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Interessenvertretungen
Organisationen jedweder Art und Rechtsform im Interesse der Musik in Österreich dürfte es an die Hundert geben. I. im eigentlichen Sinn existieren deutlich weniger, sie sind mehrheitlich regional ausgerichtet, konzentriert auf Bundesländer, „Viertel“ und Städte. Generell stehen konkret meist Verbreitung und Vermittlung im Zentrum, darüber hinaus Publikation, Dokumentation und Archivarbeit. Eine geeinte Kraft und strukturierte Vertretung gegenüber der Kulturpolitik ist noch nicht genügend ausgebildet, mit der sog. Präsidentenkonferenz Musik aber (2002) einmal mehr in Aussicht genommen.

Die große Anzahl der Vertretungen ergibt sich aus den vielen Spezialisierungen: „Arbeitsgemeinschaften“ für Komponisten einzelner Städte, „IGs“ und „Verbände“ bestimmter Musikrichtungen (z. B. Jazz, evangelische Kirchenmusik), eine „Association“ nur für Streicher. Für jedes Bundesland existieren Blasmusikverbände, Sängerbünde und Volksliedwerke. Neben Instrumenten- haben auch Berufsgruppen ihre eigene Vertretung, etwa MusikerzieherInnen (Arbeitsgemeinschaft der Musikerzieher Österreichs) oder Konzertlokalbesitzer. Letztere sind eigentlich Arbeitgeber, daher in einem Verband vertreten und Mitglied der Wirtschaftskammer. Die häufigste Organisationsform der I. ist der gemeinnützige Verein. Für Kunstschaffende (als Selbständige oder Arbeitnehmer) existiert zudem die Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe.

Bisweilen sehr engagiert für Musikschaffende und aktuelle Musik agieren Musikvermittler und Veranstalter für zeitgenössische Musik, ebenso kleinere oder größere Ensembles. Aber hier endet der Bereich jener Organisationen, die noch der I. zuzurechnen sind.

Dieser Artikel widmet sich ausschließlich bundesweiten I. im engeren Sinn – mit Ausnahme der Verwertungsgesellschaften – ohne Einschränkung auf eine Sparte oder einen Musikstil, und dies zunächst in einer groben historischen Reihung.

Österreichischer Komponistenbund (ÖKB): Gründungsmotivation 1913 war das Bedürfnis nach mehr persönlichem Kontakt unter den Komponisten, nachdem bereits seit 1897 die AKM als Verwertungsgesellschaft der Urheber und Musikverleger die wirtschaftlichen Interessen zu vertreten hatte. Die (auch personelle) Verbindung des damaligen „Clubs“ ÖKB zur AKM ist aber immer eng geblieben. Der heutige Verein gilt als älteste Standesvertretung und versteht sich als Dachorganisation aller Komponistinnen und Komponisten in Österreich. Daher sind auch schon 1927 zwei Sektionen für ernste bzw. „heitere“ Musik, die heutigen Arbeitskreise für E- und U-Musik gegründet worden. Der ÖKB sieht seine Aufgabe in der Wahrnehmung aller beruflichen Interessen seiner Mitglieder und der österreichischen Komponistenschaft im Allgemeinen: Verbreitung der Werke österreichischer Komponisten; Vertretung und Förderung der österreichischen Komponisten national und international; Verbreitung von Informationen über das österreichische Musikschaffen; Information und Beratung in rechtlichen und sozialen Belangen; Maßnahmen zur finanziellen Absicherung; Präsentation, Produktion (Werkaufträge) und Dokumentation; Herstellung von Musikmaterialien; Medienproduktionen (Dokumentationsreihe mit über 80 LPs/CDs); Konzentrierung aller musikorganisatorischen Kräfte; Musikausbildung von Früherziehung bis Konservatorium und Universitäten.

Präsident: D. Kaufmann, Generalsekretär: R. Bonelli, Büro: 1030 Wien, Ungargasse 9, www.komponistenbund.at.

