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Xylophon
Instrument (Spiel) aus abgestimmten hölzernen (griech. ξύλον = Holz) Klangstäben, die durch eben solche Schlägel zum Klingen gebracht werden; es ist außer in Europa in Afrika, Lateinamerika und Südostasien bekannt. In Europa war es vor seinem Einsatz im Orchester als Teil des erweiterten Schlagzeuges (Schlaginstrumente) seit dem 19. Jh. (u. a. bei G. Mahler, R. Strauss oder A. Schönberg) ein Volksmusikinstrument, das im deutschen Sprachraum auf Grund der Anordnung der Klangstäbe auf Strohwülsten auch „Strohfiedel“ (schon bei Martin Agricola 1529) oder – wegen des auffallenden trockenen Klanges – „Hülzers Glachter“ (= Hölzernes Gelächter; schon bei Sebastian Virdung 1511) genannt wird. Von K. Franz II. von Österreich wird berichtet, dass er die „Holzfiedel“ gespielt habe. Auch der Ausdruck „Holz- und Strohinstrument“ war üblich; F. v. Suppè hat eine Polka Holz und Stroh mit X.-Solo komponiert. In Österreich erfreute sich das Instrument besonders bei den reisenden Sängergesellschaften im 19. Jh. großer Beliebtheit, wo es bei flotten Stücken virtuos eingesetzt wurde. We. Müller hat das Instrument in seiner Oper Die Schwestern von Prag1794 auf die Bühne gebracht. Aufsehen erregte der reisende Virtuose Michael Joseph Guzikow (1806–37), ein polnischer Jude, der auf einer „Holz- und Strohharmonika eigener Herstellung“ eine fast dämonische Fertigkeit entwickelte und sich im Sommer 1836 auch zwölfmal in Wien im ausverkauften Theater in der Josefstadt sowie vor C. W. L. Fürst Metternich produzierte. Heute (2021) wird das Instrument außer im Orchester nach wie vor in Volksmusikgruppen, in der Klezmer-Musik und häufig in der musikalischen Früherziehung (s. Abb.), als Bestandteil des Orff-Schulwerkes, verwendet. Bei ihrem Werbespot „Holz ist genial“ warb die Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzwirtschaft 2005 mit X.-Klängen für ihre Produkte.
Literatur
NGroveDMI 3 (1984); K. M. Klier, Volkstümliche Musikinstrumente in den Alpen 1956; M. G. Saphir in Allgemeine Theaterzeitung 1835; www.rainlore.demon.co.uk/Guzikow/GuzikowArchs.html (6/2006); www.proholz.at (6/2006).
Autor*innen
Gerlinde Haid †
Letzte inhaltliche Änderung
22.3.2022
Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid †, Art. „Xylophon‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 22.3.2022, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e75b
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Heinrich A. Deutsch, Musikinstrumente, Mosaiksupraporte (1953/54), Detail. Gemeindebau Czartoryskigasse 62–68, Stiege 17, 1180 Wien© Björn R. Tammen
© Björn R. Tammen
Hilde Schimpp, Spielende Kinder, Majolikareliefs und Kacheln (1951/52, zerstört). Gemeindebau Kapaunplatz 7, Stiege 24, 1220 Wien. Xylophon (o.r.) als Signum der musikalischen Früherziehung.© Archiv der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7)
© Archiv der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7)

DOI
10.1553/0x0001e75b
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