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Dvořák, Dvořák, true Antonín
* 1841 -09-088.9.1841 Mühlhausen/Böhmen (Nelahozeves bei Kralupy nad Vltavou/CZ), 1904 -05-011.5.1904 Prag. Komponist, Musikpädagoge und Dirigent. Aus einer musikliebenden Familie stammend, lernte er Violine bei dem Dorflehrer Joseph Spitz und später auch Orgel und Musiktheorie bei Antonín Liehmann in Zlonice. Auf dessen Empfehlung wurde D. im Herbst 1857 auf die Orgelschule des Konservatoriums in Prag geschickt (1857–59; Lehrer: František Blažek Musiktheorie, J. Foerster Orgel, Josef Leopold Zvonař Gesang). Ab November 1857 wirkte er als Bratschist im Orchester der Cecilská jednota, wo er auch die Werke von L. v. Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy, L. Spohr, R. Schumann und Rich. Wagner kennen lernte. Ab 1859 wurde D. Bratschist in der Kapelle K. Komzáks, mit der er 1862 in das Nationaltheater übertrat. Hier, wo er ab 1866 in engem Kontakt mit B. Smetana stand, wirkte er bis 1873. Nach den ersten kompositorischen Versuchen (ca. 1861–73, Kammermusik, erste zwei Symphonien, Opern Alfred und König und Köhler [Král a uhlíř] erlebte D. den ersten wirklichen Erfolg durch die Aufführung der Kantate Hymnus für gemischten Chor und Orchester am 9.3.1872. 1874–77 wirkte D. als Organist in St. Vojtěch und widmete sich weiterhin der kompositorischen Tätigkeit (Stabat mater 1876, einaktige Oper Tvrdé palice 1874, und Vanda 1875). 1875 komponierte er die Serenade E-Dur für Streicher op. 22, die auf Anregung des Bratschisten A. A. Buchta in Wien aufgeführt werden sollte. 1875–78 wurde er finanziell durch das österreichische Staatsstipendium abgesichert, über dessen Zuteilung E. Hanslick, der Wiener Operndirektor J. Herbeck, O. Dessoff und dessen Nachfolger J. Brahms als Jurymitglieder entschieden hatten. Im Dezember 1877 empfahl Brahms dem Berliner Verleger Fritz Simrock D.s Mährische Duette (als Klänge aus Mähren in der Übersetzung von Josef Srb-Debrnov 1878 erschienen), womit eine langjährige Freundschaft zwischen diesen zwei Komponisten begann. (Das Streichquartett d-Moll op. 34, 1877, ist Brahms gewidmet.) Die Klänge aus Mähren und die erste Reihe der Slawischen Tänze, die D. bereits auf Nachfrage von Simrock komponierte, brachten ihm sowohl den entscheidenden kommerziellen als auch internationalen Erfolg – er wurde von J. Joachim, dem Florentinischen Quartett und den Kritikern L. Ehlert in Berlin und E. Hanslick in Wien hoch geschätzt – und öffneten D. den Weg nach Deutschland und England, Ungarn und Russland. 1884–96 unternahm D. insgesamt neun England-Reisen, bei denen er als Dirigent auftrat und v. a. sein Stabat Mater sensationelle Erfolge erlebte. Nach der Wiener Aufführung der Slawischen Rhapsodie (1879) lernte D. den Dirigenten H. Richter kennen, der sich ab diesem Zeitpunkt intensiv für die Aufführung von D.s Werken in Wien einsetzte. Ende des Jahres 1879 bestellte H. Richter bei D. eine Symphonie für Wien (Nr. 6), und J. Hellmesberger wünschte sich ein Streichquartett (C-Dur op. 61). Im Herbst 1880 orchestrierte D. im Auftrag Simrocks die Ungarischen Tänze Nr. 17–21 von Brahms. Am 4.2.1881 wurden in Wien seine Zigeunermelodien aufgeführt, in den nächsten Jahren aber die Aufführungen seiner Werke in Wien durch die antitschechische Stimmung spürbar erschwert. Im Philharmonischen Konzert am 2.12.1883 unter H. Richter wurde neben der 3. Symphonie von Brahms auch das Violinkonzert a-Moll von D. aufgeführt (Wiener EA). 