Internationale Gesellschaft für neue Musik (IGNM): Es war die Initiative junger Komponisten (A. Schönberg, A. Webern, Alban Berg, E. Wellesz, A. v. Zemlinsky u. a.), „eine internationale Organisation jener zeitgenössischen Komponisten aller Länder zu errichten, die, in ihrem Stil revolutionär, ja rebellisch, ‚modern‘ genannt wurden.“ Konkreter Auslöser im Sommer 1922 war die Störung einer Webern-Aufführung in Salzburg und deren handgreifliche Verteidigung durch Adolf Loos. Schon in der Gründungsmotivation, gegen die konservativen Wiener Kreise um J. Marx und J. Korngold zu agieren, bildet sich hier der Vereinszweck ab: Förderung Neuer Musik ohne Rücksicht auf ästhetische Anschauungen sowie Nationalität, freilich auch Rasse, Religion oder politischer Einstellung; Internationale Verbreitung und Austausch von Werken auf jede künstlerisch, technisch, finanziell und verwaltungsmäßig mögliche Weise (Distribution); Förderung bzw. Aufführung durch kulturelle Medien, Musikverlage, Veranstalter (Produktion).

Insgesamt 51 Ländersektionen vertreten heute ca. 4500 Komponistinnen und Komponisten aus allen Kontinenten, die Sektion Österreich hat zur Zeit (2002) knapp 200 Mitglieder. Die IGNM organisiert zahlreiche Konzerte, einmal jährlich finden internationale World Music Days statt.

Präsident: W. Liebhart, Generalsekretärin: Maria Skodak, Büro: 1030 Wien, Ungargasse 9.

Österreichischer Musikrat (ÖMR): Die Gründungsversammlung des ÖMR ist 1956 von der UNESCO-Kommission einberufen worden. Der ÖMR ist Mitglied des Internationalen (IMR) sowie des Europäischen Musikrats (EMR), beide ebenfalls von der UNESCO ins Leben gerufen. Gründungs- und Vorstandsmitglieder zum Vereinseintrag 1959 waren in Österreich u. a. G. v. Einem, H. v. Karajan, F. Gulda sowie Vertreter von Musikakademien (Hochschule für Musik und darstellende Kunst), Univ.n und Landesmusikdirektoren. Der ÖMR ist seiner Gründungsidee nach der österreichische Dachverband aller Musikschaffenden und ihrer I. Mitglieder können daher gleichermaßen Personen („Einzelmitglieder“) und Organisationen sein. Vereinszweck ist die Vertretung der Aufgaben und Ziele des Internationalen Musikrates im Bereich des österreichischen Bundesgebietes und die Vertretung der Interessen des österreichischen Musiklebens bei den Zentralstellen der UNESCO in Paris. Dazu gehören: Erleichterung des internationalen Austausches von Musikwerken, Musikwissenschaft und Information, sowie von Musikern; Beratung und Beistand gegenüber Bund, Bundesländern und Körperschaften; Werbung für entsprechende Gestaltung der Lehrpläne; Förderung des allgemeinen Verständnisses für Musik, besonders bei der Jugend; Unterstützung zeitgenössischer Komponisten und ihrer Verbände bei der Verbreitung der Werke; Förderung ausübender Musiker.

Präsident: Harald Ossberger, Generalsekretär: Günther Wildner, Büro: 1070 Wien, Stiftgasse 29, www.oemr.at.

Musiker-Komponisten-Autorengilde (MKAG): Die Schwache soziale bzw. Einkommenslage hat 1989 25 Studio- und Konzertmusiker bewogen, diese (Selbsthilfe-)Organisation ausübender MusikerInnen zu gründen. Die Musikergilde versteht sich als parteipolitisch unabhängige Organisation aktiver Musikerinnen und Musiker und die größte I. für freiberuflich Musikschaffende in Österreich. Etwa 1.700 Mitglieder aus allen Musiksparten nutzen folgende Serviceangebote: kostenlose Beratung in Rechts-, Steuer- und Sozialversicherungsfragen (Vertragsüberprüfung, abgesagte Konzerte, Gagenprobleme, AKM usw.); Übernahme der Gerichtskosten im Streitfall (auf Vorstandsbeschluss); Musterverträge und -Honorarnoten für Konzerte und Studioarbeit; Gratis-Homepage für jedes Mitglied mit online hörbaren Musikbeispielen; Konzerttermine zum selbst Eintragen und Ankündigen (werden an die Presse weitergeleitet); MusikerInnen-Datenbank für Studios und Produzenten; Zeitschrift Coda mit aktuellen, unzensierten Informationen; Soforthilfe in sozialen Notfällen.

