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Gruber, Gruber, Anton Familie
Anton Johann: * 1850-01-2222.1.1850 Wien, † 1919-04-011.4.1919 Wien. Sänger, Dichter. Der Sohn des Chorsängers am Hoftheater nächst dem Kärntnertor A. Gruber (* 8.1.1813 Wien, † ?) studierte 1865–67 Posaune bei A. Slama am Konservatorium der GdM. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sein Studium jedoch vorzeitig beenden, absolvierte eine Lehre als Kaufmann und wurde Chorist am Theater in der Josefstadt. Nach Engagements am Carltheater, in Teschen und Linz kam er ans Wiener Ringtheater, wo er kleinere Basspartien übernahm. Es folgte ein einjähriges Engagement am Strampfertheater. Ein Engagement an die Wiener Hofoper schlug er angeblich aus, stattdessen profilierte er sich als „Gruber-Tonl“ in der Volkssänger-Szene (Zusammenarbeit mit W. Seidl und W. Wiesberg, J. Sioly, Wilhelm Kittel, dem Vater von H. Kittel). Ab 1901 als Wirt in Ottakring (Wien XVI) tätig, der seine Gäste gerne mit seinem Gesang unterhielt. Sein unbearbeiter Nachlass befindet sich in der Wienbibliothek im Rathaus. Seit 15.1.1874 verheiratet mit Anna, geb. Uhl (* 2.5.1846 Wien, † vor 1.4.1919 Wien?).
Literatur
J. Koller, Das Wr. Volkssängertum in alter und neuer Zeit 1931; Taufbuch der Pfarre St. Ulrich (Wien VII) 1810–15, fol. 240 u. 1849–50, fol. 198; Trauungsbuch der Pfarre Hernals (Wien XVII) 1874, fol. 6; Sterbebuch der Pfarre Altottakring 1919, fol. 133; eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM).


Sein Sohn

Ludwig Anton: * 13.7.1874 Ottakring/NÖ (heute Wien XVI), † 18.7.1964 Wien. Komponist und Kapellmeister. Erster Klavierunterricht im Alter von sechs Jahren von seinem Onkel Josef Uhl, erster öffentlicher Auftritt fünf Jahre später im Ehrbarsaal. In seiner Jugend gründete er mit seinen Freunden Karl und H. Kittel eine kleine Liebhaberbühne, auf der er eigene Stücke und Singspiele aufführte, seine Kompositionen hatte er sich autodidaktisch erarbeitet. Gefördert vom ehemaligen Pianisten Wenzel Kubiczek und der Fürstin Wilhelmine Montleart begann er 1893/94 am Konservatorium der GdM Harmonielehre bei R. Fuchs sowie Klavier bei F. Löwe zu studieren. Nach einer Studienunterbrechung, während der er auf Kunstreisen ging und ein Engagement als Kapellmeister in Miskolcz/H annahm, setzte er 1895/96 das Studium (Kontrapunkt bei R. Fuchs) fort. Daneben schrieb er zahlreiche Wienerlieder, u. a. für Edi und Biedermann, L. Montag, E. Guschelbauer, W. Seidl. Es folgten Militärdienst und Waffenübungen beim Landwehrregiment Wien 1 und beim Tiroler Landesschützenregiment Innsbruck 1. 1897 Heirat mit der Soubrette Gusti Cellak († 1944), die bis 1920 G.s Lieder interpretierte. Nach verschiedenen Stationen als Kapellmeister u. a. in Düsseldorf/D, Nürnberg/D, Karlsbad kehrte er 1902 wieder nach Wien zurück, gab Musikunterricht und arbeitete als Arrangeur. Im Frühjahr 1902 gründete er mit seinem Cousin L. Uhl eine Sommer-Arena im Garten des Gasthauses Stalehner, für die er zahlreiche volkstümliche Singspiele und Operetten schrieb. Als diese nach einem Brand zerstört wurde, widmete er sich vorwiegend seinen Kompositionen und trat nur noch als Gastdirigent oder Klavierbegleiter an die Öffentlichkeit. 1914 Kriegsdienst, kam G. Ende November des Jahres als Kriegsgefangener nach Sibirien. Nach seiner Rückkehr (Ende Juli 1920) bis 1921 Zusammenarbeit mit der jungen H. Elsner als Interpretin seiner Lieder. Gründete zum Erhalt und zur Förderung des Wienerischen in den Künsten den Bund der Wiener, aus dem die Gesellschaft zur Hebung und Förderung der Wiener Volkskunst hervorging, dessen 2. Vizepräsident er wurde. Bereits 1932 trat er der NSDAP bei, 1940 schrieb er das Marschlied Flieger – deutscher Sieger! und erfuhr 1944 besondere Ehrungen anlässlich seines 70. Geburtstages. Nach Kriegsende setzte er seine Karriere dennoch ungehindert fort. G. komponierte zahlreiche Werke unterschiedlicher Genres, erlangte jedoch v. a. als Wienerliedkomponist große Popularität. Er bemühte sich in unzähligen Werken, für die er häufig auch die Texte verfasste, um eine Veredelung der Gattung. Sein op. 1000, Mei Muatterl war a Wienerin, am 14.1.1906 uraufgeführt, zählt mittlerweile zu den Klassikern des Genres.


