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HackensöllnerHackensöllnertrue (Hackensellner), Familie
Musiker

Leopold: * 26.3.1827 Napagedl (Nepagedl)/Mähren (Napajedl/CZ), † 13.1.1892 Wien.Pianist, Komponist. Sohn des gräflichen Sekretärs und späteren Olmützer fürsterzbischöflichen Kabinettrats Ignaz H., der sich als Sänger und Violoncellist betätigte. L. H. erlernte das Klavierspiel vom Olmützer Domorganisten Moritz Kunert und betrieb dann weitere Studien in Wien bei S. Sechter. Ab 1846 sind öffentliche Auftritte als Pianist in Olmütz und Wien nachweisbar. Am 21.3.1847 gab er im Klaviersalon Schweighofer ein eigenes Konzert, im selben Jahr trat er auch in Kremsier und wiederum in Olmütz auf. Danach verliert sich seine Spur, möglicherweise war er in den 1850er Jahren mehrere Jahre bei der Armee. Ca. 1860 scheint er kurzzeitig wieder in Wien gewesen zu sein, das Wiener Adressbuch verzeichnet ihn auch 1870. Gemäß einem Nachruf unternahm H. Konzertreisen durch Europa und Amerika. Spätestens ab 1872 lebte er in Florenz, wo er im selben Jahr als Pianist auftrat und 1875–77 mehrere Bühnenwerke zur Aufführung gelangten. Vermutlich 1881 heiratete er hier die ehemalige Opernsängerin und Gesanglehrerin Marianna Barbieri (verw. Nini-Barbieri; * 18.2.1818 Florenz, † 27.11.1887 Florenz), die u. a. mehrere Rollen in UA.en von frühen Opern G. Verdis kreiert hatte. Ein Jahr später verließ er sie wieder, nachdem er ihr gesamtes Vermögen durchgebracht hatte, und war spätestens im Herbst 1882 wieder in Wien. Hier gab H. Gesangunterricht, als Schülerin ist Anna Holzer belegt; bislang ist aber nur ein einziger Auftritt als Pianist nachweisbar (21.4.1883). 1888 trat er als öffentlicher Fürsprecher der Kompositionen von E. Bauduin auf. Ab 1890 war H. Sekretär des Wiener Klubs, einer Vereinigung von wohlhabenden Wiener Bürgern. Unmittelbar nach seinem Tod wurde entdeckt, dass er dem Klub 20.000 fl. unterschlagen haben soll. H., der sich auch „de H.“ bzw. „von H.“ nannte – möglicherweise, weil er (zweifacher) Ritterkreuzträger war – widmete dem Besitzer der Klavierschule Ungar, Ignaz Ungar, eines seiner Klavierstücke.


