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Haßler Haßler Hans Leo: (Hassler, Hasler), Brüder
Hans Leo: get. 26.10.1564 Nürnberg/D, † 1612 -06-088.6.1612 Frankfurt a. M./D. Komponist, Organist. Sohn (und Schüler?) des Organisten Isaak H. (ca. 1530–91), später wohl wichtige Eindrücke durch L. Lechner (1575–84 in Nürnberg) und F. Lindner, beide Herausgeber bedeutender Sammlungen niederländischer sowie italienischer Musik. 1585/86 Studium bei A. Gabrieli in Venedig, wo er die flächig-akkordische Klangregie der konzertierenden Mehrchörigkeit, die Formen und Techniken der Orgelmusik und die neue homophone Liedkunst kennen lernte, die er in persönlicher Art und Weise weiterentwickelte; Freundschaft mit G. Gabrieli. 1586–1600 in Augsburg/D Kammerorganist von Octavian Secundus Fugger (dazwischen 2 Jahre bei Octavians Vetter Christoph). Bereits H.s erste Sammlung „Cum gratia & privilegio Imperiali“ auf (im Erlass nennt Rudolph II. H. „unser und des reichs lieber getrewer Hanns Leo Hassler, organist“). Am 1.1.1595 wurde H. zusammen mit seinen Brüdern Jacob und Kaspar geadelt, am 14.5.1605 folgte eine „pesserung adelichen wappens sambt den freiheiten sich von Rosenegg zu schreiben“.

H. bewegte sich in höchsten Adelskreisen, auch durch Geld- und Pfandleihgeschäfte, die ihn und seine Brüder als skrupellose und harte Schuldeneintreiber sehen (auch bei hohen Aristokraten); daneben beteiligten sie sich an böhmischen Kupfer- und Silberbergwerken. Als Organist und Orgelsachverständiger berühmt und durch die Sammlungen Neüe Teütsche gesang nach art der welschen Madrigalien und Canzonetten (1596), Madrigali à 5, 6, 7 & 8 voci voci (1596) und (4–8-st.) Missae (1599) einer der berühmtesten und bedeutendsten Komponisten seiner Zeit, wurde H. 1600 Leiter der Augsburger Stadtpfeifer und schließlich mit 16.8.1601 (bis 1604) „Oberster Musicus“ von Nürnberg. Daneben war er Entwickler und Hersteller von Spieluhren bzw. Orgelautomaten, erhielt auch hier ein kaiserliches Privileg (1601) und verkaufte Kaiser Rudolph II. zwei Instrumente; drei Urheberschafts-Prozesse riefen höchste diplomatische Verwicklungen hervor. – Am 1.1.1602 wurde H. „kaiserlicher Hofdiener von haus aus“, der für den in Prag residierenden Kaiser u. a. Geld, Edelsteine oder Silber besorgte. Erst 1605 scheint er als „camerorganist“ auf, doch übte er dieses Amt nie aus; „Hofdiener“ war er aber bis zu seinem Tod.

1604–08 lebte H. in Ulm/D, heiratete dort, erwarb 1607 das Bürgerrecht und kaufte sich 1608 in die Kaufmannszunft ein. Und mit den Sammlungen Sacri Concentus (1601), Lustgarten Neuer Teutscher Gesäng / Balletti, Galliarden und Intraden (1601), Psalmen und Christliche Gesäng (1607) sowie Kirchengesäng [...] mit vier Stimmen simpliciter gesetzt (1608) etabliert er sich endgültig als „Musicus inter Germanos sua aetate summus“, wie ihn ein Epitaph in Nürnberg nennt. (Sein Liebeslied Mein gmüth ist mir verwirret aus dem Lustgarten wird mit den Texten Herzlich tut mich verlangen bzw. später O Haupt voll Blut und Wunden bald einer der bekanntesten Kirchengesänge.) Ab Herbst 1608 in Dresden Kammerorganist des Kurfürsten Christian II. von Sachsen (sowie des Nachfolgers Johann Georg I.), starb H. während einer Reise, die er im Gefolge seines Dienstherrn zur Frankfurter Kaiserwahl des Sommers 1612 unternahm, an der Schwindsucht.