Gedenkstätten
Ehrengrab Wiener Zentralfriedhof; Gedenktafel am Geburtshaus Neulerchenfelder Str. 73 (Wien XVI); Gedenktafel Hameaustraße 32 (Wien XIX); Gedenktafel am Sterbehaus An der Niederhaid 26 (Wien XIV); L.-G.-Weg (Wien XIX); L.-G.-Platzerl in der Keylwerthgasse (Wien XVIII); L. G.-Zimmer im Heimatmuseum Hernals (Wien XVII).
Ehrungen
Ehrenmitglied des Männergesangvereines „D’Hainbacher“ 1888; Ehrenmitglied der Gesellschaft zur Hebung und Förderung der Wiener Volkskunst 1923; Prof.-Titel 1931; Ehrenmünze der Stadt Wien 1944; Ehrenbürger von Baden bei Wien; Ehrenring der Stadt Wien 1950; Ehrenmitglied der AKM.
Werke
Operneinakter Aschermittwoch (T: A. Steinberg-Frank), Operetten (Die Marketenderin [T: L. G.]), Operetteneinakter (Die Schieberkönigin [T: Edmund Skurawy]), Märchenspiele (Der Geigenpeterl [T: E. Skurawy], Das Manderl vom Kahlenberg [T: E. Skurawy]); sinfonische Werke (Suite Spartakus ); Chor- und Kirchenkompositionen; Wienerlieder (Mei Muatterl war a Wienerin [T: L. G.], ‘s wird schöne Maderln geb’n [T: J. Hornig], Sag’n ma Du zu anand [T: F. Allmeder], I’ und der Wein, der Wein und i’ [T: L. Einöhrl], Die schönste Stadt der Welt [T: K. M. Jäger]), Couplets; Klavierstücke; Tänze und Märsche; Potpourris. – Musikalischer Nachlass Wienbibliothek.
Schriften
Gedichte; Erzählungen.
Literatur
R. H. Dietrich’s Wiener Volkskunst-Almanach 1926; E. Th. Fritz/H. Kretschmer (Hg.), Wien Musikgeschichte [1] (2011); S. Schedtler (Hg.), Wienerlied und Weana Tanz 2004; Hauenstein 1976; J. Koller, Das Wr. Volkssängertum in alter und neuer Zeit 1931; Lang 1986; Czeike 2 (1993); Personenlex. Öst. 2001; R. Holzer, Wr. Volks-Humor 1943; Stieger II/2 (1975); https://www.geschichtewiki.wien.gv. (7/2021).

Autor*innen
Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
2.7.2021
Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Gruber, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 2.7.2021, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001cfc4
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Anton Gruber (Wr. Volkskunst-Almanach, 1926, 8)
Ludwig Gruber (Wr. Volkskunst-Almanach, 1926, 17)
Ludwig Gruber (Wr. Volkskunst-Almanach, 1926, 65)

DOI
10.1553/0x0001cfc4
GND
Gruber, Anton: 1077456689
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Gruber, Ludwig: 130167975
OBV
Weiterführende Literatur

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