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Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM, engl.: ISCM, frz.: SIMC)
Organisation zur Förderung zeitgenössischer, avantgardistischer Musik; am 11.8.1922 in Salzburg (Café Bazar) gegründet von den Österreichern R. Réti und E. Wellesz. Sie planten, eine „Organisation jener zeitgenössischen Komponisten aller Länder zu errichten, die in ihrem Stil revolutionär, ja rebellisch ‚modern‘“ (Réti) zu benennen waren. Dies geschah, „um die Gemeinschaft der jungen Komponisten den Wiener Quertreibereien zu entrücken“ (P. Stefan). Denn der konservative Kreis um J. Marx und J. Korngold machte es jungen Komponisten schwer, in Wien aufgeführt zu werden. Dem Gründungskomitee gehörten an H. v. Kralik, der Musikkritiker Hugo Reitler, H. Damisch, P. Stefan, E. Hertzka und H. Heller. Vermutlich wirkten die ersten Donaueschinger Kammermusiktage (1921) anregend, mehr noch A. Schönbergs Verein für musikalische Privataufführungen in Wien (1918–21).

Von Anfang an war und blieb in der IGNM die Idee internationaler Begegnungen mit neuer Musik einschließlich der Offenheit gegenüber ästhetischer und stilistischer Vielfalt verankert. Der Begriff „neue Musik“ ist hier im Sinne des deutschen Musikschriftstellers Paul Bekker zu verstehen, der ihn 1919 mit „modern“ und „jung“ definierte, eingedenk der Außerkraftsetzung von Tonalität und normierten Formen sowie der Emanzipation von Rhythmus und Klangfarbe.

Unmittelbar vor der Vereinsgründung (7.–11.8.1922) hatten in Salzburg die ersten internationalen Kammermusikaufführungen stattgefunden, als Dokumentation jüngst entstandener Werke im Fluss der Entwicklung. In der konstituierenden Sitzung schlug der Repräsentant der USA, César Searchinger, vor, solche Kammermusiktage als kontinuierliche und international verbindende Veranstaltung für zeitgenössische Komponisten statutengemäß zu verankern. Damit begannen die Weltmusikfeste der IGNM, nun Weltmusiktage genannt, alljährlich von jeweils einem anderen Mitgliedsland veranstaltet. 2002 gehörten 48 Ländersektionen der IGNM an, der ein internationales Präsidium vorsteht. Erster, noch in Salzburg gewählter Präsident war Edward Dent (1876–1926). Bis 2002 wurden 74 offizielle Weltmusiktage durchgeführt. Sie sind ein selektiv ausgerichteter Spiegel des aktuellen Komponierens in den Mitgliedsländern.

Die IGNM hatte bald unter den wachsenden nationalistischen Tendenzen und unter völkischem Gedankengut zu leiden, überlebte aber die Diffamierungen und Verbote während der Zeit Hitlers und Stalins.

Die österreichische Sektion der IGNM wurde ungeachtet der Salzburger Gründung erst 1926 in Wien als Verein für neue Musik installiert. Erster Präsident: J. Bittner. In diesem Amt war A. Webern ab 1937 tätig. Verbot der Organisation 1938–45; mit 20.4.1945 auf Initiative von F. Wildgans als österreichische Sektion der IGNM wiedergegründet, mit Sitz in Wien, derzeit 3 Zweigsektionen einschließend (Kärnten, Oberösterreich, Salzburg). Die Statuten folgen im Prinzip den zentralen Generalstatuten der IGNM. Danach richten sich auch die Aktivitäten der österreichischen Sektion, u. a. Die lange Nacht der neuen Klänge, diverse didaktische und informative Veranstaltungen, Kammerkonzerte, auch in den Bundesländern. Weltmusiktage in Österreich: 1923 Salzburg, 1932 Wien, 1952 Salzburg, 1961 Wien, 1972 und 1982 Graz; seitdem aus budgetären Gründen nicht jedes Jahr.


Literatur
A. Haefeli, Die Internationale Ges. für Neue Musik 1982; ÖMZ 37 (1982).

Autor(en)
Lothar Knessl
Empfohlene Zitierweise
Lothar Knessl, Art. „Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM, engl.: ISCM, frz.: SIMC)‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 07/11/2002]