Werke
neben den genannten Slgn. noch zahlreiche Einzelmotetten sowie Orgelmusik (u. a. Canzonen [s. Tbsp.], Introitus, Ricercare [s. Tbsp.], Toccaten, Magnificat-Versetten).
Literatur
A. Sandberger in DTB V/1 (1904); E. F. Schmid in Zs. d. hist. Ver. f. Schwaben 54 (1941); B. Terschluse, Das Verhältnis der Musik zum Text in den textgleichen Motetten des XVI. Jh.s mit besonderer Berücksichtigung der ,Cantiones sacrae‘ von H. L. H., Diss. Heidelberg 1964; H. Krones in K. W. Niemöller/H. Loos (Hg.), Die Musik der Deutschen im Osten und ihre Wechselwirkung mit den Nachbarn 1994; H. Krones in E. Th. Hilscher (Hg.), [Fs.] Th. Antonicek 1998; MGG 8 (2002); NGroveD 11 (2001).


Jacob: get. 18.12.1569 in Nürnberg, † zw. Ende April/Ende Sept. 1622 Eger?/Böhmen (Cheb/CZ). Komponist, Organist. Zur Jugend H.s siehe bei seinem Bruder Hans Leo. 1585 in Augsburg Ausbildung zum Stadtpfeifer, spätestens 1591 Kammerorganist von Christoph Fugger, der ihm eine Italien-Reise (wohl zu G. Gabrieli nach Venedig) ermöglichte. 1595 geadelt (und 1605 „gebessert“), gelangte er früh zu Ansehen und wirkte auch bei den Geldgeschäften seiner Brüder mit. Ende 1596 wurde er Vater, heiratete aber erst nach einem aufsehenerregenden Prozess. Ab 17.5.1597 Hoforganist Graf Eitelfriedrich des Prächtigen von Hohenzollern in Hechingen/D, ab 1.7.1602 Kammerorganist Kaiser Rudolphs II. in Prag. 1606 Laienherrnpfründe „im gottshaus und closter zum Heyligen Creüz zu Augspurg“, 1607 völlige Steuerfreiheit und kaiserlicher „Schutz und Schirm“, 1610 Patenschaft Rudolphs II. über einen Sohn H.s. Nach Rudolphs Tod wohl noch kurz in Diensten von Kaiser Matthias, übersiedelte H. spätestens 1614 nach Eger und war dort in Bergwerksgeschäften tätig. 1620 wollte er nach Augsburg zurückkehren, doch verwehrte man ihm dies wegen des seinerzeitigen Prozesses. H.s Kompositionen verraten meisterhafte Schulung sowohl in der polyphonen „prima prattica“ als auch im neuen madrigalischen Stil.


Werke
Madrigali à sei Voci 1600; Magnificat octo tonorum, quatuor vocum: una cum missa, sex vocum, & psalmo 51. Miserere & c. 8 vocum 1601; 7 Orgelwerke (3 Ricercare, je 1 Canzon, Fantasia, Fuga, Toccata).
Literatur
Lit (s. auch H. L. H.): H. Krones in Organa Austriaca 4 (1988); M. Grassl, Die in Orgeltabulaturen überlieferten Instrumentalwerke J. H.s und ihre stilistischen Grundlagen, Tutzing 1990.

Autor(en)
Hartmut Krones
Empfohlene Zitierweise
Hartmut Krones, Art. „Haßler (Hassler, Hasler), Brüder‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]

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Hans Leo Hassler, Ricercar II. Toni für Orgel
© 2004 Studio Weinberg , 4292 Kefermarkt

Hans Leo Hassler, Canzon für Orgel

GND
Haßler Hans Leo
Weiterführende Literatur (OBVSG)
GND
Haßler Jacob
Weiterführende Literatur (OBVSG)

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