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Kiesewetter, Kiesewetter, Raphael Georg Familie
Raphael Georg (seit 1843 Edler von Wiesenbrunn): * 1773 -08-2929.8.1773 Holleschau/Mähren (Holešov/CZ), † 1850 -01-011.1.1850 Baden bei Wien/NÖ. Musikforscher, Beamter. Studierte in Olmütz Philosophie und 1792–94 in Wien Jus (ohne Abschluss), arbeitete 1794–1801 als Beamter in der Kriegskanzlei der Reichsarmee in Schwetzingen/Baden-Württemberg/D; ab 1801 Beamter im Hofkriegsrat in Wien, 1845 Ruhestand; ab 1848 in Baden bei Wien. K. hatte seit seiner Jugend vielfältigen Instrumental- und Gesangsunterricht und war 1803 Generalbassschüler von J. G. Albrechtsberger; wirkte schon während seiner Studienzeit als Bassist bei Wohltätigkeitsveranstaltungen (u. a. mit J. M. Vogl und L. v. Beethoven) und Hauskonzerten mit; dirigierte 1816 auch ein Gesellschaftskonzert der Gesellschaft der Musikfreunde, wo er leitende Funktionen ausübte; veranstaltete 1816–42 in seinem Haus, wie vor ihm G. v. Swieten, regelmäßig historische Hauskonzerte, die von F. X. Gebauer, J. H. Voříšek, A. Fröhlich und J. B. Jenger geleitet wurden und in denen Vokalmusik vom 16. bis 18. Jh. aufgeführt wurden. Als Vorbild dienten ihm dafür die Academy of Ancient Music in London sowie die Singakademie in Berlin. Zu diesem Zweck sammelte er Autographen und legte eine umfangreiche Sammlung von Partituren alter Musik an (heute A-Wn), die später seinem Neffen A. W. Ambros als Grundlage für Forschungen diente. Seinen eigenen Plan, nach den Versuchen von J. Sonnleithner und J. N. Forkel, „eine Geschichte der Musik, von der Entstehung der harmonischen oder kontrapunktischen Kunst bis auf die neuere Zeit, in Denkmälern herzustellen“, konnte er nicht realisieren. Neben Sonnleither, I. v. Mosel, F. S. Kandler und A. Schmid gehört er zu den Pionieren der Musikforschung in Wien. Seine Arbeit Die Verdienste der Niederländer um die Tonkunst wurde gemeinsam mit jener von François-Joseph Fétis von der niederländischen Akad. preisgekrönt. Sein Hauptwerk ist die Geschichte der europäisch-abendländischen oder unsrer heutigen Musik mit ihrer typisch aufklärerischen, evolutionistischen Geschichtsauffassung. Bis zum Ende des Jh.s blieb seine Arbeit Die Musik der Araber, die mit Hilfe des Orientalisten Joseph Freiherr v. Hammer-Purgstall (1774–1856) und K.s Schwiegersohn Anton v. Prokesch-Osten (1795–1876) entstand, unerreicht. Er machte das Quellenstudium zur notwendigen Voraussetzung musikhistorischer Arbeit und sein Einsatz für die Alte Musik macht ihn neben Giuseppe Baini, Anton Friedrich Justus Thibaut und Carl v. Winterfeld zu einem Wegbereiter des Cäcilianismus. Er war mit F. S. Kandler, der als Militärbeamter in Italien u. a. K.s Sammlung erweiterte und dessen Übersetzung der Palestrina-Biographie von Baini K. nach Kandlers Tod herausgab, A. Fuchs, A. Gyrowetz und Fr. Schubert befreundet und hat Beethoven zum Studium von Oratorien G. F. Händels angeregt.
Gedenkstätten
K.gasse u. K.park (Wien X).
Ehrungen
u. a. Ehrenmitglied des Musikvereins für Steiermark 1824, des Musikvereins für Kärnten, von Pest, Buda und Pressburg, niederländischer Institutionen, der Congregazione ed Accademia di S Cecilia in Rom 1840, der Akademie der Künste in Berlin 1843 und der GdM 1843; Hofrat 1845; k. M. der kaiserlichen Akad. der Wissenschaften in Wien 1849.
Schriften
Gesch. der europäisch-abendländischen oder unsrer heutigen Musik 1834, 21846, englisch 1848; Ueber die Musik der neueren Griechen nebst freien Gedanken über altaegyptische und altgriechische Musik 1838; Guido von Arezzo. Sein Leben und Wirken 1840; Schicksale und Beschaffenheit des weltlichen Gesanges vom frühen Mittelalter bis zur Erfindung des dramatischen Styles und den Anfängen der Oper 1841; Die Musik der Araber 1842; (Hg.), Der neuen Aristoxener zerstreute Aufsätze über das Irrige der musikalischen Arithmetik und das Eitle ihrer Temperaturrechnungen 1846; Catalog der Sammlung alter Musik des k.k. Hofrathes R. G. K. Edlen von Wiesenbrunn in Wien 1847; Gallerie der alten Contrapunctisten. Eine Auswahl aus ihren Werken in verständlichen Partituren 1847; Über die Octave des Pythagoras 1848; zahlreiche Aufsätze in der Allgemeinen musikalischen Zeitung, der Wiener musikalischen Zeitung und der Cäcilia.


Seine Kinder Irene (verh. Prokesch-Osten): * 27.3.1811 Wien, † 7.7.1872 Graz. Pianistin. Musizierte öfter mit Fr. Schubert, der ihr Klavierspiel schätzte und für sie zwei Werke schrieb (Der Tanz D 826 für 4 gemischte Stimmen und Klavier, Kantate Al par del ruscelletto D 936 für sechs gemischte Stimmen und Klavier).

Karl: * 1801 Wien, † 1854 Mailand. Hofkammerrat. Gehörte um 1824 zum Freundeskreis um Fr. Schubert.


Literatur
MGG 7 (1958); NGroveD 13 (2001); LdM 2000; ÖBL 3 (1965); SchubertL 1997; MGÖ 2–3 (1995); H. Kier in KmJb 52 (1968); H. Kier, R. G. K., 1773–1850, Wegbereiter des musikalischen Historismus 1968; H. Kier in W. Wiora (Hg.), Die Ausbreitung des Historismus über die Musik 1969.

Autor(en)
Barbara Boisits
Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Kiesewetter, Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]