Ehrungen
Ehrenmitglied des Musikvereins von Güns (Kőszeg/H) 1847; Ehren-Prof. des Konservatoriums von Florenz; Große Goldene Ehrenmedaille der Akad. der Wissenschaften Neapel; Ritterkreuz des italienischen Kronenordens und des päpstlichen Gregoriusordens.
Werke
Opern und Operetten (Le nozze d’Isabella UA 1875 Florenz, Le Dé UA 1876 Florenz, Jobin et Nanette UA 1877 Florenz, La villa du spirite UA 1877 Florenz), Festouvertüre 1847, Lied Die Linde op. 1 (bei F. Glöggl), Romanze f. V. und Kl. La fidanzata, Salonstücke f. Kl.; Gesangschule.
Schriften
Marianna Barbieri. Le memorie di una cantatrice o. J.
Literatur
Ch. d’Elvert, Gesch. der Musik in Mähren und Oesterr.-Schlesien 1873, 100f; C. M. Gruber, Opern-UA.en 2 (1977); Stieger II/2 (1977); Wr. Zs. 20.1.1846, 60; Sonntagsbll. 29.11.1846, 1159; Wr. allgemeine Musik-Ztg. 27.3.1847, 149f, 26.8.1847, 412, 30.12.1847, 627; Wr. Ztg. 23.9.1847, 2022, 21.1.1892, 11; Oesterr. Soldatenfreund 28.1.1854, 67; Fremden-Bl. 15.1.1860, 7; Neue Berliner Musikztg. 17.4.1872, 125; Signale f. die musikalische Welt 34 (1876), 251, 35 (1877), 263, 614; Illustrirtes Musik-, Theater- und Literatur-Journal 16.5.1877, 783; Neuigkeits Welt-Bl. 17.4.1883, 6, 15.12.1887, 12, 24.1.1892, 4; Die Presse 17.4.1884, 11; Dt. Kunst- und Musik-Ztg. 16.4.1888, 108; Österr. Musik- und Theaterztg. 1.12.1889, 7; Dt. Volksbl. 14.1.1892, Abend-Ausg., 3; Mährisches Tagbl. 16.1.1892, 5; Neues Wr. Tagbl. 23.1.1892, 6; Neues Wr. Abendbl. 23.1.1892, 3; NFP 23.1.1892, Abendbl., 2; Taufbuch 1808–42 der Pfarre Napajedla, pag. 199; Sterbebuch 1883–98 der Dompfarre St. Stephan (Wien I), fol. 138; https://de.wikipedia.org (3/2024); www.geni.com (3/2024); https://onlinemerker.com (3/2024); https://opac.rism.info/ (3/2024); eigene Recherchen (Lehmann-Adressbuch; Kataloge ÖNB-Musikslg.).


Sein Neffe

Carl Josef Anton: * 11.1.1868 Olmütz, † nach 1920 (Ort?). Militärkapellmeister. War 1882–85 Musikeleve bei der Militärmusik des IR Nr. 54, das in seiner Heimatstadt bzw. Teschen stationiert war, und in dem er seine gesamte Dienstzeit absolvieren sollte. Ob er auch die Prager Militärmusikschule besuchte, bleibt offen. 1884–90 ist er öfters als Violinsolist bei Auftritten der Regimentskapelle genannt. 1885–92 diente H. als Infanterist bzw. Unteroffizier, anschließend ab 1892 als Regimentstambour und 1899–1918 als Militärkpm. In seiner Heimatstadt war er eine zentrale Persönlichkeit des musikalischen Lebens. 1919 lebte H. noch in Olmütz, 1920 soll er Kpm. im bosnischen Sarajevo gewesen sein.


Ehrungen
zahlreiche militärische Auszeichnungen.
Werke
Märsche (Chinesen-Marsch, Erinnerung an Olmütz).
Literatur
F. Rathner, Die bewaffnete Macht Österreich-Ungarns 1916–1918 in ihren Märschen 1983, 3/15; Brixel/Martin/Pils 1982; E. Vičarová, Rakouská vojenská hudba 19. stoleti a Olomouc 2002; F. Hadžić in J. Weiss (Hg.), glasbene migracije: stičišče evropske glasbene raznolikosti. musical migrations: crossroads of european musical diversity 2017; Mährisches Tagbl. 24.3.1884, 5, 16.4.1884, 3, 4.4.1887, 5, 24.11.1890, 5, 22.4.1909, 3, 17.6.1911, 4, 30.12.1915, 5, 19.6.1916, 5, 12.12.1916, 5, 4.7.1917, 5, 19.7.1917, 5, 21.7.1917, 5; Neuigkeits Welt-Bl. 2.4.1896, 4; Reichspost 25.10.1910, 5; Taufbuch 1854–69 der Pfarre Olmütz-St. Moritz, pag. 483; ÖSTA, Kriegsarchiv (Vers. MKPV 1–25).

Autor*innen
ChF
Letzte inhaltliche Änderung
12.6.2024
Empfohlene Zitierweise
ChF, Art. „Hackensöllner (Hackensellner), Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 12.6.2024, abgerufen am ), https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_H/Hackensoellner_Familie.xml
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


GND
HackensöllnerLeopold: 1366564650
OBV
Weiterführende Literatur
GND
HackensöllnerMarianna Barbieri: 143264397
OBV
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