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Graf, Graf, true Conrad
* 1782 -11-1717.11.1782 Riedlingen in Württemberg/D, † 1851 -03-1818.3.1851 Wien. Klaviermacher. In der Heimat zunächst als Tischler ausgebildet, kam G. 1798 oder 1799 nach Wien. Nach dem Militärdienst arbeitete er bei dem Klaviermacher Jakob Schelke (auch Schelkle), dessen Werkstatt im Wiener Vorort Währing (heute Wien XVIII) er 1804 übernahm und dessen Witwe er ein Jahr später heiratete. 1811 erhielt G. als „Landklaviermacher“ eine Befugnis für Wien, obwohl er bereits damals auf der Wieden 182 (IV, Paulanergasse 4) mit seiner Familie wohnte. Nach Ablegen des Bürgereides 1822 wurde ihm 1824 der Titel eines „k. k. Hofpiano- und Claviermachers“ verliehen. 1826 kaufte G. das sog. „Mondscheinhaus“, ein ehemaliges Tanzlokal auf der Wieden 102 (IV., Gußhausstraße 2), das er zur Fabrik ausbaute, die bald als die „größte und renommierteste Wiens und des Kaiserthums“ bezeichnet wurde. 1835 erhielt C. G. auf der 1. Gewerbsproduktenausstellung die goldene Medaille. 1841 verkaufte er den Betrieb an C. Stein und zog sich in sein 1835 im Garten des Mondscheinhauses gebautes Haus Wieden Nr. 899 (IV, Technikerstraße 5) zurück. Dieses verkaufte er 1845 und übersiedelte in die Stadt, Wollzeile Nr. 864 (I, Strobelgasse 2).

C. G. gilt als der bedeutendste Klavier-„Fabrikant“ des Wiener Vormärz. In seiner Fabrik arbeiteten zeitweise bis zu 40 Mitarbeiter. Im Laufe seines Lebens fertigte er etwa 3000 Klaviere, von denen weltweit etwa 50–60 erhalten sein dürften. G. scheint wenig experimentierfreudig gewesen zu sein; die ab ca. 1820 erhaltenen Flügel lassen sich in lediglich drei Gehäusemodelle differenzieren, die im Laufe der Jahre bezüglich Tonumfang, Mensuren und Besaitung geringfügig modifiziert wurden. Die Instrumente zeichneten sich jedoch durch eine wohldurchdachte und solide Konstruktion, beste Holzauswahl, handwerklich gediegene Verarbeitung und einen vollen, runden Ton aus. Lediglich die künstlerische Ausstattung und die Anzahl der Mutationen konnten je nach Geschmack und Finanzkraft der Auftraggeber beträchtlich variieren. Dem Zeitgeschmack entsprechend finden sich in G.s Instrumenten in unterschiedlicher Kombination die damals üblichen Klangveränderungen: Verschiebung (una corda bzw. due corde), Fagott (mit Seide überzogene Papierrolle auf den Basssaiten, die ein sirrendes Nebengeräusch ergibt), Piano bzw. Pianissimo (ein- bzw. zweilagiger Tuchstreifen, der zwischen Hammer und Saite geschoben wird), Forte (Dämpfungshebung), Janitscharen oder Türkische Musik (Glöckchen, Paukenschlag gegen den Unterboden, Becken). Bereits seit 1812 soll G. Klaviere mit vierchörigem Saitenbezug gebaut haben; der im Beethoven-Haus in Bonn erhaltene Flügel von etwa 1825 war somit keine Sonderanfertigung für den tauben L. v. Beethoven. G. war am traditionellen, gediegenen Handwerk orientiert. Abseits der übrigen, vom englischen Klavierbau beeinflussten Entwicklungen, hielt er an der bewährten „Wiener Mechanik“ mit gerader Fängerleiste fest. Auch hatte bis zuletzt ein Großteil der erhaltenen Flügel oberhalb der Saiten einen „Schalldeckel“ (auch „Staubboden“ genannt), der bei offenem Hauptdeckel die Klangbalance zwischen Bass und Diskant regulierte. Nur bei der Stahlbesaitung wechselte er ab ca. 1837 auf das Englische Drahtnummernsystem. Der große Erfolg G.s dürfte schon früh Nachahmer zu Fälschungen angeregt haben, von denen er sich durch handgeschriebene und datierte Vignetten und später durch nummerierte Brandstempel abzugrenzen suchte.

C. G. war eine ausgeprägte, gesellschaftlich angesehene Persönlichkeit, die auch junge Talente förderte. Neben F. Chopin und F. Liszt zählten C. Wieck und R. Schumann zum Bekanntenkreis. Die junge Virtuosin erhielt 1840 zur Hochzeit von ihrem Gönner einen Flügel geschenkt, der nach Roberts Tod von J. Brahms übernommen und 1873 der Gesellschaft der Musikfreunde überlassen wurde. Der Freundschaft mit dem Maler Josef Danhauser, dessen Vater die damals wohl renommierteste und modernste Möbelfabrik führte, verdanken wir ein Gemälde von 1840, das G. am Ende seines Berufslebens als etablierten Repräsentanten eines durch Fleiß zu Wohlstand gelangten Bürgertums des Wiener Biedermeier zeigt.


Literatur
G. Schilling 3 (21840); J. Fischhof, Versuch einer Gesch. des Clavierbaues 1853; H. Haupt in StMw 24 (1960); Ottner 1977; R. Harding, The Piano-Forte 21978; D. Wythe in Early Music 12/4 (1984); D. Wythe, C. G., Diss. New York 1990; M. Novak Clinkskale, Makers of the Piano 1700–1820, 1993; Hopfner 1999.

Autor(en)
Alfons Huber
Empfohlene Zitierweise
Alfons Huber, Art. „Graf, Conrad‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]