. World Folkdance Festivals in Palma de Mallorca/E 2011; 3. Preis in der Gesamtkategorie des XIV. World Folkdance Festivals in Palma de Mallorca 2011; Večernjakova domovnica (Preis der Auslandsredaktion der Tageszeitung Večernji list) 2022; Povelja Republike Hrvatske [Charta der Republik Kroatien] 2025.
Werke
Alben Na toj vašoj placi [In unserem Vorgarten], Jugoton 1974; Poslušajte priliku [Hört die Begebenheit], Jugoton 1979; Iskre [Funken] 1995; Kolomije [Wagenspur] 2002; ŠaroliKolo [Ein Reigen der Vielfalt] 2017; Zajačimo maljahnomu [Wir singen dem Christkind] 2019; Kolectrified 2022; DVD ŠaroliKolo 2017.
Literatur
K. S. – Tänze und Lieder der Burgenländischen Kroaten 1981; A. Ivančan (Hg.), Narodni plesni običaji gradišćanskih Hrvata – Istraživanja i zapisi dr. Ivana Ivančana [Volkstanzbräuche der Burgenlandkroaten – Forschung und Aufzeichnungen] 2021; Pogledi: 50 ljet – 50 pogledov / 50 Jahre – 50 Ansichten 2023; div. Progammhefte; www.hrvatskicentar.at.

Autor*innen
Ursula Hemetek
Letzte inhaltliche Änderung
30.10.2025
Empfohlene Zitierweise
Ursula Hemetek, Art. „Kolo Slavuj“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 30.10.2025, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_K/Kolo_Slavuj.xml
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.



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