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Engländer Engländer Ludwig: (Englander), Geschwister
Ludwig: * 1851-10-2020.10.1851 Wien, † 1914-09-1313.9.1914 New York/USA. Komponist, Dirigent. Sohn des jüdischen Kaufmanns Paul E. und dessen Frau Jeanette (Johanna), geborene Ehrmann (* 1825 Teschen [Cieszyn/PL]), erhielt seine musikalische Ausbildung bei F. von Suppè, R. Fuchs und J. Brandl. Zudem Schüler von J. Offenbach, der mit E.s Eltern bekannt war. 1880 war die Uraufführung seiner Operette Durchlaucht am Carltheater in Planung, 1881 jene der Operette Monaco am Theater an der Wien; beide Werke kamen vermutlich nicht zur Aufführung. 1882 emigrierte E., möglicherweise aus Mangel an Erfolgen, nach New York und wurde 1891 amerikanischer Staatsbürger. Zuerst war er als Dirigent am deutschsprachigen Thaliatheater in New York sowie als Arrangeur tätig, wo er zahlreiche Operetten von C. Millöcker, F. von Suppè und J. Strauß Sohn zur Aufführung brachte. Seine erste in Amerika entstandene Operette Der Prinzgemahl wurde 1883 zuerst deutschsprachig, aber noch im selben Jahr auch auf Englisch als The Prince Consort aufgeführt. Ab 1888 wurde E. Dirigent am Casino Theatre New York. Nach dem großen Erfolg seiner Revue The Passing Show (1894) widmete sich E. kaum noch dem Dirigieren, sondern fokussierte sich auf das Komponieren, mit seinen Werken errang er in den USA große Popularität und galt bald als „Strauß von Amerika“. Besonders erfolgreich wurde Engländers comic opera The Little Corporal, die über tausend Mal zur Aufführung kam. Nach der von E. dirigierten Wiener Erstaufführung 1899 am Carltheater wurde diese auch in Europa bekannt. Seine in den USA entstandenen Werke wurden als musical plays oder comic operas bezeichnet, schwanken in ihrer zeitgenössischen Gattungszuordnung aber zwischen Operette, Burleske und Opera buffa. Insgesamt komponierte er über 35 Bühnenwerke, die zwar musikalisch positiv aufgenommen, in der Auswahl der Libretti jedoch, sowohl in deutscher als auch englischer Fassung, fast durchwegs negative Kritik erfuhren. E. vereint in seinem austro-amerikanischen Kompositionsstil Wiener Melodien mit in den USA kennengelernten Rhythmusschemata, seine Musik wird in zeitgenössischen Quellen als temperamentvoll beschrieben. E. komponierte auch Lieder mit Textern wie Sydney Rosenfeld, John Cheever Goodwin oder Harry Bache Smith, verweigerte jedoch eine Anlehnung an den populären Stil der Tin Pan Alley. Tatsächlich stammten die populärsten Nummern aus seinen Werken von anderen Komponisten, so zum Beispiel komponierte John H. Flynn Sweet Annie Moore für die Musikkomödie The Casino Girl. 1910 kehrte E. nach Wien zurück, nachdem er bereits die Sommer 1908 und 1909 in Österreich verbracht hatte. Hier feierte er mit seiner Operette Vielliebchen, erstmals aufgeführt in Venedig in Wien, große Erfolge. 1913 reiste E. wegen privater Angelegenheiten nach New York zurück. Sein letztes Werk Madame Moselle (1914) wurde zu einem Misserfolg. E. war Zeit seines Lebens ledig und starb an einem Herzinfarkt. Er legte sowohl einen wichtigen Grundstein für die Etablierung der Wiener Operette in den USA als auch für die Entstehung der Gattungen Revue und Musical in den USA. Um die Jahrhundertwende zählte er zu den bedeutendsten Komponisten des Broadways.
Werke
Über 30 Bühnenwerke, darunter: The Little Corporal 1898, The Passing Show 1894, Vielliebchen 1911, Der Prinzgemahl/The Prince Consort 1883, 1776 1884, Miss Innocence 1908, Madelaine, oder Die Rose der Champagne 1888, The Man in the Moon 1899, The Rounders 1899, The Casino Girl 1900, The Strollers 1901; Lieder, Songs, Walzer, Märsche.
Literatur
NGroveD 8 (2001); MGG 6 (2001); DBEM 2003; K. Ploog, … Als die Noten laufen lernten… Bd. 1.1 (2019), 235–242; C. M. Smith/G. Litton, Musical comedy in America 1981, 77; H. B. Smith, First Nights and First Editions 1931; D. Ewen, New Complete Book of the American Musical Theater 1970; R. I. Letellier, Operetta. A Source Book 2 (2015); J. Koegel, Music in German Immigrant Theater 2009; S. Wininger (Hg.), Große jüdische National-Biographie 2 (1927); Riemann 1905; Stieger II/1 (1977); Morgen-Post 16.2.1880, 3, 5.10.1880, 3f; Wr. Allgemeine Ztg. 13.3.1881, 7; Der Floh 10.12.1899, 1f, 17.12.1899, 12; 24.11.1901, 5; 16.4.1911, 7; Jörgel Briefe 15.12.1899, 7; Signale für die musikalische Welt 1899, H. 65, 14, 1900, H. 55, 6; Die Zeit 21.11.1909, 5; Wr. Caricaturen 21.5.1911, 6; Badener Ztg. 13.9.1911, 6; Mährisches Tagbl. 11.12.1911, 4; Neues Wr. Tagbl. 8.10.1914, 12; Salzburger Volksbl. 10.10.1914, 7; Wr. Montagsbl. 19.10.1914, 3; Illustrierte Kronenztg. 21.1.1926, 11; Neues Wr. Journal 26.5.1932, 12; eigene Recherchen (Lehmann-Adressbuch; www.familysearch.org [5/2021]; onb.ac.at).


