Logo IKM
OeML Schriftzug
Logo OeML
Logo Verlag

Reichs-Bruckner-Orchester
Im Auftrag Adolf Hitlers aus Musikern des Städtischen Symphonieorchesters Linz und verschiedener Rundfunkorchester aus dem Deutschen Reich (z. T. zwangsweise abkommandiert) 1942 in St. Florian gegründet, besonders zur Pflege von „A. Bruckners Lebenswerk“. Das rund 120 Mitglieder umfassende R. sollte, qualitätsmäßig den Berliner und Wiener Philharmonikern vergleichbar, nach dem Zweiten Weltkrieg den Grundstock eines eigenen großdeutschen Senders für „ernste Musik“ bilden: für das Musikwerk Weltrundfunk mit Sitz in St. Florian. Das nach Hitlers Wünschen (u. a. auch als Aufbewahrungsort von Kunstschätzen) umzubauende Augustiner-Chorherrenstift St. Florian, die neu zu gründenden Institutionen Bruckner-Orchester und Bruckner-Chor sollten das Musikwerk des Großdeutschen Rundfunks bilden. Der Reichsintendant des Großdeutschen Rundfunks, Heinrich Glasmeier, war die Zentralfigur für die Umsetzung der Pläne. Das Stift war bereits 1940 beschlagnahmt und zu Gunsten des Reichsgaus Oberdonau enteignet, jedoch wegen seiner kulturhistorischen Bedeutung nicht wie andere Klöster aufgehoben worden, die Chorherren hatten das Stift allerdings 1941 verlassen müssen. Unter dem Namen Bruckner-Stift St. Florian wurde es von Hitler in seinen umfangreichen Plan für Linz, die zukünftige Kulturhauptstadt des Großdeutschen Reiches, aufgenommen und sogar als Aufführungsort für jährlich abzuhaltende Brucknerfestspiele (nach Bayreuther Vorbild) vorgesehen.

Zunächst Bruckner-Orchester St. Florian des Großdeutschen Rundfunks genannt und unter diesem Namen nach einer Einspiel- und Probezeit erfolgreich ab April 1943 aufgetreten, setzte sich ab Mai 1944 die Bezeichnung Linzer R. durch. Gespielt wurde v. a. in St. Florian, Linz und Wien bis zum 14.3.1945. Rundfunkaufnahmen des R.s fanden in Wien, Salzburg und Linz statt (z. T. auf CD wieder veröffentlicht), Sendungen gab es bis zum 1.4.1945. Künstlerischer Leiter war G. L. Jochum, als Gastdirigenten waren W. Furtwängler, der auch als Leiter im Gespräch gewesen war, H. v. Karajan, K. Böhm, H. Knappertsbusch, O. Kabasta, C. Schuricht und Joseph Keilberth verpflichtet. Die nach dem Zweiten Weltkrieg geplante Zusammenführung der Musiker in ein neues Bruckner-Orchester in Bad Pyrmont/D scheiterte (Bruckner Orchester Linz).


Literatur
H. Kreczi, Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs-Bruckner-Orchester (1942–45), 1986; J. Großruck, Vermögensentzug und Restitution betreffend die oberösterr. Stifte mit den inkorporierten Pfarren 2004.

Autor(en)
Uwe Harten
Empfohlene Zitierweise
Uwe Harten, Art. „Reichs-Bruckner-Orchester‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]