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Herzogenberg, Herzogenberg, Heinrich von: Ehepaar
Heinrich von: * 1843-06-1010.6.1843 Graz, † 1900-10-099.10.1900 Wiesbaden/D. Komponist, Dirigent, Professor für Komposition. Geboren als Leopold Heinrich Freiherr von H. Picot de Peccaduc, einem aus Frankreich nach Österreich eingewanderten Adelsgeschlecht entstammend, Schulbildung in Graz (heute Akademisches Gymnasium, 1862 Matura), Dresden, Feldkirch und vermutlich auch Innsbruck. Über seine musikalische Ausbildung (Klavierunterricht) ist wenig bekannt. Vom Mai 1856 bis September 1857 wird er in der Musik-Bildungs-Anstalt des J. Buwa in Graz als Schüler geführt. Ab 1862/63 Studium an der Wiener Univ. (Rechtswissenschaften, Philosophie) und am Konservatorium der GdM in Wien (1862–64 Komposition bei F. O. Dessoff). Erste Kompositionen und Aufführungen im Rahmen der sog. Zöglingsproductionen des Konservatoriums. Aus dieser Zeit rührt die Bekanntschaft mit J. Brahms, von der sein weiterer künstlerischer Lebensweg geprägt war. Brahms verhalf H. zu dessen ersten Publikationen, den Liedern op. 1 und 2.

1865/66 Studienreise nach Dresden/D, Leipzig/D und Berlin, wertvolle Kontakte mit namhaften Persönlichkeiten und Musikverlagen. 1866 Rückkehr nach Wien, 1868 Heirat mit Elisabeth von Stockhausen. Übersiedlung nach Graz, wo H. bis 1872 als Komponist, Dirigent und in verschiedenen offiziellen Funktionen (im Grazer Singverein und Musikverein für Steiermark) am lokalen Musikleben regen Anteil hatte.

1872 Übersiedlung nach Leipzig. Gemeinsam mit Alfred Volkland, Philipp Spitta und Franz von Holstein war H. 1875 an der Konstituierung des Bach-Vereins zu Leipzig beteiligt, für den er in den folgenden zehn Jahren als Dirigent v. a. J. S. Bachscher Werke tätig war. Zu seinen Kompositionsschülern zählte in Leipzig neben seiner Frau Elisabeth die später bekannte englische Komponistin Ethel Smyth, die als junge Studentin im Hause H. herzliche Aufnahme fand. 1885 übernahm H. eine Kompositionsklasse an der Königlichen MHsch. in Berlin. Seit 1887 war sein weiteres Berufs- und Privatleben von schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen und von der Krankheit seiner Frau beeinträchtigt.

H.s musikalisches Schaffen umfasst bis auf die Oper alle Gattungen, wobei drei Perioden hervortreten: Die Kompositionen aus der Zeit in Graz, das Schaffen unter den Vorzeichen des Traditionalismus, die Werke der letzten Jahre. Stilistisch bewegt sich H. anfangs zwischen den konservativen und progressiven Strömungen seiner Zeit. Neben der von R. Schumann beeinflussten Klaviermusik stehen die frühen Werke, die in Graz 1870 entstandene „dramatische Cantate“ Columbus op. 11 und die Symphonie Odysseus op. 16 (1872), Rich. Wagner nahe. Von Wagner und der Neudeutschen Schule wandte sich H. jedoch in späteren Jahren ab. Sein großes künstlerisches Vorbild wurde nach 1875 Brahms. Diese Gesinnung teilte auch Elisabeth von H., die ihn in allen künstlerischen Belangen unterstützte. Nach ihrem Tod (1892) erfolgte H.s Hinwendung zur geistlichen Vokalmusik, wobei der Katholik H. bevorzugt auf Texte protestantischen Ursprungs zurückgriff. Während in der Leipziger Zeit Ph. Spitta engster Freund und Berater war, wurde es nach 1893 dessen Bruder, Friedrich Spitta, Theologieprofessor in Straßburg. Auf dessen Anregung hin verfasste H. Kompositionen geistlicher Texte für die Straßburger akademischen Gottesdienste, Liturgische Gesänge, op. 81, 92, 99 (1893–97) für vier bis acht Stimmen sowie die Kirchenoratorien Die Geburt Christi, op. 90 (1894), Die Passion, op. 93 (1895/96) und Erntefeier, op. 104 (1897/98). Mit den Kirchenoratorien beschritt er neue Wege, indem er den Gemeindegesang integrierte. Seit den 1990er Jahren erfährt das Werk H.s neue Wertschätzung. H. und E. von H.s umfangreicher und weitgehend unveröffentlichter Briefwechsel mit zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit dokumentiert eindrucksvoll verschiedene Aspekte ihres privaten und künstlerischen Lebens.