Seine Schwester

Carla (eig. Karoline; Carola, Karla; verh. Pölz, E.-Pölz): * 25.1.1864 Wien, † 6.3.1931 Wien. Sängerin (Sopran), Gesangspädagogin. Erhielt ihre Gesangsausbildung bei A. Passy-Cornet, L. Roth und J. Brandl in Wien. 1882 debütierte sie in Pressburg. 1883 folgten zunächst mit der Operettengesellschaft Robert Müllers Gastspiele in Italien, u. a. in Triest, Venedig und Bologna, im April 1883 trat sie am Theater an der Wien auf. Danach erfolgte ein Engagement ans Thalia Theatre in New York, wo sie E. Pölz kennenlernte, den sie am 7. oder 11.8.1885 in New York heiratete (Ziviltrauung; wann sie zum römisch-katholischen Glauben konvertierte, ist unklar). 1886 kehrte sie mit ihm nach Wien zurück (schon im Sommer 1884 war sie wieder kurzeitig in ihrer Heimatstadt gewesen), wo die gemeinsame Tochter zur Welt kam. Im Sommer 1887 nahm sie in (Bad) Ischl ihre Sängerkarriere wieder auf (weiterhin unter dem Namen E. und als „Fräulein“), anschließend ging das Paar neuerlich in die USA, wo E. am Thaliatheater (1887/88) bzw. 1888/89 am neuen Amberg Theatre engagiert war. 1891 kam sie zurück nach Europa, um ein Engagement in J. Ferenczys Operettentruppe am Carl-Schultze-Theater in Hamburg/D anzutreten. Mit dem Hamburger Ensemble trat sie auch in Magdeburg/D (1892/93?) sowie am Sommertheater in Karlsbad (1892–94) auf und unternahm 1893/94 bzw. 1895 Gastspielreisen nach Amerika (1895 am New Yorker Sommertheater im Terrace Garden). 1897 sang sie am Castle Square Theatre in Boston/USA, 1898 kurzzeitig in Brünn und dann in Olmütz. Letzte Engagements hatte E. 1899/1900 in Ödenburg und 1900/01 in Pressburg, Ende der 1890er Jahre dürfte sie sich von ihrem Mann getrennt haben. Ab 1901 war sie in Wien als Gesangslehrerin tätig, Ende 1903 reiste sie mit ihrer Tochter zu ihrem Bruder in die USA, wo sie noch 1905 nachweisbar ist. Spätestens ab 1911 lebte sie wiederum in Wien und war als Gesangslehrerin bis zuletzt tätig. Zu E.s typischen Rollen zählten die Christel aus C. Zellers Vogelhändler oder die Laura in C. Millöckers Bettelstudent. Obwohl stimmlich hoch gelobt, erfuhr sie in zeitgenössischen Rezensionen Kritik für ihre Rollenauswahl, die ihrem darstellerischen Typ nicht entsprochen hätte. Ihre ältere Schwester Charlotte (1852–57) starb im Kleinkindalter, die jüngere Schwester Rosa (* 1866, † nach 1900) emigrierte 1884 zu ihrem Bruder nach Amerika.


Literatur
K. Ploog, … Als die Noten laufen lernten… Bd. 1.1 (2019), 236; U. S. Schneider in Mitt.en aus dem Brenner-Archiv Nr. 30 (2011); O. Flüggen, Biographisches Bühnen-Lexikon der dt. Theater 1892; J. Koegel, Music in German Immigrant Theater 2009; Der Humorist 1.5.1892, 2, 20.7.1893, 1f, 1.12.1893, 3, 10.5.1894, 3; Neues Wr. Tagbl. 16.11.1893, 7; Wr. Theater-Ztg. 10.5.1892, 2, 20.6.1895, 2; Der Floh 24.11.1901, 5; Mährisches Tagbl. 14.10.1898, 4, 18.10.1898, 4; Prager Abendbl. 8.4.1896, 3, 11.4.1896, 2; Wr. Allgemeine Ztg. 25.3.1883, 7, 26.4.1883, Mittagbl., 3, 28.4.1883, 5, 19.8.1885, 14, 2.8.1887, 6; Die Lyra 15.9.1902, 4; Neues Wr. Journal 24.9.1916, 7; Neues Wr. Tagbl. 8.6.1884, 6, 25.11.1911, 13, 13.1.1918, 42; Geburtsbuch der IKG Wien 1858–64, RZ 4658; Taufbuch 1886 der Pfarre St. Leopold (Wien II), fol. 215; Sterbebuch 1922–39 der Pfarre Mariahilf (Wien VI), fol. 100; eigene Recherchen (Dt. Bühnen-Jb.er und -Almanache 1883–1902; Lehmann Adressbuch; www.familysearch.org [5/2021]).

Autor*innen
Francesca-Maria Raffler
Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
3.2.2022
Empfohlene Zitierweise
Francesca-Maria Raffler/Christian Fastl, Art. „Engländer (Englander), Geschwister“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 3.2.2022, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003cdd8e
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Ludwig Engländer (Der Floh 10.12.1899, [1])© ANNO/ÖNB
Carla Engländer (Der Humorist 20.7.1893, [1])© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x003cdd8e
GND
Engländer Ludwig: 1037446976
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Engländer Carla: 1245889281
OBV
Weiterführende Literatur

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