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HavelkaHavelkatrue (Hawelka), Familie
Geigenmacher

Šimon Jan: * vor 1700 Prag?, † ca. 1774 Linz?. Über Š. J. H. ist wenig bekannt; Jalovec nennt als Lehrer Thomas Edlinger in Prag. Sein Aufenthalt in Linz ab spätestens 1763 ist nur belegt durch Geigenzettel in Instrumenten, die sich laut Lütgendorff im Stift St. Florian befanden. Seine Arbeit wird als sorgfältig und sauber beschrieben.

Johann Baptist: * ca. 1739 Prag?, † 27.12.1798 Linz. Er soll der Sohn von Š. J. H. und auch dessen Schüler gewesen sein. Nach seiner Lehrzeit in Prag übersiedelte er nach Linz und arbeitete als Geselle bei J. B. Weigert. Am 21.8.1761 verkaufte ihm dieser seine Handwerksgerechtigkeit; H. bezahlte 400 fl für die Gewerbeberechtigung, 30 neue Violinen, mehrere alte Instrumente und das Werkzeug. Im selben Jahr erhielt er das Bürgerrecht verliehen. Am 26.7.1763 heiratete H. in der Linzer Stadtpfarre Maria Lidwina Steiner. Er besaß in den Jahren 1769–71 ein Haus in der Pfarrgasse Nr. 16, weiters 1769–86 ein solches in der Landstraße Nr. 27. Aktenkundig wurde H., als sich der aus Wien stammende Geigenmacher Johann Georg Adelbodinger im Jahr 1768 in Steyr niederlassen wollte. Da die Linzer Geigenbauer seit dem späten 17. Jh. ein landesweites Monopol innehatten, wurde H. um Stellungnahme gebeten. Erwartungsgemäß sprach er sich gegen den Zuzug des Konkurrenten aus und der Antrag Adelbodingers wurde in der Folge abgewiesen (Grüll). Die Linzer Matriken enthalten keine Auskünfte über Nachkommen des Geigenmachers, nur sein Tod im Alter von 59 Jahren ist vermerkt. H.s Nachfolger war M. Frank, der am 16.5.1799 das Gewerbe übertragen erhielt.

H.s Arbeiten sind typisch für die Prager Schule. Jalovec berichtet von Geigen, die er in der Werkstätte von Johann Georg Hellmer in Prag hergestellt haben soll und bei denen sein Vorname mit Jan Baptista angegeben ist. Ein bei Lütgendorff faksimilierter Geigenzettel (Nr. 322) muss, zumindest was die handschriftliche Datierung betrifft (1741), eine Fälschung sein. Hamma bildet eine Viola ab, die laut Bildlegende von Š. J. H. stammen soll, allein wegen des Herstellungsjahres 1793 jedoch von einem Sohn stammen dürfte. Dessen Instrumente sind tonlich gut und tragen einen dunklen, rötlich-braunen Lack, der opak und sehr deckend ist.


Literatur
G. Grüll in Jb. der Stadt Linz 1954; W. Henley, Universal Dictionary of Violin and Bow Makers 1973; W. Hamma, Geigenbauer der Dt. Schule des 17. bis 19. Jh.s 1986, Bd. 1, 269–271 u. Bd. 2, 588; K. Jalovec, Böhmische Geigenbauer 1959, 55, Abb. 67, 149, 150; Lütgendorff 61975 u. 1990; R. Vannes, Dictionnaire Universel des Luthiers 1979; Mitt. Archiv der Stadt Linz.

Autor(en)
Rudolf Hopfner
Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Havelka (Hawelka), Familie‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]