Gedenkstätten
H.gasse (Graz XIII).
Werke
Werke mit Opuszahl (op.1–109) und Werke ohne Opuszahl (WoO 1–55), die Instrumental- wie auch Vokalmusik, Klavier- und Kammermusik etc. umfassen.
Schriften
Aufsätze zw. 1890 und 1898 sowie Rezensionen und Gelegenheitsdichtungen.
Literatur
Brahms und die H.s. Spuren einer Freundschaft, Programmheft Brahms-Museum Mürzzuschlag 2000; Ch. Brussatti, Das Liedschaffen H. v. H.s, Diss. Wien 1976; Ch. Ebenig, Die Kirchenoratorien H. v. H.s. Zur Problematik der Erneuerung der evangelischen Kirchenmusik am Ende des 19. Jh.s, Diss. Mainz 1999; M. Kalbeck (Hg.), Johannes Brahms im Briefwechsel mit H. und E. v. H. 21908; K. Klek in Musik und Kirche 63 (1993); U. Schilling, Philipp Spitta. Leben und Wirken im Spiegel seiner Briefwechsel 1994; E. Smyth, Ein stürmischer Winter. Erinnerungen einer streitbaren englischen Komponistin 1988; J. Spengel, H. v. H. in seinen Vocal-Werken erläutert 1893; StMl 1962–66; B. Wiechert, H. v. H. (1843–1900), 1997; Verzeichnis der Compositionen von H. v. H. 1893; Mitt. A. Ruhbaum und B. Wiechert.


Elisabeth von (geb. von Stockhausen): * 13.4.1847 Paris, † 7.1.1892 San Remo/I. Pianistin, Sängerin und Komponistin, Musikförderin. Geboren als Tochter des Hannoveranischen Gesandten in Wien, Bodo Albrecht v. Stockhausen, und Clothilde Annette, geb. Gräfin von Baudissin. Kam mit ihren Eltern 1853 nach Wien. 1861 Klavierschülerin von J. Epstein, auch von Brahms erhielt sie kurzzeitig Klavierunterricht. Sie wurde Widmungsträgerin einiger Werke H. v. H.s, z. B. der 1865 entstandenen Acht Lieder und Gesänge für Singstimme und Klavier (WoO 51). Am 26.11.1868 Heirat mit H. v. H. Aus dem Briefwechsel mit Brahms geht ihre Rolle als kompetente Beraterin und Kennerin der Musikkultur ihrer Zeit hervor. Sie setzte sich für das Werk Brahms’ sowie mit großem Einsatz für die Kompositionen und das Wirken ihres Mannes ein. Sie unterstützte ihn (als Sängerin, Pianistin, Beraterin und Korrespondentin) bei seiner Tätigkeit als Chorleiter beim Bach-Verein in Leipzig. Dem Werk Wagners, A. Bruckners und F. Liszts stand sie ablehnend gegenüber. In Graz, besonders aber in Leipzig und Berlin war ihr Haus Treffpunkt der zeitgenössischen musikalischen Elite. Brahms, C. Schumann, A. und J. Joachim, Edvard Grieg, A. Dvořák, Ethel Smyth, der Bildhauer Adolf Hildebrand u. a. schätzten Elisabeth als große musikalische Begabung und hochgebildete Frau.


Werke
Von ihren Kompositionen (Liedern und Klavierstücken) wurden zu ihren Lebzeiten die 24 Volkskinderlieder gedruckt. Ihr Klavierlied Nr. 7 Nachklang erschien unter dem Namen ihres Mannes (op. 44 Gesänge und Balladen), nach ihrem Tod gab H. v. H. ihre Acht Clavierstücke heraus.
Literatur
A. Ruhbaum, E. v. H.: Salon – Mäzenatentum – Musikförderung 2009.

Autor(en)
Ingeborg Harer
Empfohlene Zitierweise
Ingeborg Harer, Art. „Herzogenberg, Ehepaar‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 25.4.2003]
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

MEDIEN
Heinrich von Herzogenberg (Der Singverein in Graz in den ersten vierzig Jahren seines Bestehens 1909, 18)
Elisabeth von Herzogenberg (Der Singverein in Graz in den ersten vierzig Jahren seines Bestehens 1909, 18)
HÖRBEISPIELE

Erschienen ist der herrliche Tag aus denSechs Choralvorspielen op. 67
© 2008 Studio Weinberg, 4292 Kefermarkt

GND
Herzogenberg, Heinrich von
Weiterführende Literatur (OBV)
GND
Herzogenberg, Elisabeth von
Weiterführende Literatur (OBV)

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