Präsident: Peter Paul Skrepek, Büro: 1050 Wien, Gartengasse 22, www.musikergilde.at.

Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB, KMfB): Der Österreichischen Gewerkschaftsbund ist bereits 1945 gegründet worden. Seiner Intention nach zunächst auf die unselbstständig Erwerbstätigen ausgerichtet, hat die KMSfB in den letzten Jahren auch die Interessen der selbständigen Kunstschaffenden vertreten. Als Mitglied des ÖGB ist die KMSfB die berufliche I. der künstlerisch, journalistisch, programmgestaltend, technisch, kaufmännisch, administrativ, pädagogisch unselbstständig oder freiberuflich Tätigen und Schaffenden in den Bereichen Kunst, Medien, Erziehung, Bildung und Sport. Sie will jene Organisation im ÖGB sein, die sich neben Wirtschafts-, Steuer-, Arbeits- und Sozialfragen richtungsweisend mit Kultur- und Medienpolitik befasst: Medien-, Urheber- und Leistungsschutzgesetzgebung; Wirtschafts- und Steuergesetzgebung; Arbeits- und Sozialgesetzgebung; Rechtsberatung und Rechtsschutz für Mitglieder.

Vorsitzender: Franz Becke, Zentralsekretär: Thomas Linzbauer, Sektion Musik: P. P. Skrepek, Büro: 1090 Wien, Maria-Theresien-Straße 11, www.kmsfb.at.

Musikinformationszentrum Österreich (Music information center Austria, MICA): Im Auftrag der Republik Österreich wurde 1994 das mica zur Vermittlung von Information, Praxiswissen und Impulsen für alle Akteure des zeitgenössischen Musiklebens gegründet. Als Informationszentrum auch gegenüber dem Ausland ist der gemeinnützige Verein Mitglied der International Association of Music Information Centres (IAMIC), dem Dachverband von derzeit weltweit 42 Musikinformationszentren. Das mica ist damit keine I. im eigentlichen Sinn, allerdings eine wichtige Schnittstelle. Es baut Verbindungen zwischen Musikschaffenden, Multiplikatoren und Musikinteressierten auf, nimmt seine Aufgaben aber neutral und unabhängig wahr. Die Äquidistanz zu bestehenden I. für KünstlerInnen und Kulturschaffende sowie zu Musikwirtschaft und Kulturveranstaltern gilt als grundlegendes Prinzip. In seinen Aufgaben ist das mica der Vielfalt des innovativen, zeitgenössischen Musikschaffens verpflichtet. Die Leistungen des mica stehen derzeit (2002) allen Interessierten kostenlos zur Verfügung: Information zu heutigem Musikschaffen aus Österreich; Kommunikationsplattform und Austausch von Interessen, Ideen und Erfahrungswerten; Aufmerksamkeit für die Musik der Gegenwart, Verbesserung der Aufführungs- und Auftragslage von Musikschaffenden; Service bei berufspraktischen, ökonomischen, rechtlichen, gesellschaftlichen und technologischen Fragestellungen; Themensetzung an den Schnittstellen von Technologie, Ökonomie, Recht und Musik.

Präsident: Christian Scheib, Direktor: Peter Rantasa, Büro: 1070 Wien, Stiftgasse 29, www.mica.at.

Österreichische Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (ÖGZM): Bereits 1949 haben sich zur Gründung dieser reinen Veranstaltungsgesellschaft 104 Personen im Kammersaal des Wiener Musikvereins versammelt. Als Zielsetzung gilt, Komponisten, ausübende Musiker, Musikwissenschafter, Kritiker und Musikfreunde zusammenzuführen: Anregung zur Schaffung von Werken; Aufführung solcher Werke in von der ÖGZM veranstalteten Konzerten; Musikalische Erziehung breiter Massen durch Konzerte, Vorträge etc.


Literatur
div. Informationsmaterial.

Autor*innen
Markus Lidauer
Letzte inhaltliche Änderung
25.4.2003
Empfohlene Zitierweise
Markus Lidauer, Art. „Interessenvertretungen‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 25.4.2003, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d2a0
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