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Glockenguss
Der G. wird nach handwerklichen Techniken des Mittelalters praktiziert: Nach einem errechneten und in seiner Grundform in jeder Gießerei etwas unterschiedlichen Glockenprofil (Glockenrippe) wird über einem Kern aus Lehm und Ziegeln eine Schicht aus feinem Ton modelliert, die dem Innenraum der zukünftigen Glocke entspricht. Über einer Trennschicht aus Talg wird die „falsche Glocke“ aus Lehm geformt, über eine weitere Trennschicht kommt der Mantel, dessen Innenseite das Negativ der Glockenoberfläche darstellt. Nach Trocknung und Trennung von Mantel und Kern und dem Entfernen der falschen Glocke werden beide in einer Gussgrube übereinandergestellt und beim Guss mit flüssiger Glockenbronze (meist Legierung von 78 % Kupfer und 22 % Zinn) gefüllt. Nach dem Erkalten wird die Glocke aus der Form geholt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden auch Glocken aus Stahl gegossen.

Der Umfang des G.es in Österreich ist – nach einem durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bedingten Hoch in den 1950er Jahren stark zurückgegangen. Derzeit gibt es zwei österreichische Gussstandorte (Graßmayr, Innsbruck und Oberascher, Salzburg). In jüngster Zeit wurde von der Gießerei Perner (Passau) die Tradition des G.es vor Ort wieder belebt (Stift St. Florian). Mehr als 200 Glockengießer, oft in Abfolge mehrerer Generationen, sind seit dem 14. Jh. auf dem Gebiet von Österreich bekannt.


Literatur
A. Weißenbäck/J. Pfundner, Tönendes Erz 1961.

Autor*innen
Karl Dorneger
Letzte inhaltliche Änderung
25.4.2003
Empfohlene Zitierweise
Karl Dorneger, Art. „Glockenguss‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 25.4.2003, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001cf38
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.