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Rothschild, Rothschild, true Nathaniel Mayer Anselm Freiherr von
* 1836-10-2626.10.1836 Wien, † 1905-06-1313.6.1905 Wien. Sammler, Bankier, Mäzen. R. führte ab 1874 gemeinsam mit seinem Bruder formell die Geschäfte der Wiener Niederlassung des Bankhauses R. Er interessierte sich jedoch wenig für das Bankgeschäft und betätigte sich v. a. als Sammler, Orchideenzüchter, Reiseschriftsteller und Amateurphotograph. Für die Musik von Interesse ist seine Kammerkapelle, ein kleines Hausorchester im Stil der alten Adelskapellen. Sie wurde spätestens Anfang 1881 gegründet und umfasste sieben bis acht Musiker (Kapellmeister/Klavier, Flöte, Klarinette, Harmonium [erst ab 1883?], zwei Violinen, Viola, Violoncello), die einheitlich im Frack aufzutreten hatten. Die Instrumente stellte R. bei (u. a. Geigen von Amati, Guarneri und Stradivari). Die Kapelle trat ab 1882 auch öffentlich in Erscheinung (z. B. 1882 im Wiener Musikverein, 1885 gemeinsam mit A. Girardi in der Rotunde im Prater (Wien II), 1887 in Reichenau an der Rax/NÖ [Kur und Sommerfrische]; auch in Paris und London), später nur mehr bei hausinternen Feierlichkeiten in Konzerten, jedoch nicht zur Tafelmusik herangezogen. Die Programme erstellte R. gemeinsam mit dem Kapellmeister, geboten wurde Salonmusik im besten Sinn (u. a. Arrangements von bekannten Opernstücken, aber auch von Sätzen aus Symphonien von L. v. Beethoven). Die meisten Auftritte fanden im Herbst auf dem Jagdschloss R.s in Schillersdorf (Šilheřovice/CZ) statt, Konzerte im Wiener Palais waren seltener. Als Musiker engagierte R. nur Absolventen des Konservatoriums der GdM. Belegt sind bislang (2019) W. Rab (bis 1889 Kpm. und Klavier), J. Brandl (Kpm. ab 1889), Anton Schwerdtner (Kpm.?), R. Dittrich (Harmonium), C. Führich (Harmonium), Emil Smejkal (Violine, † 1902 Wien), ein gewisser Glüherr (Violine), F. Steiner (Klarinette). Die Kapelle wurde mit Ende 1903 aufgelöst, die Musiker bezogen jedoch ab 1.1.1904 eine lebenslängliche Pension.
Literatur
ÖBL 9 (1988); Allgemeine Sport-Ztg. 10.2.1881, 67, 24.2.1881, 87; Wr. Salonbl. 13.3.1881, 4, 8.11.1891, 5; NFP 8.4.1882, 6; Wr. Abendpost 26.5.1882, 3; Wr. allgemeine Ztg. 26.5.1882, 6; Neuigkeits Welt-Bl. 4.6.1882, 3, 22.10.1882, 4, 25.11.1884, 7, 31.8.1887, 3, 16.3.1889, 3, 25.10.1892, 4; Signale f. die musikalische Welt 40 (1882), 628; Die Bombe 5.10.1884, 334; Neues Wr. Tagbl. 26.5.1885, 2, 24.9.1888, 3, 15.3.1889, 6, 13.6.1905, 6f, 13.7.1924, 4; Das interessante Bl. 15.4.1886, 6, 4.6.1891, 13; Die Presse 23.10.1892, 14; Illustrirtes Wr. Extrabl. 4.6.1902, Abend-Ausg., 3; Fremden-Bl. 10.6.1913, 17; Neues Wr. Journal 25.1.1928, 14; Wr. Ztg. 29.12.1935, Sonntagsbeilage, 2; eigene Recherchen (Wienbibliothek, Nachlass C. Führich).
Autor*innen
Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
17.7.2019
Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Rothschild, Nathaniel Mayer Anselm Freiherr von‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 17.7.2019, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0036a8f3
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Karikatur aus Die Bombe 5.10.1884, 1 (von links nach rechts: Wilhelm Rab, N. v. Rothschild, Louis Lackenbacher)© ANNO/ÖNB

DOI
10.1553/0x0036a8f3
GND
Rothschild, Nathaniel Mayer Anselm Freiherr von: 12244826X
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