1890 wurde er zum ständigen Mitglied der Tschechischen Akademie der Wissenschaft und der Kunst gewählt, zum Ehrendoktor der Univ. Cambridge – als Dissertation leitete er seine Symphonie G-Dur Londoner und das Stabat mater – und der Karlsuniversität in Prag ernannt. Ab Januar 1891 wurde D. Professor für Komposition am Prager Konservatorium und 1892–95 Direktor des Konservatoriums in New York. Hier entstanden u. a. die Symphonie Aus der Neuen Welt (1892–93), das Cellokonzert (1894–95), das Streichquartett F-Dur (das Amerikanische) und die Biblischen Lieder. Als Dirigent des dortigen Schülerorchesters dirigierte er in der Wintersaison insgesamt zwölfmal die 5. und 6. Symphonie von Fr. Schubert, den er hoch schätzte. In seinen letzten Lebensjahren widmete sich D. v. a. der Oper. Nach dem Tod von J. Brahms (1897, D. nahm am Begräbnis teil) bekam er dessen Position in der Jury für das Staatsstipendium. Im Oktober 1897 dirigierte D. sein Cellokonzert op. 104 „in memoriam Johannes Brahms“. Im April 1901 wurde er zusammen mit dem Dichter Jaroslav Vrchlický zum lebenslangen Mitglied des Herrenhauses in Wien und im selben Jahr zum künstlerischen Direktor des Prager Konservatoriums ernannt. Zu seinen bedeutendsten Schülern gehörten Josef Suk, V. Novák, R. Karel, O. Nedbal; er pflegte freundschaftliche Kontakte auch zu L. Janáček. 1901 begegnete D. in Wien G. Mahler, dem Nachfolger H. Richters. Am 3.11.1901 dirigierte Hellmesberger die erste öffentliche Aufführung der symphonischen Dichtung Das goldene Spinnrad op. 109. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Dirigent im Konzert am 4.4.1900 in Prag führte D. die Tragische Ouverture von Brahms, Schuberts Symphonie h-Moll und Beethovens 8. Symphonie auf.
Ehrungen
G: Gedenktafel (Wien IV, Wiedner Hauptstraße 7).
Werke
Kammermusik: 14 Streichquartette (F-Dur, das Amerikanische op. 96), 2 Klavierquartette, 3 Streichquintette, 2 Klavierquintette, Streichsextett u. a., Serenaden, Tänze (Slawische Tänze op. 46 und 72), Märsche, Ouverturen, symphonische Dichtungen, 9 Symphonien (9. Symphonie e-Moll Aus der Neuen Welt op. 95, 1893), Orchesterwerke mit einem Soloinstrument und Konzerte (Romanze f-Moll op. 11 für V. und Orch., Mazurek op. 49, Konzert g-Moll für Kl. und Orch. op. 33, Konzert a-Moll für V. und Orch. op. 53, Konzert h-Moll für Vc. und Orch. op. 104), Kantaten, Messen, Oratorien, 10 Opern: Alfred (1870), König und Köhler (Král a uhlíř 1871), Die Dickschädel (Tvrdé palice 1874), Der Bauer ein Schelm (Selma sedlák 1877), Dimitrij (1881–82), Der Jakobiner (Jakobín 1887–88, 1897), Der Teufel und Käthe (Čert a káča 1898–99), Rusalka (1900), Armida (1902/03); Kirchenwerke: Stabat Mater (1876–77), Requiem (1890), Biblische Lieder (1894).
Literatur
MGG 3 (1954); NGroveD 5 (1980) u. 7 (2001); O. Šourek, D.s Werke 1917 [WV]; J. Burghauser, A. D.: Thematický katalog, bibliographie, přehled života a díla 1960; O. Šourek, Život a dílo Antonína Dvořáka 1–4 (1916–33); O. Šourek/P. Stefan, D. Leben und Werk 1935; J. Berkovec, A. D. 1969; J. Clapham in MQ 55 (1971); J. Vysloužil in BrucknerJb. 1981; J. Burghauser, A. D. 1985; J. Tyrrell, Czech Opera 1988; D. Beveridge in Musik des Ostens 12 (1989); C. N. Kirkendall, Techniques of Choral and Orchestral Writing in the ‚Te Deum‘ Settings of Berlioz, Bizet, Bruckner, D. and Verdi, Diss. Cincinnati 1989; S. Litzel/F. Gottschalk (Hg.), Programmbuch Johannes Brahms/A. D. 1991; K. Döge, A. D.: Leben-Werke-Dokumente 1991; S. Wollenberg in Musical Times 132 (1991); R. Grasberger et al. (Hg.), [Kgr.-Ber.] Bruckner Linz 1993, 1996; H. Blaukopf in Nachrichten zur Mahler-Forschung 40 (1999).

Autor(en)
Dagmar Glüxam
Empfohlene Zitierweise
Dagmar Glüxam, Art. „Dvořák, Antonín‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: ().

[Letzte inhaltliche Änderung: 06/05/2001]