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Dudelsack
Blasinstrument (Aërophon). Zusammengesetzt aus mehreren klingenden Pfeifen mit Einfach- oder Doppelrohrblättern, die durch die Luft aus einem Sack, den der Spieler unter den Arm klemmt, zum Klingen gebracht werden. Der Sack wird mit Luft versorgt, indem ihm der Spieler direkt durch ein Blasrohr oder indirekt durch einen Blasbalg Luft zuführt. Eine oder mehrere Pfeifen sind meist Bordunpfeifen, „Brummer“ genannt (Bordun). Die Bezeichnungen des einst in ganz Europa und darüber hinaus verbreiteten Instruments variieren; es erscheint sinnvoll, für die Darstellung der Situation in Österreich D. als Oberbegriff zu verwenden und die beiden historischen Haupttypen mit „Sackpfeife“ und „Bock“ zu bezeichnen. In Österreich dürfte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Sackpfeife (mit einer konischen Oboen-Spielpfeife und meist zwei Brummern) der am häufigsten gespielte D.typus gewesen sein, der jedoch spätestens in der 2. Hälfte des 17. Jh.s vom polnischen bzw. böhmischen Bock verdrängt wurde. Die frühesten Abbildungen der Sackpfeife im Ostalpenraum stammen aus dem 15. Jh.; etwa um 1800 dürfte dieser Typus außer Gebrauch gekommen sein. Der später übernommene westslawische Bock hat demgegenüber eine – in einer als Ziegenkopf gestalteten Tülle steckende – zylindrische Klarinetten-Spielpfeife mit einem aus Tierhorn gefertigten Schallbecher sowie einen in gleicher Weise ausgeführten Brummer, dessen Rohr einen Knick aufweist und über die Schulter nach hinten gehängt wird. Instrumente dieser Art sind in der Steiermark und in Oberösterreich noch erhalten und erlauben den Vergleich mit der teilweise in ungebrochener Überlieferung fortlebenden Spielpraxis im westslawischen Raum. Vieles spricht dafür, dass die Verzierungstechnik des Reperkussierens (wiederholtes schnelles Anspielen der Unterquart zwischen den einzelnen Melodietönen), die bei der geschlossenen Griffweise des Bocks naheliegt, wesentlich zur Ausbildung süddeutsch-alpenländischer Ländlermelodik beigetragen hat. Das „Dudeln“ genannte Jodeln in Wien dürfte ebenfalls wesentliche Anregungen aus der Spielpraxis des Bocks gewonnen haben. In der Kunstmusik wurde der D. seit dem 18. Jh. gelegentlich verwendet, um ländliches Flair auszudrücken (z. B. in der Bauernhochzeit von L. Mozart 1755); heute wird das Instrument im Folk-Revival auch in Österreich wieder gespielt.
Literatur
K. M. Klier, Volkstümliche Musikinstrumente in den Alpen 1956; W. Senn in JbÖVw 11(1962); A. Paulus, D. und Drehleier in Österreich und ihre Verwendung in der Kunstmusik, Dipl.arb. Wien 1999; S. Pichler, Wer tanzt nach meiner Pfeife? [o. J.].
Autor*innen
Gerlinde Haid †
Letzte inhaltliche Änderung
22.3.2022
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †, Art. „Dudelsack‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 22.3.2022, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001cc14
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Josef Riedl, Musizierender Knabe (1923). Gemeindebau ‚Fuchsenfeldhof‘ (Hof III), Zugang Karl-Löwe-Gasse 17–19, 1120 Wien© Björn R. Tammen
© Björn R. Tammen
Theodor Igler, Sackpfeifer (Lieber Augustin?), Natursteinplastik (1953/54). Gemeindebau Erlachgasse 53–57, 1100 Wien© Björn R. Tammen
© Björn R. Tammen

DOI
10.1553/0x0001cc14
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